1. #1
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    Am Zebrastreifen

    Mit schweren Schritten schlurft sie langsam
    mit Mühe über den Asphalt.
    Die Frau - so müde und so schwächlich,
    ist ungepflegt und schon sehr alt.

    Die weißen Haare stumpf und schütter,
    das Angesicht zerfurcht und blass.
    Sie stützt sich auf den Stock beim Gehen;
    pausiert, verschnauft ohn Unterlass.

    Der Zebrastreifen ist die Hürde,
    die sie kaum noch bewält'gen kann.
    Ich sitze hinter meinem Lenkrad
    und seh die Frau betroffen an.

    Wie hart war wohl ihr langes Leben?
    Wie schwer der Alltag hier und heut?
    Seit wann ist sie so krank und ärmlich?
    Hat sie im Leben viel bereut?

    Hat sie Verwandte? Vielleicht Kinder?
    Wer unterstützt sie, steht ihr bei?
    Wird sie gar unbemerkt versterben?
    Warum ist's mir nicht einerlei?

    Die Hürde hat sie überwunden.
    Beinah empfinde ich jetzt Schuld.
    Sie nickt mir zu mit einem Lächeln (!?) ...
    Oh Mann - sie dankt für die Geduld!

  2. #2
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    Lb. Cori,

    Dein Gedicht hat mich berührt. Dabei habe ich gedacht, dass ich es auch selbst einmal sein könnte. Heute noch am Lenkrad und morgen vielleicht schon auf dem Zebrastreifen. Würde besser unter Trauer und Düsteres passen. Liest sich flüssig. Gefällt mir.

    LG Hans
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  3. #3
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    Ja Hans,
    so ähnlich dachte ich auch. Sicherlich ist das eine alltägliche Situation, aber dennoch kam ich ins Grübeln (hatte ja Zeit dafür, weil die alte Dame sehr langsam war).
    Wir wissen ja nicht, ob es uns eines Tages ähnlich ergehen wird, wie dieser Frau.
    Danke fürs Lesen und Kommentieren!

    LG Cori

  4. #4
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    Hallo cori,
    gern schließe ich mich den vorherigen Kommentaren an.
    Mir gefällt, wie sensibel du dieses Thema in deinem Gedicht behandelt hast. Besonders die gestellten Fragen ,,,
    "Warum ist's mir nicht einerlei?"..und die letzte Zeile
    "Oh Mann - sie dankt für die Geduld! " - finde ich
    richtig gut. Gern gelesen!
    Beste Grüße
    lautmaler

  5. #5
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    Hallo Lautmaler,
    wie heißt es so schön - die besten Geschichten schreibt das Leben.
    Mein Glück war, dass ich es irgendwie hingekriegt habe, dieses "Erlebnis" in Reimform umzusetzen. Obwohl es einige Jahre her ist, habe ich diese alte Frau noch immer vor Augen ... für mich, trotz der Alltäglichkeit, ein bedeutender (nachhaltiger) Moment.
    Vielen Dank fürs Lesen und Kommentieren!
    LG Cori

  6. #6
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    Dein Gedicht ist wunderschön! Einfühlsam, nachdenklich, menschlich und angenehm zu lesen. Ich gratuliere dir dazu. Erlaubst du, daß ich es benutze? Natürlich unter Angabe des Verfassers. Ist „Cori“ genug?

    YPS

  7. #7
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    Hallo YPS,
    vielen Dank für Dein so positives Feedback. Du kannst mein Gedicht gerne verwenden, mir wäre "C. Herntier" als Verfasser lieber.

    Viele Grüße
    Cori



    Großes Dankeschön für Deinen Kommentar, L.
    LG Cori
    Geändert von Cori (22.07.2019 um 12:28 Uhr)

  8. #8
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    liebe cori

    dein gedicht gefällt mir sehr.
    wer macht sich noch gedanken über alte menschen,wenn sie mühsam über die
    strasse gehen. die autofahrer sind oft genervt wenn sie halten müssen.
    dein gedicht ist sehr lebensnah geschrieben und es regt zum denken an.
    ich lese deine gedichte immer gerne

    liebe grüsse margot

  9. #9
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    Liebe Margot,
    dass Du Dir die Zeit nimmst, meine Gedichte zu lesen, ehrt mich sehr. Hab herzlichen Dank für Deine freundlichen Worte.

    Liebe Grüße zurück
    Cori

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