1. #1
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    Job zu vergeben

    Die Vogelscheuche auf dem Feld
    blickt sehnsuchtsvoll ins Land.
    Sie hat sich’s anders vorgestellt,
    als sie hier Arbeit fand.

    Doch nun? Kein Vogel weit und breit,
    nicht eine müde Krähe!
    Ja selbst bei tiefster Dunkelheit
    kein Räuber in der Nähe.

    Wozu die Arme von sich strecken?
    Wofür der böse Blick
    und blöd die braunen Zähne blecken?
    Das wirkt so gar nicht schick.

    Falls Vogelscheucheriche kämen
    - Die Hoffnung stirbt zuletzt! -,
    wie müsst sie sich vor ihnen schämen ...
    das gäbe ihr den Rest.

    Ein sexy Wimpernschlag muss her,
    ein Kichern statt Gegacker.
    Auch Hüftschwung ist nicht allzu schwer,
    dann macht sie sich vom Acker.

  2. #2
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    Hallo Gugol,

    die ersten beiden Strophen fand ich toll - gesellschaftskritisch, guter Sichtwechsel, saubere Technik bis...

    S3Z4 wirkt passt nicht so recht und stört etwas den Lesefluss.
    Ab S4 bemerkte ich meinen Irrtum - es geht wieder nur um Sex. (Ich frag mich wie die das bewerkstelligen)
    Das Gedicht und seine Wendung ließt sich ohne S4 auch gut.
    Was meinst Du?

    VG amanda

  3. #3
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    Hey amanda, selten konnte ich eine Kritik so wenig nachvollziehen. Danke trotzdem. Wo siehst du in S1/2 Gesellschaftskritik? Das ist ja erstmal nur eine Vogelscheuche, die nix zu tun hat. Wenn, dann kommt die Kritik (um die es mir nicht geht!) später.

    Wenn man sich zum Affen machen muss, dann "wirkt" das doch blöd, nicht? Und warum stört dieses Wort den Lesefluss? Dazu müsste es ja falsch betont sein.

    Wenn du meinst, es geht "wieder nur um Sex", scheint mir, dass es sich dabei eher um deine Art, die Dinge zu sehen handelt (siehe auch deine Interpretation von "Mit Bäumen statt Frauen" wo du zweideutig machst, was nicht ist). Vorbeikommen heisst noch nicht gleich zusammen ins Heu hüpfen...

    Für mich geht es genau um das Wörtchen, das du nicht passend findest: Um Wirkung, um Äusserlichkeit, um auch mal jemand sein wollen und nicht in der Pampa bei einem langweiligen, peinlichen und sinnlosen Job versauern müssen, sondern was darstellen und dann aufbrechen. Aber die Ausgangsidee war eh das Spiel mit dem Begriff "vom Acker machen", den ich für eine Vogelscheuche ziemlich passend finde. LG gugol
    Geändert von Gugol (26.06.2019 um 14:38 Uhr)

  4. #4
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    Hey amanda, selten konnte ich eine Kritik so wenig nachvollziehen.


    Oops, liebe Gugol, mein Lesen verlief sehr ähnlich. Bis S3 las ich von einer arbeitslosen Vogelscheuche und begann mich nun gespannt zu fragen, wo denn die diebischen Vögel geblieben sind. Diese Erwartung erschien auch mir näherliegend, als die Frage, wie die Vogelscheuche zu ihrem Scheucherisch kommt. - Nun hast du mich doppelt überrascht....
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  5. #5
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    Ganz ehrlich Artname? Ich hatte eine Vogelscheuche aus dem Zug raus entdeckt, dachte ob sie Weiblein oder Männlein sei und wie man eigentlich ein männliches Exemplar nennen würde. Plus das Wortspiel mit "sich vom Acker machen", das zu einer Ackerbewacherin eben passt. Daraus versuchte ich eine Geschichte zu basteln, die vielleicht ein bisschen lustig und überraschend endet. Gerade auch weil ihr Tun so sinnlos ist (vielleicht würde ich für einen guten Zweck im Hasenkostüm durch die Zürcher Bahnhofstrasse laufen, aber einfach nur so ganz bestimmt nicht!) wäre es ihr halt peinlich, wenn sie von männlichen Vertretern ihrer Spezies dabei gesehen würde, und deshalb will sie nun was hermachen. Um DEN Einen und DAS Eine geht es hier gar nicht. LG gugol

  6. #6
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    Gugol, ich finde doch dein Gedicht nicht schlecht. Speziell die drei ersten Verse finde ich sehr gelungen. Aber nun stand ich halt als Leser betroffen und neugierig auf dem Feld, dachte über die Profession der arbeitslosen Scheuche und ihrer Vögel nach und wollte die Welt verändern. Während du wahrscheinlich dachtest: "Wenn wenigstens ein Scheucherich als Lösung in Frage käme..." Clever!

    lg
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  7. #7
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    Hahaha weisst du, ich dachte beim Schreiben meiner Antwort: "Verteidige ich jetzt mein Gedicht, das doch so gewollt war? Wie bescheuert ist das denn?", aber liess es dann trotzdem stehen.
    Zitat Zitat von Artname Beitrag anzeigen
    Während du wahrscheinlich dachtest: "Wenn wenigstens ein Scheucherich als Lösung in Frage käme..."
    Genau, so in etwa mein Gedanke vor der Zielgeraden und gleichzeitig "auweia, wenn jetzt einer käme und sie so sähe". LG gugol

  8. #8
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    Hallo Gugol,
    ich nahm an, dass man in diese Forum durchaus offen mit seinen Empfindungen zu dem einen oder anderen Gedicht umgehen darf.
    Ein wenig Kritik oder eine andere Sicht auf die Dinge, kann beim feilen helfen, wenn man das möchte.
    Ich hatte nicht die Absicht Dich in die Defensive zu drängen, das steht mir auch nicht zu.
    Womöglich treffen wir uns in einem anderen Gedicht auf einem anderen Fuß
    amanda

  9. #9
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    Pauschalisierungen wie "wieder nur..." mag ich nunmal nicht so. Zum Rest hab ich ja einfach meine Sicht dargestellt. Nun denn... gugol

  10. #10
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    Hallo Gugol,
    deine Lesart von "wieder mal..." war sachlich und da hast Du vollkommen recht. Daher schelte mich nicht.
    Denn aus der Sicht des Schalks und Spaßvogels ist es eher wie ein Antonym zu verstehen. So jedenfalls war es gemeint.
    Oscar Wilde würde sagen: ""Alles im Leben dreht sich um Sex, nur nicht der Sex. Der dreht sich um Macht.“, so verstehe ich Deine Zurechtweisung. Da ich mir viel Gedanken über Zwischentöne in der Wortverwendung mache, pauschalisiere ich gezielt und mit Absicht und vergaukele es ebenso. Aber dann wollte ich es so.
    Aber du hast recht. Es ist nicht wichtig, was wir senden, nur was wir verstehen.
    LG amanda

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