1. #1
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    Was Frauen wollen

    eine Ballade - durchhalten, es wird besser.

    I

    Ein Prinz wollt ne Prinzessin frein,
    drum stand er auf dem Turme.
    Er schaute so ins Umland rein
    und suchte nach dem Wurme.
    Ihm ward gesagt die Freierei
    ums holde Weib ist mutig,
    denn in dem Land ein Drache sei
    der böse ist und wutig.

    Und zum Beweis der Mannbarkeit
    zog Prinz nun ins Revier.
    „Hier komme ich und mach dich breit,
    dein Haupt gehört bald mir.“
    Sie kämpften bald so hin und her
    der Drache heftig lachte.
    Er nahm den Jüngling am Revers,
    worauf wohl dieses krachte.

    „Mein Lieber,“ sagte Dracherich
    „mir macht es Spaß fürwahr,
    drum schone ich und hole Dich
    genau in einem Jahr.
    Und bringst du mir die Antwort dann
    auf eine kleine Frage
    wirst Du verschont und lebst fortan
    ganz ohne Drachenplage.“

    Der Prinz gar schlotterlich im Hemd,
    schlägt ein in diesen Pakt.
    Die Frage ist auch ihm nicht fremd.
    Die Antwort ist vertrackt.
    „Was wollen Frauen? find´s heraus!"
    Der Drache spricht´s und schwindet.
    Der Prinz ist froh, die Schlacht ist aus
    mal sehn ob er sie findet.

    II

    So zieht der junge Held durchs Land,
    befragt bald Jung und Alt,
    den Schmied, die Magd, den Bücherband,
    den Abt, den Geist im Wald.
    Vergebens müht sich unser Prinz
    nicht einer kann´s ihm sagen.
    So streicht die Zeit in die Provinz.
    Sein Los droht in acht Tagen.

    Betrübt sitzt er am Brunnenrand
    und hat schon abgeschlossen.
    Ein hässlich, altes Weib dort stand
    und hat ihn nassgegossen.
    „Wach auf du feuchter Kümmerlich.
    Die Antwort hat Nivau.
    Eine Bedingung habe ich:
    Nimm mich zur Ehefrau.“

    Drauf schaut sich unser armer Held
    die Hex genauer an
    und schreckt zurück, sie ist entstellt.
    (Niiiiie werd ich Ehemann.
    Doch andrerseits hab ich die Wahl
    Tod oder Leben wähl isch.)
    Der Prinz entscheidet wieder mal
    Sagt „Ja“. Die Hex lacht hämisch.

    III

    Drauf ward die Hochzeit schnell gemacht.
    Bald hat sich’s rumgesprochen.
    Nun droht dem Mann die Hochzeitsnacht.
    Er weint.... er hats versprochen.
    Doch als er tritt zum Ehebett,
    da kann er’s gar nicht fassen.
    Es liegt ein Traumweib in brünett.
    Er kann nicht von ihr lassen.

    Sie spricht:
    „Nur eins was ich noch wissen mag.
    Du musst dich jetzt entscheiden.
    Willst du mich jung nur noch am Tag
    und nachts die Hexe leiden?
    Du kannst mich jede Nacht auch kosen
    in dieser fraulichen Gestalt.
    Doch tags werde ich metaphosen
    Da bin ich hässlich grau und alt.“

    Der Königssohn reibt sich das Kinn
    „Was wollen nur die Frauen?“
    Urplötzlich gibt die Frage Sinn
    und spricht voll Selbstvertrauen:
    „Nun sag, oh Holde, Liebste mein,
    die du mir Hunger stillst.
    Entscheide selbst was magst DU sein,
    entscheide wie DU willst.“

    IV

    Da ward der Bann vom Land gefegt.
    Die Hexe war gar keine.
    Die Drachenherrschaft war besiegt.
    Die liebe Sonne scheine.

