Thema: Italien

  1. #1
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    Italien

    Meerblaue Tage
    unendlich weit
    nur Wellen und Sand
    Sonne und Zeit.

    Barfuß wie ein Kind
    laufe ich
    über den heißen Strand
    hin zu der Bar,
    die da immer schon war.

    Vom Meer her weht Wind
    und um mich dies Licht,
    auf das ich
    solange gewartet hab.

  2. #2
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    Hallo Leana,

    es ist natürlich ein hochgradiges Wagnis, ausgerechnet ein Gedicht über Italien zu schreiben, den klassischen Sehnsuchtsort der Deutschen. Ich will einen Aspekt Deines Textes herausgreifen, weil er in diesem Forum, wie ich finde, zu wenig zur Geltung kommt. Welche Sprache will ich einsetzen, wenn ich ein Gedicht schreibe? Mir scheint, Du hast für Dein Gedicht eine vollkommen kommerzialisierte Sprache benutzt, wie sie einem in Reiseprospekten begegnet. Eine solche Sprache will etwas verkaufen, ein Produkt, das möglichst von Vielen nachgefragt werden soll. Diese Sprache nutzt daher die allgemen zugänglichen Formeln des Reiseglücks, Strand, Meer, Wärme, die Unendlichkeit, die Strandbar als Ort der Sorglosigkeit ebenso wie das Barfuß-Gehen mit seiner Paradies-Assoziation. Da eine solche Sprache zu jedem Käufer passen muss, hat sie keinerlei indviduelle Merkmale, sie huldigt dem Klischee. Über den konkreten Menschen gibt sie keine Auskunft.

    Was heißt das für Dein Gedicht: Das LI wird sicher am Stand in Italien Schönes genug erlebt haben, aber indem es seine Erlebnisse dieser Sprache anvertraut, löscht es diese geradezu aus.

    Ich bin der Überzeugung, dass es eine der wesentlichen Aufgaben von Kunst und Lieteratur ist, sich gegen die Tendenz zur Schablone in unserem Denken und in unserem Fühlen zur Wehr zu setzen. Ok, das war jetzt starker Tobak Schlagt Ihn tot, den Hund, er ist ein Rezensent. Sollten sich Deine Empfindungen jetzt in diese Richtung bewegen, komme ich damit klar, wenn Du hinfort bessere Gedichte schreibst.

    Liebe Grüße

    Onegin
    Geändert von Onegin (01.07.2019 um 09:17 Uhr)
    Love´s not Time´s fool W. S.

  3. #3
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    Meerblaue Tage
    unendlich weit
    in Wellen und Sand
    nur Sonne und Zeit.

    Barfuß wie ein Kind
    über den heißen Strand
    hin wie zu der Bar
    es schon immer war.

    Vom Meer her weht Wind
    mich um dies Licht,
    auf das ich
    solange gewartet hab.

    Falls mal etwas Traum erlaubt sei, ist das meine Versionder ich versucht habe einige Kanten des Ursprungstextes zu nehmen.

    MFG!
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  4. #4
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    Lieber Terrorist,

    schön, dass es auch andere gibt, die gerne mal träumen. Wenn es auch ein einfacher und klischeehafter Traum ist ...
    Vielen Dank auch für deine Inspirationen, die mir gut gefallen.

    Lieber Onegin,

    ja, harter Tobak ist das schon. Trotzdem vielen Dank für dein Feedback. Ich kann - zumindest teilweise - nachvollziehen, was du anführst. Ich habe aus ähnlichen Gründen überlegt, ob ich das Gedicht wirklich mit Italien überschreiben soll. Ich habe es trotzdem getan, weil es sich eben dort abspielt. Die Zeilen erheben aber auf keinen Fall den Anspruch das Thema umfassend zu behandeln, sie sind nichts weiter als eine Momentaufnahme, die Beschreibung eines Augenblicks, der sich eingeprägt hat. Sicher ein klischeehafter Augenblick, so barfuß am Strand, aber ist es deshalb tabu ihn zu beschreiben? Ist es zwingend notwendig auf andere Bilder/Begriffe auszuweichen, weil die Reiseprospekte diese Bilder/Begriffe für ihre Zwecke nutzen?

    Ich teile im Grunde deine Meinung über Literatur und Schablone, aber gibt es nicht Momente, in denen man einfach nur Mensch ist und Dinge genießt, die auch viele andere dieser Spezies schön finden?

    Lg Leana

  5. #5
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    Liebe Leana,


    vielen Dank für Deine Antwort.
    Sicher ein klischeehafter Augenblick, so barfuß am Strand, aber ist es deshalb tabu ihn zu beschreiben?
    Dazu würde ich sagen, das Vermeiden von Klischees ist die Grundforderung an alles, was irgendwie mit Kunst oder LIteratur zu tun hat. Selbst wenn Journalisten Reportagen schreiben, dürfen sie nicht in Klischees verfallen. Warum? Die einfachste Antwort darauf lautet, weil Klischees langweilig sind. Und eines darf man als Künstler oder Literat auf gar keinen Fall: langweilig sein. Als Leser erwarte ich von einem Gedicht den Blick einer kreativen und differenzierten Subjektivität auf die Welt. Als Leser eines Leana-Gedichts will ich wissen, wie Leana die Welt sieht.

    Die Forderung an ein Gedicht über das Strandleben würde also lauten: wacher und zugleich nachdenklicher sein, genauer hinschauen, nicht nur das sehen, was alle sehen, die eigene Kreativität ins Spiel bringen.

    Zum Thema Strand ist mir noch witzige Postkarte eingefallen, die Hans Magnus Enzensberger einst an Ingeborg Bachmann aus Tahiti schrieb. In Tahiti hat Enzensberger offenbar nicht mehr als das Klischee von Sonne, Sand und Palmen gesehen. Er weiß das und macht aus dieser Schwäche, indem er sie ironisiert, eine Stärke.

    liebe ingeborg

    aus dem ganz und gar

    beschissenen tahiti, wo es

    nichts gibt als ansichtskarten,

    schicke ich dir diese ansichtskarte,

    with love


    dein mang.





    Find ich genial


    Liebe Grüße und vielleicht mal an der Strandbar in Rimini

    Onegin
    Geändert von Onegin (02.07.2019 um 11:58 Uhr)
    Love´s not Time´s fool W. S.

  6. #6
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    Lg Leana

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