1. #1
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    Peter-Rosegger-Straße Nr 9

    In der Peter-Rosegger-Straße Nr 9
    in Frankfurt Eschersheim
    führt die Einsamkeit
    ein schönes Haus

    voll von Liederbüchern und Versen
    sind dort die Tische

    und von hohen Wänden
    hängen abstrakte Gemälde

    und blau blühn dort Rosen
    um Schächte und Türme

    und in Babylons Nacht
    vergeht jede Klage

    (nur die Zimmer zeigen
    einander den Kinderschmerz auf)

    In der Peter-Rosegger-Straße Nr 9
    in Frankfurt Eschersheim
    führt die Einsamkeit
    ein großes Haus

    Und Du lebst darin
    schon an die 60 Jahr
    Geändert von Onegin (22.08.2019 um 18:42 Uhr)
    Love´s not Time´s fool W. S.

  2. #2
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    Zitat Zitat von Onegin Beitrag anzeigen
    In der Peter-Rosegger-Straße Nr 9
    in Frankfurt Eschersheim
    führt die Einsamkeit
    ein schönes Haus

    dort versinken die Tische
    unter Liederbüchern und Versen

    und vor roten Wänden
    hängen abstrakte Gemälde

    und blau blühn dort Rosen
    um Schächte und Türme

    und die Zimmer flüstern
    einander den Kinderschmerz zu

    und jegliche Stimme verliert sich
    in babylonischer Nacht

    In der Peter-Rosegger-Straße Nr 9
    in Frankfurt Eschersheim
    führt die Einsamkeit
    ein großes Haus

    Und Du lebst darin
    schon an die 60 Jahr
    Lieber Onegin,

    Da ist sie wieder, die Peter-Rosegger-Straße. Ich bin ja wirklich verwundert, dass es dieser Heimatdichter bis nach Frankfurt geschafft hat. Also so ähnlich wie Heidi, aber die hatte es nicht so weit wie der Waldbauernbua.

    Es ist ein schönes Gedicht. Geradezu abenteuerlich, wie du uns durch dieses Haus führst . Komisch, dass ich an Coimbra denken musste, vermutlich wegen der Türme und Schächte und weil es so märchenhaft anmutet, trotz der abstrakten Gemälde. Und die roten Wänden haben mich dann zu den marokkanischen Kasbahs entführt, vermutlich auch wegen der babylonischen Nacht.

    Und die babylonische Nacht und die Türme und die sich verlierende Stimme erinnerte mich an den Turmbau von Babel und die Sprachverwirrung, die wiederum zu dieser wenig harmonischen Metaphorik passt; da gibt es ja auch noch die "blauen Rosen" im Sinne der Romantik? Jedenfalls aber sind sie vielleicht der Schlüssel zum Kinderschmerz?

    Ich habe noch gar nicht versucht eine stringente Aussage zu finden, ich lass lieber die Bilder an mir vorüberziehen und sehe dahinter einen einsamen Menschen in einem großen verlassenen Haus ("Haus" kann ich durchaus mehrdeutig verstehen), der dort mit seinen Abenteuern im Kopf lebt und sich irgendwie bewusst ist, dass es keine letzten Antworten gibt, dass sein Turm nicht in den Himmel wachsen wird. Der Kinderschmerz gibt mir am meisten Rätsel auf. Geht es um den Schmerz, der aus der verlorenen Kindheit erwächst, wo man noch eins war mit Himmel und Erde, allen Menschen - also eben keine Sprache hatte, der Sprachverwirrung noch nicht ausgeliefert war? Aber für schöne Verse und Lieder nimmt man doch gerne die Sprachverwirrung in Kauf!?

    Müssen die letzten beiden Verse wirklich sein?

    Lieben Gruß
    albaa
    Geändert von albaa (09.07.2019 um 07:31 Uhr)

  3. #3
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    Liebe albaa,

    müssen die beiden letzten Verse wirklich sein? Ich fürchte, ja. Denn sie besorgen die existenzielle Erdung de vorangegangenen Verse und verhindern, dass diese als reines Märchen gelesen werden. Klar, ich wollte ein Gedicht über die Einsamkeit schreiben, aber eines, das auf einen Aspekt hinweist, der vielleicht nicht so oft angesprochen wird: Einsamkeit macht kreativ. Deshalb werden Verse und Lieder erwähnt und die abstrakten Gemälde. Abstrakt sind sie ja deshalb, weil in Ihnen nichts und niemand mehr abgebildet wird. Sind Kunst und Literatur nicht der Versuch, das zur Sprache zu bringen, was sich sonst offenbar nicht sagen lässt? "Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt, gab mir ein Gott, zu sagen was ich leide." (der bekannte Frankfurter Poet G.) Ich glaube auch, dass Künstler und Literaten in ihren Werken einen Schmerz zum Austrag bringen, der Ihnen häufig in der Kindheit zugefügt wurde, so wie die Perle ein Sandkorn umschließt, das in die Muschel eingedrungen ist. Die babylonische Nacht schließlich ist die Nacht nach der babylonischen Sprachverwirrung. Die Bezüge zum Thema sind evident. Dieses Bild hast Du aufgelöst und damit mein Gedicht fast schon widerlegt. Ich freue mich auch, dass es bei Dir so viele Assoziationen hat auslösen können.


    Zu Peter Rosegger habe ich jetzt mal gegoogelt, Rosegger-Straßen gibt es auch in Deutschland sehr viele. Der Waldbauernbub muss vor dem Ersten Weltkrieg unglaublich populär gewesen sein. Seine Werke wurden laut Wiki in 22 Sprachen übersetzt.

    Liebe Grüße

    Onegin
    Love´s not Time´s fool W. S.

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