1. #1
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    Im Kühlschrank ist der Teufel los

    Der genervte Herr Bergkäse:
    „Frau Leberwurst – sind Sie beleidigt?
    Weil Herr Salami Übles sprach?
    Er hat sich lediglich verteidigt
    und sprach zum Teil Gehörtes nach.

    Die Räucherei macht ihn – schon immer -
    zum Kenner langer Haltbarkeit.
    Drum sparen Sie sich Ihr Gewimmer
    von “größter Ungerechtigkeit“!

    Es ist halt so, Sie sind verderblich
    in relativ begrenzter Zeit
    und dieser Umstand scheint vererblich.
    Was soll da dieser dumme Streit?“

    Frau Leberwurst:
    „Ich hab' damit nicht angefangen!
    Mir riss der Faden der Geduld!
    Grau sei ich, alt und abgehangen
    und wer mich isst, sei selber Schuld!“

    Herr Salami:
    „Ich wiederholte doch nur das,
    was leis' Frau Mortadella raunte,
    die mich – was ich schon länger weiß -
    ob meiner Haltbarkeit bestaunte.“

    Frau Leberwurst:
    „Frau Mortadella?! Diese Frau
    besteht doch nur aus toter Sau!
    Ich selbst dagegen bin nur halb
    aus Schwein gemacht, der Rest ist Kalb!

    Und gerade sie verdirbt viel schneller
    und graut leicht an – kaum auf dem Teller!
    Ach, eines noch, Sie „harte Wurst“:
    Ihr Salzgehalt macht furchtbar Durst!

    Und wenn Frau Mortadella nicht
    andauernd stört – aus meiner Sicht,
    dann wäre unser Kühlschrank hier
    gleich ein viel ruhigeres Quartier!“

    Frau Mortadella:
    „Das ist ja wohl ganz unerhört!
    Sie sind es hier, die dauernd stört
    und unzufrieden sich beschwert!
    Und das ist wahr! Nie umgekehrt!

    Der Herr Salami ist stets nett!
    Die Ruhe selbst und sehr adrett.
    Sie alte Leberwurst stattdessen,
    werd'n hoffentlich bald weggegessen!“

    Frau Leberwurst:
    „So ist's doch recht! Gut, wer so stirbt!
    Wer nicht gegessen wird, verdirbt!
    Als Schimmelwurst im Müll zu enden
    - dies Schicksal mög' sich von mir wenden!

    Doch Sie sind auf dem besten Wege.
    Leicht angetrocknet schon und träge!
    Igitt! Sie schmecken doch nicht mehr,
    und liegen nur im Magen schwer.“

    Die Mortadella ist entsetzt!
    Ihr Atem stoßweise, gehetzt!
    Und als sie noch was sagen will,
    geht auf die Tür – und alles still.

    Die Menschenhand ergreift sogleich
    die Leberwurst und "Zwiebelstreich",
    Salami und auch Mortadella
    und legt sie alle auf 'nen Teller.

    Dann schnappt die Türe wieder zu.
    Es herrscht die lang ersehnte Ruh.
    Nein! Ein Jammern hinter Knoblauchzehen:
    Der Bergkäse wurd' übersehen!

    Es tröstet ihn Frau Marmelade,
    sie sagt: „Ach, das ist wirklich schade!
    Zum Frühstück sind Sie wieder dran!“
    Der Käse schaut sie dankbar an ...

    und sieht auf seinen Leib – ihm bangt,
    weil dort ein grünes Fleckchen prangt …
    Kein Frühstück wird ihn mehr erwarten.
    Sein Ende: Kompostberg im Garten.

  2. #2
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    Die Moral von der Geschicht?
    Überfüll den Kühlschrank nicht!

    Was für ein Einstandsgedicht! Hey Cori und willkommen hier. Ich habe mich sehr amüsiert ob diesem Kühlschrankschwank. Der ist dir wirklich rundum gelungen, fürwahr kein Anfängergedicht. Da darf man also auf Weiteres gespannt sein. LG gugol

    P.S.: Strophe 7, Zeile 1 würde ich das "und" weglassen, würde dem Lesefluss dienen.
    Geändert von Gugol (07.07.2019 um 20:55 Uhr)

  3. #3
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    Lieber Gugol,

    Du hast recht! Hab's geändert. Vielen Dank für Dein geschultes Auge - und vielen Dank für Dein positives Feedback.

    LG Cori

  4. #4
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    Hi, Cori,

    da geb ich doch gern meinen Senf zur Wurst und schließe mich Gugol an: Eine saubere erste Vorstellung von dir.
    Die längeren Gedichte haben es ja oft schwerer, bis zum Ende durchgelesen zu werden. Hier bin ich von oben bis unten durchgeglitten, ohne einen Funken Langeweile zu verspüren. Ein originelles, witziges Einstandsgedicht ist dir hier gelungen.

    (Aber Käse auf den Kompost? Das ist mir neu. Naja, als ehemalige Schrebergartenbesitzerin kann ich ein Lied davon singen. Man findet ja allerhand Dinge dort. Von Fleischresten über Kabelbinder ...)

    LG
    Richmodis

  5. #5
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    Hallo Cori,

    sehr spannend der Unterhaltung zu folgen. Überaus schöne humorvolle Wendungen und sehr "lebensnah". Toll!
    Was mir noch auffällt, jedoch nur nach meinem Empfinden.

    dann wäre unser Kühlschrank hier
    gleich ein viel ruhigeres Quartier!“
    vielleicht "stilleres" als Option?

    Als Schimmelwurst im Müll zu enden
    - dies Schicksal mög' sich von mir wenden!
    "mag" wäre ein alternativer Ausdruck

    Kein Frühstück wird ihn mehr erwarten.
    Sein Ende: Kompostberg im Garten.
    "Restmüllplatz" ist auch das ökologischere Ende eines ordentlichen, deutschen, salzhaltigen Lebensmittels.

    Tolles Gedicht. Danke fürs Lesen lassen
    LG amanda

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