Unsere Vorfahren

I:
Frauchiger war ein Bastard, er schloss aber dennoch um achtzehn-
neunzig die Ehe mit Frieda von Ziegler, welche ihr Vater
hierauf verstiess, da die Heirat der Tochter nicht standesgemäss war.
Allen zum Trotz begannen die beiden Vermählten ein Leben
ohne Mittel in Bern, doch ihre Geduld und ihr Wille
zahlten sich letztlich aus: Sie erreichten begütert ein sorgen-
freies und hohes Alter. Ich sass noch auf Uropas Knien,
roch an der Pfeife in seinem Mund, versuchte sie rauszu-
ziehen und streichelte seine Hände. Siebenundneunzig
war er da und ich grad mal zwei. Mit ihm war ich glücklich.

L.A.F.


II:
Aufgewachsen im Jura, im Krachen mit sieben Geschwistern,
wollte sie weg vom Hof und endlich pulsierendes Grossstadt-
leben zu sehen bekommen. Drum suchte sie Arbeit in London.
Dort im noblen Hotel verliebte sich Hans Albert von Speyr
Hals über Kopf in das Mädchen vom Land. Sie wurden auch glücklich,
aber der adlige Künstler, so weltentrückt wie er lebte,
mochte kein einziges Bild, das er schuf, an jemand verkaufen.
Nach seinem Tod blieb von all dem geerbten Vermögen nichts übrig.
Arm aber dennoch zufrieden, beschenkte mich Grossmutter stets mit
Liebe und Zeit und mit tollen Geschichten direkt aus dem Leben.

gugol