1. #1
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    Aufforderung zum Tanzen


    Aufforderung zum Tanzen


    Vergiss das Habenwollen,
    dazu das Wörtchen "auch".
    Vergiss das Machensollen,
    den Knigge-Tanzgebrauch.
    Vergiss Rollen und Normen,
    leg ab die Alltagsuniformen.
    Tauch schweigend
    in jenen Zauberschein,
    der dich im Tanz umhüllt.

    Lass dich auf Unerhörtes ein.
    Sei Resonanz und Instrument
    und folge deiner Melodie,
    die tanzend dich bewegt
    und deren Töne tief
    in deinem Innern schwingen.
    Geändert von Carolus (09.08.2019 um 23:04 Uhr)

  2. #2
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    Hallo Carolus. ..

    Da wird beim Lesen alles leichter, die Ohren beginnen sich nach innen auszurichten und alles möchte weitergeben, fließen lassen, was erlauscht wird. .. sehr gerne gelesen.

    Ich finde, dass der Ausdruck
    "ohne Vorbehalte"
    die gesamten ersten sieben Verse
    inhaltlich schon umfasst
    und damit überflüssig macht, zu erwähnen was nun genau alles zu vergessen sei.
    Es zu erwähnen, ruft es einem beim Lesen ja überhaupt erst in den Sinn.
    Wieder dann erlöst vom "Vorbehaltlos".

    Ab "Tauch schweigend..." ist es wie eine
    magische Zauberformel. ..

    Die drei Verse zum Ausklang möchte ich persönlich dann wieder überlesen, denn darauf gelenkt zu werden ist so überflüssig, in dem Glück, welches schon durch die Zeilen davor gewonnen ist. Alles 'schwingt und tanzt und singt' ... da wirkt das auf mich, als würde jemand ein Lorbeerblatt zum stolpern vor die Füße werfen.

    Danke fürs Umhüllende
    Gruß, FellUndKnochen

  3. #3
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    Traumhaft schön!
    Und dann, lieber Carolus ("FellUndKnochen spricht es an), werde ich unsanft aus dem träumerischen Lesefluss gerissen durch die Ankündigung des Preises, den es zu gewinnen gibt. Das reißt mich wirklich raus - und das ist schade. Auch meine Empfehlung: Streiche die letzten drei Zeilen.
    Gerne gelesen!
    LG Cori
    Geändert von Cori (09.08.2019 um 19:30 Uhr)

  4. #4
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    Seid herzlich gegrüßt, FellUndKnochen und Cori,

    gestern spät abends las ich eure Beiträge, war aber (nach einer Geburtstagsfeier) zu müde, um euch rechtzeitig zu antworten.
    Vorweg ein dickes Dankeschön für eure Stellungnahmen. Beide haben mich glücklich gestimmt.

    Natürlich habt ihr recht, wenn ihr euch an den drei letzten Zeilen reibt, zerstören sie doch die Stimmung, wenn die "Töne tiefen deinem Innern schwingen." Ich weiß nicht, welcher Teufel mich hier und da juckt, bei schönster Harmonie auch die Gegenseite ironisch aufzeigen zu wollen.
    Ist`s etwa Angst, sich im Wohlgefallen zu verlieren? Ich weiß nicht. Jedenfalls gilt hier wie auch beim Essen der Spruch: "Wenns am besten schmeckt, sollte man aufhören." Dem aber steht oft menschliche, hier persönliche Schwäche entgegen.
    Auch die "Vorbehalte" mussten aufgrund des überzeugenden Einwands in die Tonne. Insgesamt hat der Text durch eure Intervention nur gewonnen. Dafür nochmals "danke!"

    Herzliche Sommergrüße
    Carolus

  5. #5
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    Hach ... Ja, nun ist es perfekt!
    LG Cori

  6. #6
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    Cori,danke!

    "Perfekt", so habe ich einmal gelernt, ist die Zeitform der "vollendeten Gegenwart", (d.h. abgeschlossen, nicht mehr Veränderungen unterworfen), aber wenn Gegenwärtiges als "vollendet" erscheint, gehört der Text - mit Ausnahme des Augenblicks - bereits der Vergangenheit an wie jenes deftigeGewitter am Freitagabend, das auch der Vergangenheit angehört, abgesehen von gewissen überzeitlichen Merkmalen wie z.B. Blitze, Donner u.a.. (Irgendwie mag ich das Wort "perfekt" nicht.)

    Lieben Gruß
    Carolus

  7. #7
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    Hallo Carolus,
    Carl Maria von Weber hat ein Musikstück 'Aufforderung zum Tanz' komponiert. Diese Musik höre ich im Hintergrund meines Kopfes, wenn ich dein
    Gedicht lese.
    LG Alfredo

  8. #8
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    Hallo Alfredo,
    danke für die Erinnerung an von Webers "Aufforderung zum Tanz": Ich kenne dieses temporeiche, kapriziöse und beschwingte Orchesterstück, das locker zwischen zärtlichem Einvernehmen und wilder Entschlossenheit wechselt. Hab mir´s gleich auf einer Aufnahme in You Tube wieder ins Gedächtnis gerufen.

    Beschwingten Gruß
    Carolus

  9. #9
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    Man hat doch aber Angst vor sich, dass man sich unbewusst verheddert in gutgemeintem Schwimmen gegen den Strom der unsere Mühlen mit überschüssiger Energie versorgt aber auch ein gewisses Panikgefühl impliziert dass wirklich nur durch innere Melodien besänftigt werden kann, wenn man Ruhe als etwas zu Betrachtendes braucht.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  10. #10
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    Hallo Schulz und Sühne,

    "Man hat doch aber Angst vor sich, dass man sich unbewusst verheddert in gutgemeintem Schwimmen gegen den Strom". Diesen Satz kann ich uneingeschränkt bejahen, zumal ich mich selbst - trotz aller Selbsterfahrung - noch zu wenig kenne, zumal ich immer wieder erlebe, wie das Unbewusste den Kurs vorgibt.
    "ein gewisses Panikgefühl impliziert dass wirklich nur durch innere Melodien besänftigt werden kann, wenn man Ruhe als etwas zu Betrachtendes braucht." "innere Melodien" sind Leitmotive des eigenen Lebens, die kaum im lärmenden Alltag zu hören sind. Hierzu bedarf es der Stille "als etwas zu Betrachtendes". (Ich ziehe das Substantiv "Stille" vor.)

    Herzlichen Dank für deine einfühlenden und verständnisinnigen Zeilen.

    Carolus

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