Thema: Morgengrauen

  1. #1
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    Morgengrauen

    Ich erwachte mitten in der Nacht.
    Draussen hielt die Stadt den Atem an,
    wie das Feld in seinem Starterblock,
    das angespannt den Schuss der Pistole
    erwartet.

    spätere Variante

    mitten in der nacht draußen
    hält die stadt den atem an
    wie das feld in seinem block
    brav den schuss der pistole
    erwartet
    Geändert von Artname (11.07.2019 um 19:05 Uhr)
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  2. #2
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    Hey Artname. Und nun? Gings schon los? Hier singen nur die Vögel um die Wette.
    Es erinnert mich an Wien, da erlebte ich diese angespannte nächtliche Ruhe. Deshalb finde ich es gut beschrieben. Ich frage mich, ob es das Adjektiv in der letzten Zeile braucht. Die Anspannung steckt ja im beschriebenen Moment. Auch würde es dem Lesefluss helfen, wenn die letzte Zeile nicht auftaktig beginnt. Aus dem Takt fällt sie ja dann sowieso. LG gugol

  3. #3
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    Hallöchen Gugol, morgendliche Grüße in die Provinz. Der Moloch ist erwacht.

    Mit dem überflüssigen Adjektiv hast du Recht. Danke. Nun bieten sich neue Spielräume.

    mitten in der nacht draußen
    hält die stadt den atem an
    wie das feld in seinem block
    brav den schuss der pistole
    erwartet
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  4. #4
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    Z1 und 2 fand ich vorher besser. Aber ja, die neue Version kommt ohne LyrIch aus, was natürlich schon auch was hat. Ohne den Perspektivenwechsel dünkt mich dann "draussen" etwas überflüssig. "Brav"? Sind Läufer in den Startlöchern brav? Im Sinne von diszipliniert, dass sie keinen Fehlstart hinlegen. Warum braucht es überhaupt ein Adjektiv?
    So und nun rein in die für CH-Verhältnisse grosse Stadt... lg

  5. #5
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    Zitat Zitat von Gugol
    Z1 und 2 fand ich vorher besser.
    Ja, hat beides was.
    Zitat Zitat von Gugol
    "Brav"? Sind Läufer in den Startlöchern brav? Im Sinne von diszipliniert, dass sie keinen Fehlstart hinlegen.
    Ist es nicht brav, wenn man geduldig den Schuss erwartet? Manchmal schreibe ich sinnorientiert und manchmal stutze ich nur über ungewöhnliche Wortkombinationen.
    Zitat Zitat von Gugol
    Warum braucht es überhaupt ein Adjektiv?
    Ein Kurzgedicht droht mE schnell in dem Bestreben, alles Überflüssige zu streichen, auszutrocknen. Andererseits: Mit einem einsilbigen Adjektiv kann man leicht einen weiteren kompletten Betrachtungspunkt schaffen.

    lg
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  6. #6
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    Hey Artname,

    das hier hast du schön formuliert:
    "Ein Kurzgedicht droht mE schnell in dem Bestreben, alles Überflüssige zu streichen, auszutrocknen. "
    Dem stimme ich zu.

    Gugols Einwand zur Frage, ob die Läufer "brav" seien?
    Nun, brav ist für mich jemand, der sich gewissermaßen in etwas einfügt. Meist verwendet man brav im Zusammenhang mit Kindern, oder aber um jemanden in einer niederen Position dastehen zu lassen, während man selber in einer höheren ist.

    Deswegen ist "brav" für mich hier auch unpassend, eher warten doch die Läufer angespannt, unter Strom stehend, aufgepumpt, fokussiert auf den Knall, aber eben nicht "brav". Denn sie haben ja mit "brav" auch nicht etwas geleistet, was zu belobigen ist, sie tun es aus dem Zweck heraus, zu gewinnen, oder Teilzunehmen.

    So, genug geplaudert

    Liebe Grüße,
    das war schön zu lesen, kurz aber oki

  7. #7
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    Lieber miaukuh, vermutlich hast du meine Antwort an Gugol übersehen. Nach meinen Erfahrungen sind Sportler trotz ihrer Erfolge auffallend angepasst. So wie jede Mehrheit auch. Dieses "brav" gönne ich mir also bewusst. Da ich sowohl Gugol wie auch dich als aufmerksamen Leser kenne, scheint mein "brav" allerdings zu brav formuliert zu sein.

    Das "brav" etwas überheblich klingt, räume ich ein. Sollte ein Dichter brav schreiben?

    lg
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  8. #8
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    Werter Artname,

    nein! Ein Dichter sollte nicht brav schreiben! Er sollte schreiben, wie es ihm nach der Schnauze fällt
    Zurück zum "Brav":
    Nein, ich übersah deine Antwort nicht.
    Ich stimme ihr nur nicht zu, weswegen ich ein paar Gegenargumente aufzeigen wollte.
    Sportler sind in meinen Augen nicht brav, sie sind, ehrgeizig und eher ein bis an - und manchmal über - die Grenzen gehendes Paket aus Anspruch, Mut und Willenskraft.

    Wer brav ist erreicht jedenfalls nicht Alles. Denn um manches zu erreichen, muss man manchmal über die Grenzen gehen und das ist alles andere als brav. Aber deine Antwort-Art ist sehr brav. So, wie ich es von dir gewohnt bin. Kompetent und freundlich.
    Mit dir diskutiere ich gerne.

    Liebe Grüße

  9. #9
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    Nun, ich habe mit einem Weltmeister im Rudern und einem einem Vizeolympiasieger im Zeitfahren 4 Jahre studiert. Auch ansonsten hätte ich viele Kontakte zu Leistungssportlern. Und außerdem könnte ich zum Beispiel auf die Diskussionen um Führungspersönlichkeiten im deutschen Fußball verweisen. Aber ich verzichte auf Vertiefungen dieser Art.

    Interessanter finde ich, dass du Ehrgeiz als Gegenbeweis für Bravheit oder Willenskraft erachtest. Ich nicht! Das Gegenteil vom brav ist für mich unangepasst, Unruhe stiftend, extrem eigenwillig. Der Sportler mag über seine körperlichen und psychischen Grenzen gehen können.
    Geht er auch über mehr oder weniger erlaubte Grenzen? Jeder Radfahrer distanziert sich öffentlich brav vom Doping, obwohl...

    Ein Sklave kommt ebenfalls an seine Leistungsgrenzen....

    Nein Miaukuh, du machst es dir hier mE zu einfach mit mir.
    Geändert von Artname (10.07.2019 um 12:25 Uhr)
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