    (für Plotzn - den Liebhaber schräger Wortkonstruktionen auch hier)
    Geändert von amanda luna (16.10.2019 um 16:02 Uhr)

  2. #2
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    Hallo amanda luna: "Anfangs wollt ich fast verzagen, und ich dacht, ich trüg es nicht..." Und ich hab es doch ertragen - Glück für mich.

    Der Stil ist mir etwas zu antiquiert, aber die Pointe belohnt die (kleine) Lesemühe. Das heißt, eigentlich belohnt sie meine Eitelkeit, die Pointe erkannt zu haben, denn explizit benannt wird sie ja nicht. Ach, ich liebe Andeutungen -)
    Genau so, oder eben ganz anders!

  3. #3
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    Armer Artname,
    sorry das ging nicht anders. Is halt ´n Märchen. Upps wieder eine Andeutung.
    Wie schön um die Ecke denken und einen Inhaltsfaden aufrecht erhalten zu können. Heute wäre die Geschichte in 2 Versen erzählt.
    Zu mehr reicht oft die Aufmerksamkeitsspanne nicht mehr. Was bin ich froh in diesem Forum zu sein.
    Danke fürs Durcharbeiten und Durchhalten.
    LG amanda

  4. #4
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    @amanda


    Grüße,

    vertrackt, Niveau,-- anschauen.

    den Abt, den Geist im Wald.

    Doch tags werd ich metamophosen . (Rhythmus) xx geändert

    Return


    Hmm, sie wollen immer Recht haben, oder bekommen.

    Trotz mancher Buchstabenbiegerei, stimmt der Rhythmus.
    Und tschüss, ähm halt. „Plotzn“ denn gibt’s doch nimmer hier, oder?
    Geändert von horstgrosse2 (17.07.2019 um 17:30 Uhr) Grund: xx geändert

  5. #5
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    Hallo horstgröße2,
    du bist sehr streng. Deine Einwürfe habe ich mir noch mal vorgenommen, danke für die Hinweise. Jedoch das Nivau muss bleiben. Wenn man das Stück liest könnte das einen Schmunzler bringen. Außerdem fehlt mir da jede Intuition. Übrigens:
    Sie, die Frauen haben immer recht. Nur ist so manche unter ihnen auch in der Lage damit nicht zu prahlen.
    Übrigens hat Heinz Erhardt bisweilen auch gebogen, nicht nur die Balken, damit es passt. Ein großes Vorbild.
    VG amanda

  6. #6
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    Hallo Amanda Luna,
    in der Oper 'Die Zauberflöte' heiratet Papageno ein altes Weib, weil er sonst auf ewig in finsteren Grüften wandeln müsste. Nach der Heiratszusage verwandelte sich das alte hässliche Weib in ein junges hübsches Mädchen namens Papagena. An diese Szene musste ich beim Lesen deiner Ballade denken. Ich bin schon getadelt worden, weil ich statt Frau den Begriff Weib verwendete. Aber in meiner Jugend (lang ist's her) sagte man wirklich noch Weib. Manches in deiner Ballade hört sich ein wenig parodistisch an, das ist auch gut so, denn das lenkt ein wenig davon ab, dass manche Stellen etwas holprig geraten sind.
    LG Alfredo

  7. #7
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    Hallo Alfredo,
    du befindest Dich in guter Gesellschaft. Das Weib scheint wird hier nicht gern gesehen, dabei ist es ein so vielfältiges Wort. Ich mag es sehr auch als Weib. Das Parodistische war pure Absicht. Ich war mir nicht Sicher, ob der Rubrik. Humoriges wäre auch gegangen. Ein Augenzwinkern eröffnet bisweilen weitere Ebenen und das Herz, wenn eine überraschende Bedeutung zu Tage tritt.
    Kannst Du mir die holprigen Stellen zeigen? Ich überarbeite gerne. Das kann dann nur besser werden.
    Vielen Dank für Deine Zeit.
    Liebe Grüße
    amanda

    PS. Ich lasse es in die Satirekategorie verschieben. Da passt es besser hin.
    Geändert von amanda luna (17.07.2019 um 19:08 Uhr)

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