1. #1
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    Ich bin das ungeliebte Kind in dir

    Ich bin das ungeliebte Kind,
    das in dir schreit,
    die Sucht nach Leid.
    Laut jammernd, klammernd, such ich Halt,
    bin stets verletzt,
    bin stets gehetzt.
    Ich schenk dir Trotz und Wut und Zorn
    die Welt ist schlecht
    so ungerecht!
    Ich witt're Häme und Komplott,
    für jeden Streit
    nehm ich mir Zeit.
    Ich mach dich taub, ich mach dich blind,
    für Helferhand
    und Sachverstand
    Ich schließe dein Rollo zum Schutz
    vor Wirklichkeit
    in Einsamkeit.
    wenn du mich endlich wachsen lässt,
    dann werd ich du
    dann hast du Ruh.
    Geändert von Anjulaenga (11.07.2019 um 07:29 Uhr) Grund: Vorschlag Traumweltreisen

  2. #2
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    Hallo Anjulaenga, ☆
    ich habe das Gedicht zu Anfang mit großer Verwirrung gelesen, da ich bei dem Titel an so etwas wie eine ungewollte Schwangerschaft gedacht hatte. ^^
    Wurde aber schnell klar, dass dem nicht so ist.

    Kommt sehr gut rüber, wie es im Inneren brodelt, in Aufruhr ist und, ja, auf kindliche Weise mit dem Gegebenen umgeht... das lyrische Ich und zugleich innere Kind, sich auch dazu passend an das "du" wendet. Der Schluß stimmt mich nachdenklich...

    es wachsen lassen? du werden? ..dann habest du Ruh?

    Das wirkt auf mich, nach all den Aussagen des Kindes über sich selbst, wie ein in seiner Zwiederkeit psychologisch gut gewählter Schachzug des ungeliebten Kindes... eine Art "Übernahme" des "du".
    Erinnerte mich an den Film mit diesem Exorzisten.
    Sinnvoller hätte ich persönlich gefunden, auf das "ungeliebt" einzugehen. Etwas annehmender, heilen lassen, nicht etwa "du werden und wachsen". Denn... wie kann etwas, das ein Kind in "dir" ist - du sein, mehr doch ein Teil von "dir", etwas das geliebt und angenommen von dir werden kann und es dann all dieser "kindlichen Spiele" nicht mehr bedarf. Ich bin mir sicher, dass du ein sehr gutes Gefühl zu den letzten Zeilen deines Gedichtes hast. Werden sie dem gerecht?

    In der zweiten und dritten Zeile bin ich etwas gestolpert. Du wähltest hier eine Auslassung, wobei sich "Die Sucht auf Leid" auf "Ich bin.." aus Zeile eins bezieht.

    Ich bin das ungeliebte Kind,
    die Sucht auf Leid,
    ...
    Soweit okay, aber in Zeile drei "das in dir schreit" bezieht sich ja zurück auf "das ungeliebte Kind", was umständlich zuzuordnen ist.

    Ich bin das ungeliebte Kind,
    die Sucht auf Leid,
    das in dir schreit.
    Vielleicht wolltest du ein zusätzliches "ich bin" vermeiden, aber es wäre besser zu lesen. Also vielleicht:
    "Ich bin das ungeliebte Kind,
    das in dir schreit,
    bin Sucht auf Leid."
    ...wobei ich "Sucht 'nach' Leid" empfehlen würde.

    Ein sehr anregendes Thema,
    mit einer interessanten und lebendigen Wortwahl von dir bedacht. Ansprechend geschrieben, im wahrsten Sinne des Wortes

    Liebe Grüße, Traumweltreisen
    Geändert von FellUndKnochen (09.07.2019 um 20:30 Uhr)
    "Auch Luftballons, haben Platzangst"

  3. #3
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    Liebe Traumweltreisen,

    das ,,ungeliebte Kind" ist letztendlich eine Leidenssucht, weil die Liebe permanent eingefordert werden muss. Für sich selbst, und für andere ist das mitunter sehr anstrengend, weil dieses Feuer im Grunde nicht löschbar ist und nie in die erfüllte Zufriedenheit mündet. Das mag natürlich alles seine Ursachen haben, welche berücksichtigt werden müssen. Der Zustand hat sich aber verselbstständigt, und ist zur Sucht herangewachsen. Wenn man diesen Endzustand als ,,gespaltene Persönlichkeit " begreifen wollte, so stellt das Erwachsene LI einen Co - Abhängigen zu sich selbst, zu seinem liebeshungrigen Kind dar, was diese Spielchen inszeniert um gleichzeitig darunter zu leiden. So etwas macht aber nicht wirklich frei und glücklich. Die Lösung liegt für mich in der paradoxen Zurückweisung, im inneren Dialog, in dem Vertrauen darauf, dass damit nicht die Katastrophe, sondern das Wachstum erfolgen wird. Die damit verbundene Erfahrung erst lässt Zuversicht und Selbstbewusstsein wachsen, und bedarf Mut und Selbstreflexion.
    Das ganze mag wie ein Konstrukt klingen, ist aber mEa. ein nicht selten anzutreffendes Phänomen vieler Leid- Tragenden. Sie tragen das Leid eines ungeliebten Kindes in sich wie einen Stachel, der keine Abheilung bringen will. Wachstum ist als Metamorphose zu verstehen, als Aussöhnung mit sich selbst, als echter Heilungsprozess. Ein liebender, begleitender Partner zum LI muss evtl. genau diesen Weg gehen, um aus seiner Rolle und dieser Mühle herauszukommen. Liebe kann dann u.U. Zurückweisung oder sogar Verzicht bedeuten. Gute Therapeuten sind natürlich auch hilfreiche Alternativen.
    danke für deine konstruktive Durchsicht, A.
    Geändert von Anjulaenga (22.07.2019 um 10:24 Uhr)

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