Thema: Morgengrau

  1. #1
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    Morgengrau

    Morgengrau


    Noch vor dem Wecker, so gegen sieben
    öffnen sich langsam die müden Lider.
    träge bleibt er noch etwas liegen,
    und streckt wie gewohnt seine kraftlosen Glieder.

    Von draußen dringen Geräusche ein,
    ohne Ladung in den Händen.
    Wollen gehört und verarbeitet sein,
    ein Auto hupt, eins quietscht beim Wenden.

    Und alles sammelt sich im Kopf.
    Er kommt ins Grübeln, kommt ins Stutzen
    fängt an zu denken unterm Schopf
    und Gefühle zu fühlen, vorm Zähneputzen.

    Und zwischen den Ohren tobt ein Krieg,
    Gedanken beginnen sich zu verrenken.
    Kämpfen zermürbend um einen Sieg
    und Konflikte gibt’s auch noch zu zerdenken.

    Der erste Gang führt ihn ins Bad
    und barfuß steht auf kaltem Boden,
    der nackte Mann mit Stoppelbart,
    „Ein schöner Anblick“ wär gelogen.

    Der Deckenstrahler wirft sein Licht,
    trifft auf Fliesen, Glas und Ziegel,
    trifft auf Augen und zerbricht,
    im alten Badezimmerspiegel.

    Und so beginnt, wie jeden Morgen,
    routiniert das gleiche Spiel.
    Der Körper schwach, den Kopf voll Sorgen,
    mit einem mulmigen Gefühl.

    Die Wiederkehr des Immergleichen
    drückt ihm, wie ein enger Hut,
    dessen Filz wie festgewachsen,
    auf seinem müden Schädel ruht.

  2. #2
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    Hallo LEX,
    mir gefällt Deine gut beschriebene "Morgensequenz", die den Blick wechselseitig nach "außen und innen" richtet.Nach dem Lesen stellen sich viele Fragen -vor und hinter dem Spiegel auf, warten auf Antworten.
    Gern gelesen!
    Beste Grüße
    lautmaler

  3. #3
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    Ich danke dir.

  4. #4
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    Oha! Lieber Lex,

    das zeugt hier doch von sorgsamen Wortewiegen. Ich habe es beim erstem Mal direkt mal laut gelesen. Es fließt und flutsch gerade zu perfektlich!


    Einzig eine Präganz fehlt mir irgendwie ein wenig...Leider hab ich keinen Vorschlag...aber ich versteh sehr wohl, dass diese Zeilen...so gleichförmig die Wiederkehr des Immergrauen (Alltags/Routine) zeigen sollen. Wie wäre es vielleicht am Ende mit einem Cliffhanger...Frage...oder dergleichen...


    Gern gelesen...


    Christian
    "das copyright auf eure beiden häuser!"

  5. #5
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    Sehr erfrischend sich selbst vorführend. Was dem Gedicht ziemlich lustigen Charakter verleiht, weil man glaubt darin stecke genau die falsche Sichtweise welche leider uns gefangen hält mit einem Charme der uns überlegen ist.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

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