Thema: Nurschwanz

  1. #1
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    Nurschwanz

    Elli hatte nichts.
    Außer ein paar noch gut
    erhaltene Titten
    und Überlebensstrategien.

    Zu wenig für ein gutes Leben,
    genug für die Tage
    zwischen den Nächten.
    Ihre Mutter sagte mal:
    Leg dich nicht unter jeden.
    Aber Mütter sagen so Dinge,
    Mütter müssen das sagen,
    Mütter sind verwesende
    eigene Identitäten.
    Eigentlich sind Mütter nur
    die Reinkarnation ihrer
    eigenen Befindlichkeiten,
    als sie früher selbst
    unter dem Falschen lagen,

    Dann lernte
    sie ihn kennen.
    Kalle.
    Kalle war da,
    weil er nirgendwo anders war,
    nirgendwo hingehörte.
    Ein Zufall
    im Hinterhof der Gescheiterten.
    Ein Treffen der Desillusion.

    Kalle zog zu Elli.
    Elli legte sich unter ihn.
    Sie aßen Grünkohl,
    tranken Bier
    und sprachen nicht.
    Sie fickten nachts
    und schwiegen am Tag

    Irgendwann,
    ich denke es war August
    öffnete Elli das Fenster und
    ließ einen Hauch von Alltagsscheiße
    in ihre hermetisch abgeriegelten
    Zimmer strömen.

    Und da fiel es ihr einfach auf.
    Wie eine Packung
    unbrauchbarer Erkenntnis
    klatschte es ihr ins Gesicht.
    Es war nicht schön.

    Dann schloss sie das Fenster wieder.
    Es wurde schon dunkel.
    Kalle nahm einen kräftigen Schluck
    aus der letzten Flasche des Tages
    Sie legte sich unter ihn
    und träumte vom Sommer.

  2. #2
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    Hi, gefaellt mir, MUSSTE bis ans Ende lesen, dann jedoch enttaeuscht mich das allerletzte Wort und ich fragte mich, was ich hier gerne gelesen haette und dachte an "Aufklatschen" oder "Fliegen", LG

  3. #3
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    Lb. Lyders,

    es ist mehr Prosa als Gedicht. Die Schilderung von einem antriebslosen Leben wird interessant dargestellt. Das Einfache und Triebhafte wird an die nächste Generation weitergereicht und wird zum Sinn der das Leben ausfüllt. Die Gedanken drehen sich um die Jahreszeiten (Wetter), das Essen und Sex. Hier frag ich mich in wie weit dies nur ein Abbild einer kleinen Minderheit oder doch häufig vorkommender ist.

    LG Hans
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  4. #4
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    Solche Existenzen fallen doch normalerweise durch das Raster. Warum werden die denn hier so aufwändig zelebriert als ob was dran wäre, was wir uns mal wo reinzwitschern sollten? anstatt vom Fenster öffnen abzusehen weil es im Suff gefährlich ist mit dem Sauerstoff der Realität.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  5. #5
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    Zitat Zitat von Terrorist Beitrag anzeigen
    Solche Existenzen fallen doch normalerweise durch das Raster. Warum werden die denn hier so aufwändig zelebriert als ob was dran wäre, was wir uns mal wo reinzwitschern sollten? anstatt vom Fenster öffnen abzusehen weil es im Suff gefährlich ist mit dem Sauerstoff der Realität.

    Welche Raster kennst Du?
    Du meinst es gibt etwas, das durch irgendein Raster fällt?
    Nein, das gibt es nicht, denn unter jedem Raster ist ein neues,
    ein feineres....und letztendlich ( am Ende der Betrachtungen )
    ist nichts durchgefallen.


    Think about this
    ML

  6. #6
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    Dieses Raster.

    Und da fiel es ihr einfach auf.
    Wie eine Packung
    unbrauchbarer Erkenntnis
    klatschte es ihr ins Gesicht.
    Es war nicht schön.
    Was dich wiederum zu meinem Echo macht.

    MFG!
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

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