1. #1
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    Tauge ich zum Dichten?

    Hallo,

    mich würde einmal Eure Meinung zu meinem ersten Gedicht interessieren, vor allem hinsichtlich der Reimqualität und sonstiger lyrischer Spielregeln, von denen ich eigentlich gar keine Ahnung habe. Entsprechend könnt Ihr mir den Schrieb auch komplett um die Ohren hauen, ich möchte wirklich wissen, ob es überhaupt etwas ist. Inhaltlich ist es sowieso etwas abstrakt, aber falls Ihr meint es zu verstehen, wäre mir das bereits ein gutes Zeichen.



    Ein Ersinnen aus Düften, Klängen
    das wähnte ich auch
    doch hortet mein Bauch
    nun Gefühle in größ'ren Mengen
    die behaupten Dich gut zu kennen

    Es zeigen sich bloß Schemen
    dem Durchblick überlegen

    Hinterm Rhein die Stadt, ihrer Wärme vertraut
    dass noch Glück dort liegt, von dem Schicksal geklaut
    ich Dich entdecke, Deine Leute und Dein Leben
    des Herzens Heimat, zwei, sechs Jahre lang grad' eben

    Echt wird man mit seinen Jugendsünden
    weltwärts ziehen sie in Schemen münden
    Ein Blitzen, Brennen
    sagt Dich zu kennen

    Wir schreiben, ganz flüchtig, wenig potent
    echt nett war ein bisschen für den Moment
    so sollt' ich es sehen
    Fauxpas widerstehen
    frag nicht, wie ich dachte, letzten Advent

    Ein Ersinnen aus sauberem Klang
    The Killers - Human
    schwingt unfassbar, ich mühe mich lang
    danach zu spulen

    Was blitzt, was glüht
    was ich dreh und wende stellen Schemen dar
    sie war'n früh, Du bliebst erst anonym ein Star
    bunt auf Bildern, die ich melancholisch studier
    weiter, weiter werden Schemen Wahrheit in Dir


    - Nachtgras, Glühwurm, Königswinter -


    Mit Fauxpas ist übrigens die Pluralform gemeint, erkennt man das von selbst?

    Gruß

    Florian
    Geändert von rheinahrmatrose (15.08.2019 um 00:00 Uhr)

  2. #2
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    Zitat Zitat von Ferdi Beitrag anzeigen
    Hallo Florian!

    Taugst du zum Dichten? Sicher! Du hast Freude daran, Sprache zu gestalten und auf diesem Weg Inhalte zu vermitteln, das zeigt dein Text sehr deutlich; und mehr braucht es nicht, höchstens noch den berühmten langen Atem, denn bis zum Verständnis der Darstellungsmittel und einer gewissen Sicherheit in ihrer Anwendung dauert es immer etwas, und hinzu kommt ja noch, dass man sich über die eigenen Stärken, Schwächen und Vorlieben und ihre Auswirkungen klar werden muss.

    Dein Text weist einige Dinge auf, die am Anfang häufig vorkommen. Dazu zählt zum Beispiel das Vertrauen auf die großen Wörter: "Glück", oder "Schicksal", oder "Wahrheit". Ähnlich verhält es sich mit allgemeinen Begriffen: "Gefühle", "Ersinnen". Du versuchst sie zwar schon einzugrenzen, aber so richtig klappt das meinem Empfinden nach noch nicht; stärker ist dein Text immer da, wo er genauer wird, und ganz stark ganz am Ende - "Nachtgras, Glühwurm, Königswinter" ist wirklich gut! Das trägt schon fast als eigenes Gedicht, wenn du ihm ein, zwei kurze Zeilen voranstellst.

    Ob du reimen willst, musst du entscheiden. Tust du's, solltest du darauf achten, dass die Reimwörter deine Aussage nicht zu sehr verzerren und der Textfluss nicht unter ihnen leidet; beides scheint mir hier gelegentlich der Fall.

    Gruß,

    Ferdi
    Vielen Dank, Ferdi!

    Die Kritikpunkte, die Du angesprochen hast, gefielen mir an dem Text lustigerweise im Hinterkopf selbst noch nicht. Und ich merke, wie Du Recht behältst, wenn Du schreibst, dass man sich der Wirkung des eigenen Stils bewusst werden muss. Wenn ich den verfolge, gefällt mir mein Geschreibe auch wesentlich besser als wenn ich grob auf die "großen Wörter" zurückgreife.

    Falls Du magst, kannst Du ja mal zu einem zweiten "Werk" Stellung nehmen:



    Sag, möchtest du ihr angehören?
    Dieser Elite
    dich über Dekadenz empören
    als Katholike
    satt an Rendite

    Pferde zügelst, Kalbsfleisch isst du mit Genuss
    während Männerliebe Schande bleibt - welch Stuss -
    Glaubst ja nicht aus Herzensgüte
    nur, dass man's grad' dir vergüte

    Andern willst du ihre Freiheit nehmen, regieren aus dem Dom
    dabei wurden deine Geistesväter einst selbst verfolgt in Rom
    Urteilst lieber von außen pauschal
    durch die Bibel in Stammes Lokal

    Du wählst rechts bis mittig, fühlst dich stark
    geil, doch richtig, weil gesellschaftlich d'accord
    Wer denkt, wird zum Sünder statt autark
    fährst erkoren hoch gen Himmelreich empor

    Die Gerechtigkeit siegt, wenn dein Nächster ins Feuer gerät
    Gottes Gnade hat er, der wahrscheinlich aus Liebe verbrät
    Glaubst ja nicht aus Herzensgüte
    nur, dass man's grad' dir vergüte


    - Zum Austritt -

    Gruß

    Florian

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