1. #1
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    Gefährlich ist's, den Leu zu blicken

    Wen je in der Wüste
    ein Löwe begrüßte,
    der weiß, dass dem Tier ein gewisses
    Talent zum Zerbeißen,
    Zerfetzen und Reißen
    geschenkt ist in Form des Gebisses.

    Denk nicht, das wär harmlos!
    Schnell ist man 'nen Arm los,
    auch andere Extremitäten.
    Ein Körper alleine,
    so ganz ohne Beine,
    taugt kaum, um die Flucht anzutreten.
    Humorvolle Lyrik ist der Hofnarr der Poesie

  2. #2
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    Lieber Stefan,

    harmlos/Arm los

    Ein interessantes Reimschema mit Lim-Charakter. Sah ich so noch nicht, aus meiner Perspektive also innovativ. Und das hier ...

    Ein Körper alleine,
    so ganz ohne Beine,
    taugt kaum, um die Flucht anzutreten.
    ... ist köstlichst! Ein Plotzn, halt.
    Daumen hoch.

    Lieben Abendgruß
    Richy

  3. #3
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    Lieber Stefan,

    ja, köstlich, da kann ich mich Richy nur anschließen! Bei Dir ist es immer schwierig, nicht zu spammen. Deswegen bin ich ganz froh über Richys Frage.

    @ Richy: Das sind Schweifreime. Der Lim-Charakter kommt durch das verwendete Metrum zustande. Schweifreime gibts aber auch in Jamben oder Trochäen. Kannst ja mal ausprobieren.


    LG Claudi
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  4. #4
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    Liebe Richy,
    vielen Dank für den Daumen - einem Löwen wäre er vielleicht zu mager, aber ich nehme ihn gerne!
    Beim Reimschema habe ich mir vorgenommen, mehr Abwechslung in meine Gedichte zu bringen. Mal sehen, wie gut mir das gelingt...

    Liebe Claudi,
    danke für die Aufklärung! Dann komme ich mal ohne abzuschweifen zum Kern meiner Wissenslücke: Ich habe gelesen, dass dem Limerick der Anapäst zugrunde liegt. Gilt das für mein Gedicht hier auch? Anapäst und Daktylus haben (wenn man sie aneinanderreiht) den gleichen Walzer-Rhythmus. Aber wie erkenne ich, um welchen der beiden es sich handelt. Am Auftakt? Der hat aber im Limerick oft (und auch hier) nur eine unbetonte Silbe. Bin um jeden Hinweis dankbar...

    Liebe Grüße,
    Stefan
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  5. #5
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    Lieber plotzn,

    der einsame Rufer in der Wüste. (vermtl. ohne Beine)
    Ansonsten halte ich zwar deinen Warnhinweis für völlig überflüssig,
    aber mir würde etwas fehlen, wenn ich diese kunstvoll gefeilten Worte überlesen hätte.
    Und nur zu deiner Info: du kannst getrost weiter durch Wüsten spazieren,
    um einen Löwenzahn zu erblicken:

    Der wüste Leu, das ist jetzt neu,
    lebt vegetarisch und frisst Heu.
    Durch Wüsten steppt er nur im Hirne
    von einer hellen Dichterbirne.

    A.

  6. #6
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    Lieber Stefan,

    auftaktige Verse im dreisilbigen Metrum, wie Deine und der Limerick, werden traditionell anapästisch genannt. Viele anapästische Gedichte (wenn nicht sogar die meisten) beginnen allerdings mit einsilbigem Auftakt, was sicherlich daran liegt, dass zweisilbige Auftakte in der deutschen Sprache nicht so leicht zu beschaffen sind. Neuerdings ist man dazu übergegangen, diese Verse amphibrachisch zu nennen (abgeleitet vom Versfuß Amphibrachys xXx), was die Eingruppierung für Laien noch einfacher macht, weil sie sich dann einfach nach dem Versanfang richten können. Dann gibt es noch die ganz simple Aufteilung, die alles, was im Dreiertakt daherkommt, einfach daktylisch nennt.

    Wenn man es ganz genau wissen will, müsste man sich für jeden Vers anschauen, wie das Metrum durch die einzelnen Sinneinheiten verwirklicht wird. Ich mach das mal spaßeshalber mit Deiner ersten Strophe:


    Wen je in der Wüste
    xX xxXx
    ein Löwe begrüßte,
    xXx xXx
    der weiß, dass dem Tier ein gewisses
    xX xxX xxXx
    Talent zum Zerbeißen,
    xX xxXx
    Zerfetzen und Reißen
    xXx xXx
    geschenkt ist in Form des Gebisses.
    xXx xX xxXx


    Du siehst, V2 und V5 sind amphibrachisch, der Rest eher anapästisch. Du kannst Dir jetzt aussuchen, was Dir lieber ist: Willst Du Dir von Walther den Schädel einschlagen lassen, weil Du es nicht amphibrachisch nennst, oder von Artname, weil Du es doch tust?

    LG Claudi
    Geändert von Claudi. (04.07.2019 um 14:38 Uhr)
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  7. #7
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    Lieber Anjulaenga,

    ich bin mir noch nicht sicher, ob ich Deinem Rat bedingungslos folgen will (Gänseblümchen erschienen mir harmloser als Löwenzahn).

    Veganer als Raubtier?
    Ich bitte euch, glaubt ihr
    das wirklich? Wer kann das verbürgen?
    Wer kann garantieren,
    er würd nicht probieren,
    um letztlich mich doch rauszuwürgen?

    Vielleicht würde ja ein Aufkleber "Kann Spuren von Fleisch enthalten" helfen?


    Liebe Claudi,

    Deine Erklärung bezüglich Auftakt und vor allem Sinneinheiten hat mir sehr weitergeholfen - besten Dank!
    Wird Zeit, dass ich mich mehr mit der Theorie beschäftige - auch wenn die Praxis mehr Spaß macht...

    In der amphibrachialischen Gewissensfrage komme ich wohl nicht um einen Schädelbasisbruch herum.
    Die Frage ist nur - wer von den beiden schlägt sanfter?


    Danke Euch und liebe Grüße!
    Stefan
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  8. #8
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    Hallo plotzn!

    Für mich persönlich ist es ein absolutes Qualitätsmerkmal, wenn ich beim Lesen eines humoristischen Gedichtes Heinz Erhardt vor meinem inneren Auge sehe und sprechen höre. Bei dir geht mir das oft so und bei diesem Text 100%ig!

    LG
    k

  9. #9
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    Servus klatuu,

    das freut mich sehr - ist doch Heinz Erhardt eines meiner großen Vorbilder!
    Bei seinem Gedicht "Einsamkeit" beispielsweise könnte ich mich auch nach dem zwangisten Mal Lesen immer noch wegschmeißen...

    Liebe Grüße
    Stefan
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