1. #1
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    Träume, Bäume, Sturm und Schnee

    Gemeinsam sahen wir nach vorne, hatten Träume,
    errichteten ein Haus, samt Garten, pflanzten Bäume.
    Uns schlugen Stürme, Hagelkörner, Schnee entgegen,
    wir aber wehrten uns und schützten unser Leben.

    Ganz nebenbei fiel unbemerkt der Alltag ein,
    verspeiste heimlich Stück für Stück von unsrem Sein.
    Dann war auf einmal nichts mehr von uns beiden da.
    Du merktest es zuerst, was keiner kommen sah.

    Da half kein Bitten, Jammern oder Hilfeflehen,
    der Schluss war klar: Wir würden eigne Wege gehen.
    Das sind wir auch und sahen ab und an zurück,
    wir hatten viel erlebt, sogar das reine Glück.

  2. #2
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    Ach da kommt ja was hoch das besser im Sumpf verfault wäre. Aber ohne sich selbst zu psychofizieren kann das Beschriebene wirklich nur daran festgemacht werden, dass irgendwas alltagsmässiges stärker wäre als das was uns wirklich bewegt bevor wir merken was war ohne zu vergessen warum eigentlich nicht mehr als ein Nervfaktor ausschlaggebend sein wollte um eigene Wege zu gehen. Insgesamt bedenklich.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  3. #3
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    Lieber MiauKuh,

    ein schönes Gereimtes.

    Erst beim zweiten Lesen fiel mir die Assonanz entgegen/Leben auf, demnach hat sie mich wohl auch nicht gestört. Und auch der Wechsel im Rhythmus in S1/V4 fügt sich mMn schön ein, das durch die Betonung hervorgehobene wir unterstützt das Bild der Trutzburg gegen die Unwetter.

    ... wir hatten viel erlebt, sogar das reine Glück
    Ein sehr wehmütiger, sehr berührender Abschluss und man fragt sich, warum man es denn nicht halten konnte. Es wird ja oft der Alltag als Schuldiger identifiziert. Die berühmte Zahnpastatube, Haare im Waschbecken, Differenzen bezüglich Finanziellem und Kindererziehung. Ob der alte Alltag wirklich Schuld ist, hab ich mich gefragt ...

    Lieben Gruß
    Rich

  4. #4
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    Hey Richmodis

    Der Reihe nach ... Assonanz oder Reim? Klangähnlich ist mir genug, wenn der Sinn ist, wie ich ihn darstellen möchte. Schön, dass du den "Rhythmuswechsel" in S1/V4 ansprichst. Es ist tatsächlich so, dass ich mir dachte es folgendermaßen betont zu denken:

    "wir aber wehrten uns" XXxXxX und nicht als xXxXxX, was auch ginge wäre etwas seltsam aber irgendwie auch ok: XxxXxX, es sollte, auch wenn es vielleicht komisch klingt, den Gegensatz zum Ausdruck bringen. Sowohl durch das "aber" als auch das davorgesetzte "wir". Alternativ dazu dachte ich auch an: "wir wehrten uns aber" (xXxxXx) was aber auch nicht schön wirkte also... ließ ich es, wie es ist und fühle mich nach wie vor zufrieden damit

    Mit der Abschlusszeile hatte ich lange zu tun. Sie soll sagen, dass im Rückblick doch bitte nicht alles nur Mist war, sondern auch das Schöne dabei, ja sogar das Schönste überhaupt.
    Alltag, dies und das .... es gibt so viele Millionen Gründe dafür, warum die Dinge hin und wieder schief laufen, nicht? Und welche Rolle spielt es denn? Was wichtig ist, ist doch, was blieb und die Menschen zu dem gemacht hat, wer und was sie sind. Das war eben die gemeinsame Zeit, mit all ihren dunkel und hell glänzenden Facetten ...

    Danke für deinen Kommentar!

    Hey Terrorist,
    es ist anders, als du vielleicht dachtest. Nervfaktoren sind ja das eine, hier wird eben der "Alltag" dafür verantwortlich gemacht. Klar, eine Strophe über den Versuch, da herauszukommen, eine Strophe darüber, was es hieß, darüber, was noch alles sein kann ... ach ...

    Auch dir danke! Und habt beide, falls ihr das heute lest,
    einen schönen Sonntag ...

    - Werner

  5. #5
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    Zitat Zitat von MiauKuh Beitrag anzeigen
    Gemeinsam sahen wir nach vorne, hatten Träume,
    errichteten ein Haus, samt Garten, pflanzten Bäume.
    Uns schlugen Stürme, Hagelkörner, Schnee entgegen,
    wir aber wehrten uns und schützten unser Leben.

    Ganz nebenbei fiel unbemerkt der Alltag ein,
    verspeiste heimlich Stück für Stück von unsrem Sein.
    Dann war auf einmal nichts mehr von uns beiden da.
    Du merktest es zuerst, was keiner kommen sah.

    Da half kein Bitten, Jammern oder Hilfeflehen,
    der Schluss war klar: Wir würden eigne Wege gehen.
    Das sind wir auch und sahen ab und an zurück,
    wir hatten viel erlebt, sogar das reine Glück.
    Hallo Werner,

    Dein Gedicht rührt mich an, auch der Rhythmus und die Wortwahl passen sehr gut und treffen ins Schwarze.
    Theoretisch hätte man sogar den letzten Vierzeiler weglassen können, allerdings hätte dann die letzte Zeile gefehlt,
    die mir wiederum sehr gut gefällt.

    Viele Grüße in den hohen Norden,
    Georg
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