Ja mit der Liebe ists verflucht,
Sie unser Sein zu stören sucht.
Fehlt sie wohl ganz, so ist es kalt.
Und fehlt sie nicht, zu heiss alsbald.

Ein Jeder sucht, doch will sie nicht,
Weil sie zu gern die Herzen bricht.
Will sie doch gern zu Hauf verprassen.
Doch auch aus Fucht verschlossen lassen.

Sperrt Liebe man ins Kämmerlein,
Dann macht sie krank von Seelenpein.
Herausgelassen ohne Scham,
Macht Narren sie aus Jedermann.

Wie soll man nun sein Leben führen?
Ganz ohne nichts und alles fühlen?
Die Welt mit ihren Farben spüren,
Und doch nicht an den Festen rühren.

Es geht wohl nicht, ich seh' es ein.
Das Leben muss ein Mythos sein.
So bleibt es lebhaft, interessant,
Nur weil das Morgen unbekannt.

Martin Seidel 2019