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  1. #31
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    Ok,

    also:

    Lizenz und deutscher Hexameter:

    Ein deutscher Hexameter hat die Erlaubnis, in den vier ersten Takten die Daktylen durch Trochäen zu ersetzen, so wie der antike Vers hier Spondeen setzen darf: das ist die etwas oberflächliche Beschreibung eines neuhochdeutschen Hexameters.

    Die Prosabetonung:

    ist die im Duden verzeichnete Schreibung, die häufig (nicht nur in Zweifelsfällen) bei dreisilbigen und mehr als dreisilbigen Wörtern diejenige Silbe/den Vokal auszeichnet, welche gegenüber den anderen Silben den stärksten Akzent trägt und so "hervorsticht".

    Das bombastisch wirkende "priming" durch das metrische Schema ist sicherlich unter anderen Bezeichnungen, aber als Phänomen deutlich erkennbar, bei den deutschen Lyrikpoetologen zu finden. Auch fand ich, dass die von mir angeführten Beispiele deutlich und gut verstehbar sind.

    Ich kann gut nachvollziehen, dass mit terminologischen Exzessen ein Blendfeuerwerk abgezogen wird und dass das nicht fruchtbringend ist. Bin da vielleicht nicht sensibel genug und bin daher für entsprechende Rückmeldungen durchaus dankbar.

    Ceterum censeo:

    Bei der Analyse der ersten Zeilen von Geibels Epistel glaube ich, dass es mir - intersubjektiv beobachtbar - um sachlich-konkrete Methodik und deren Anwendung ging. Und so wenig Verdachtmomente vorliegen, die ein späteres Misstrauen rechtfertigen und den Verdacht , hier haue jemand linguistisch-semiotisch auf den Putz und sei ein Bombasticus und ein Daradiridatumtarides.....


    greetse
    ww
    alis nil gravius, o nycticorax

  2. #32
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    Hallo Willibald!

    Lizenz und deutscher Hexameter:

    Ein deutscher Hexameter hat die Erlaubnis, in den vier ersten Takten die Daktylen durch Trochäen zu ersetzen, so wie der antike Vers hier Spondeen setzen darf: das ist die etwas oberflächliche Beschreibung eines neuhochdeutschen Hexameters.
    Hm. Da spräche ich nicht von "dürfen"; Der Wechsel von zwei- und dreisilbigen Versfüßen gehört ja notwendig zum Wesen des Verses. "Lizenz", hier im Sinne von "metrische Lizenz", meint aber eher: Die Verwendung von etwas, das nicht zur Grundausstattung einer Versart gehört und ihr auch nicht wirklich entspricht, in Ausnahmefällen aber gemacht werden kann. Es sollte nicht zu oft vorkommen, da sich sonst das Wesen des Verses ändert. Beim Hexameter wäre das zum Beispiel der zweisilbige fünfte Fuß ("Spondiacus"). Oder eben doch der Trochäus, wenn nämlich der Hexameter auch im Deutschen als aus Daktylen und Spondeen gebildet gedacht wird, zu denen als (rechtfertigungspflichtige!) Ausnahme der Trochäus tritt. (Einen "Deutschen Hexameter" an sich gibt es nicht; dafür ist der Vers in zu vielen, sich grundlegend widersprechenden Arten aus der Antike "herübergedacht" worden.)

    Die Prosabetonung:

    ist die im Duden verzeichnete Schreibung, die häufig (nicht nur in Zweifelsfällen) bei dreisilbigen und mehr als dreisilbigen Wörtern diejenige Silbe / den Vokal auszeichnet, welche gegenüber den anderen Silben den stärksten Akzent trägt und so "hervorsticht".
    Inwieweit hilft uns das dann bei unserer Frage weiter? Die Silbe mit dem "stärksten Akzent" ist bei unseren "Wechselschritt-Fällen" doch immer die erste - um die geht es aber nicht; wir brauchen Kenntnis über die Stärke der dritten Silbe, vor allem im Vergleich mit den beiden anderen: Taugt sie metrisch eher als leichte Silbe, weil sie eher der zweiten als der ersten entspricht (Daktylus), oder eher als schwere Silbe (Kretikus), weil sie eher der ersten als der zweiten entspricht?!

    Auch fand ich, dass die von mir angeführten Beispiele deutlich und gut verstehbar sind.
    Das glaube ich gerne. Nur kommt es darauf nicht an?! Entscheidend ist, was der Empfänger deiner Nachricht mit ihr anfangen kann. Und wenn der Schwierigkeiten mit ihr hat und nachfragt, dann gilt es, darauf einzugehen. Ich halte das für selbstverständlich, und auch unvermeidlich, verhandelt man nicht-triviale Inhalte: Ein Gespräch ohne Nachfragen ist entweder eines über das Wetter, eines, in dem keiner dem anderen zuhört, oder ein Selbstgespräch ...

    Nochmal zur "Lizenz": In mir keimt beim Schreiben gerade der Gedanke auf, dass die Verwendung von "Wechselschritten" so etwas ähnliches wie eine Lizenz ist, weil diese Wortart immer zuviel oder zuwenig Betonung auf der dritten Silbe hat, um ganz ohne Störung als Hebungs- oder Senkungssilbe taugen zu können ... Hm. Wenn ich jetzt einfach mal annehme, dass eine Lizenz den Vers schwächt und daher nicht zwei Lizenzen gleichzeitig verwendet werden sollten (sondern, im Gegenteil, einer Lizenz durch nachdrückliches Umsetzten der restlichen Versgrundlagen entgegengearbeitet werden sollte) - was geschieht, wenn "Spondiacus" und "Wechselschritt" gleichzeitig auftreten?! Wieder mal Klopstock:

    Seelenruh' und Ernst und Erbarmung, als er vor Gott stand.

    Einwandfreier und unauffälliger Hexameter, mit "Gott" auf der Hebung des sechsten Fußes (Beispiel aus vorigem Eintrag!). Jetzt, erste Freiheit: "Gott" rutscht in die Senkung des sechsten Fußes. Einsilige Substantive als Schlussslibe sind ein wenig kitzlig, aber wenn man aufpasst, geht es:

    Als sie schwiegen, tat vor der Thronen freudigem Blick Gott
    (Offenbarend sein Heiligtum auf,)


    Mit ein wenig Sorgfalt im Vortrag wird "Blick Gott" ein schöner Spondeus?!

    Und sie erblickten den helleren Seraph am Sonnenmeer. Gott
    (Schaut' auf ihn, der Himmel mit Gott. Er betete knieend.)


    "Spondiacus", verbunden mit einem "X x X". Das geht mit viel Sorgfalt noch so eben gut, aber ich habe den Verdacht, daran ist auch die Satzpause vor "Gott" beteiligt?!

    (Darf ich mich unterwinden, von neuem dich anzublicken,)
    Ewiger? Aber gebeut, dass jene Mitternacht flieh,
    (Welche dich, Vater, umgibt! ...)


    Ob es hier auch geht? Ich nehme dieses Beispiel, weil es ein Ergebnis ist des Bestrebens, "Wechselschritt" als Daktylus zu vermeiden; Davor hatte der Vers so ausgesehen:

    Ewiger? Aber gebeut, dass jene Mitternacht fliehe,


    - Kleine Änderung, große Wirkung; und viel Stoff zum Nachdenken für uns.

    Gruß,

    Ferdi

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