1. #1
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    Minderwertigkeitskomplex?



    Minderwertigkeitskomplex?

    Man kann sich Minderwertigkeit einreden,
    Selbst wenn man allgemein schon anerkannt,
    Nachwirken doch aus Kindheiten die Fehden,
    Denen man immer wieder zugewandt.

    Ein Leben lang musste sie streiten,
    Konnt' ohne Findbilder nicht sein,
    Musste Intrigen, Lügen stets verbreiten,
    Fernab von jedem Sonnenschein.

    Die Mutter wollt' sie niemals lieben,
    Befand sich mit ihr immer nur im Krieg,
    Buhlte, um in Vaters Gunst zu liegen,
    Errang dadurch auch niemals einen Sieg.

    Dennoch konnte sie unterhaltsam sein,
    Herrlich durfte man mit ihr fabulieren,
    Doch die Fassade war immer nur Schein:
    Sie ließ Verachtung manche Freundin spüren.

    Dreimal versuchte sie ihr Liebesglück
    Und scheiterte dabei jedesmal kläglich,
    Denn immer wieder ging der Blick zurück:
    Die eigene Kindheit fand sie unerträglich.

    Sie brach Familienkontakte später ab,
    Die ihr naturwüchsig doch eingeboren,
    Verlebte nörglerisch die Güte und ihr Hab,
    Musste von echten Freuden so abschwören.

    Die Tochter, die ihr leider gleichgesinnt,
    Verstärkte in Gesprächen Minderwertigkeit,
    Denn wo die Seele nun gar zweifach spinnt,
    Bleibt nichts, als Nörgelei und Unfreiheit.

    Schade, dass sie nicht reflektieren konnte,
    Weil scheinbar ein Stachel in ihr nachbohrte
    Und sie deshalb das Dauerleid bewohnte,
    Nur noch in ihrem Eigenen verschmorte.

    Gar manches Trauma müsste gar nicht sein,
    Bliebe breite Kontaktnahme erhalten.
    Wer nur in Eigenmächtigkeit allein,
    Für den ist offene Welt nicht zu gestalten.


    ©Hans Hartmut Karg
    2019

    *

  2. #2
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    Wunderbar, das, in seiner Gänze, doch bevor ich zu lange weiterlamentiere: gibt es einen bestimmten Grund, warum du jede Zeile groß beginnst? Beispielsweise in Zeile 3 verwirrt das sehr, weil man erst das Substantiv „Nachwirken“ ließt und dann zurückspringen muss, um das Wort als Verb zu verstehen; ich würd das lassen. Beste Grüße
    Sei die Veränderung, die du für die Welt willst!
    In meiner neuen Gruppe "DIE PROSAREN" ist jeder, der Interesse an einer Prosa-Pur-Gruppe hat willkommen!

  3. #3
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    Das mit der Formgebung hat schon seinen Grund:
    Das "Zurückspringen" ist gewollt - um dem Nachdenken Zeit und Raum zu geben.
    Beste Grüße
    H. H. Karg

  4. #4
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    Wenn du meinst, die Nachdenkzeit durch das Unterbrechen des Leseflusses erreichen zu müssen... na gut; ist jetzt kein Fiasko. Beste Grüße
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