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    Schlussstrich (Parallelgedicht zu Rainer Maria Rilkes "Herbsttag")

    "Herbsttag" von Rainer Maria Rilke:

    Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
    Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
    und auf den Fluren laß die Winde los.

    Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
    gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
    dränge sie zur Vollendung hin und jage
    die letzte Süße in den schweren Wein.

    Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
    Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
    wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
    und wird in den Alleen hin und her
    unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.


    Schlussstrich

    Geh! Es ist Zeit. Deine Geduld war groß.
    Pack deine Sachen ein, nimm deinen Jungen
    und lass dies Leben voller Leiden los.

    Wirf seine letzte Rose in den Müll hinein.
    Gib ihm nicht weit‘re Möglichkeiten, euch zu plagen.
    Du solltest ihn aus deinem wunden Herzen jagen,
    er hat es nicht verdient, noch dort zu sein.

    Wenn du jetzt zögerst, schaffst du’s niemals mehr.
    Wenn du jetzt Angst zeigst, wird er’s weiter treiben,
    wird schlagen, schreien, Besserungsschwüre schreiben
    und wird nach altbekanntem Hin und Her
    dich überreden, doch bei ihm zu bleiben.
    Geändert von Cori (10.07.2019 um 21:33 Uhr)

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