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Thema: Mitleid

  1. #1
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    Mitleid

    Geschwollen bricht's aus ihm heraus.
    Herr Nichts scheint's kommt aus gutem Haus.
    Was groß für ihn und äußerst wichtig,
    ist winzig klein nur, null und nichtig.

    Genauso ist's beim Herrn Narziss,
    der für sich ein und alles ist.
    Leicht histrionisch angehaucht,
    fühlt der sich durch und durch durchlaucht.

    Fast hilflos zieh'n sie durch die Stadt,
    wo man sich nichts zu sagen hat,
    mit Labersäcken Hand in Hand,
    bar jeglich klarem Sachverstand.

    Doch jeder bläst sich kräftig auf
    vor dir, nimmt sogar Spott in kauf.
    Herr Nichts spürt nichts mehr in der Welt,
    Narziss fühlt seinen Glanz erhellt.

    Sie glauben und sind amüsiert,
    dass man im Sturm jetzt reüssiert.
    Zwar geistig windstill und oft schlicht.
    benötigen sie Mitleid nicht.
    Geändert von Anjulaenga (15.08.2019 um 20:20 Uhr)

  2. #2
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    Hallo Anjulaenga.

    getroffen..!. dein Gedicht erscheint hier so passend, dass es mir mehr als Gänsehaut hinterlässt.
    (Vieles ist sicher oft auch mehr, als lediglich Zufall.)
    Mir gefällt die Auffassungsgabe, welche deine Worte erahnen lassen.
    Dank und Gruß, FellUndKnochen

  3. #3
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    Liebes FellUndKnochen,

    Schön, dass dich die Zeilen berührt haben, L.G.A.

  4. #4
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    Der klare Sachverstand macht mir Angst. Aber das benötigen wiederum lässt kasuistisch anmuten was du so durcheinanderzuschütteln beliebtest. Wen es dann trifft ist dann immer so eine Sache was man sich selber so vorstellen zu vermag.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  5. #5
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    Zitat Zitat von Terrorist Beitrag anzeigen
    Der klare Sachverstand macht mir Angst....Wen es dann trifft ist dann immer so eine Sache was man sich selber so vorstellen zu vermag.
    Tja, lieber Terrorist, du sprichst es aus, die liebe Angst! Damit bist du aber bei weitem nicht alleine und in bester Gesellschaft. Herr Trump z.B. hat soviel Angst vor dem klaren Sachverstand, dass er sich jetzt einen riesigen Zaun um seinen geistig beeengten Vorgarten ziehen lässt. Er stellt sich vor, dass es natürlich Reisende treffen soll, die extra den weiten Weg zu Fuß gekommen sind, um Herrn Trump zu begrüßen.
    Dir auch lieben Gruß, A.

  6. #6
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    Immerhin weiss man wer Schuld dran ist und wo die Probleme herkommen. Dass du aber selbst hier dir einen abtrumetest wollen wir mal meinem mangelndem Horizont was Politik betrifft, zuschreiben. Der in seiner geistigen Beengtheit selbst Trumps Vorgarten dahin verlagert wo die Traumfabrik uns mit Kreativität vollpumpt. Das selbst fiktive Personen für uns in den Ring steigen müssen.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  7. #7
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    Wer schuld dran ist, weiß man natürlich nicht, lieber Terrorist. Vielleicht stecken ja einfach nur Verdauungsprobleme dahinter, ein faulender Mandelkern, oder eine schreckliche Kindheit. Aber Mitleid will in mir bei den Nichts- Sagern und Labertaschen einfach nicht entstehen. Da müssen selbst fiktive Personen in den Ring, so grausam es auch erscheinen mag. A.
    Geändert von Anjulaenga (16.08.2019 um 12:12 Uhr)

  8. #8
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    Na ja, kein Mensch wird als ein Herr Nichts, oder Narziss geboren. Das sind verschiedene Entwicklungswege, die man in der Pyschologie recht gut beschreiben kann. Gerade die brauchen Mitleid, wie alle, denen eine bestimmte Form der Charakter-verinnerlichten Neurose, dass Leben bestimmt. Sonst bleiben sie auf ewig, wie sie sind.

    L.G
    Patrick

  9. #9
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    Das ist interessant, lieber Patrick. Wenn wir alles richtig pathologisiert und eingeordnet haben, sind bei aller Transparenz unsere "Mitleidshormone" menschlich betrachtet mit Sicherheit durchaus angemessen, denn Mitleid kennzeichnet eine gute menschliche Fähigkeit.
    Die Eigenverantwortlichkeit des selbstbestimmten Tuns und die Zurechnungsfähigkeit bekommt den Freibrief und Stempel der verinnerlichten Neurose. Der kann ja nicht anders. Inklusionsarbeit für die Normalos.
    Der Narzisst bedankt sich noch nicht einmal für diese empathische Leistung, und der Nichts Sager schickt dir einen verschwurbelten nichtssagenden Satz hinterher. Das Problem dabei aber ist, das wir das Handeln hier, in der Politik oder sonst wo ohne Psychoanalyse in aller Gänze nicht beurteilen können. Worauf sollte sich das Mitleid beziehen. Sollen wir das Gegenüber kurzerhand für unzurechnungsfähig oder unfähig erklären und dann darüber ganz traurig sein ? L.G.A.

  10. #10
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    Du weißt, dass sich deine Argumentation beliebig in ihr Gegenteil verkehren lässt? Lösen wir einfach alle Prozesse, die zu bestimmten Krankheitsbildern führen auf, in irgendeinem Akt der Empörung und wir können weiterhin gewohnt auf allem herumhacken, was uns nicht in den Kram passt. Aber so ist es nicht. Wir haben einen reichlichen Fundus an Wissen, der uns zumindest so weit sicher scheinen kann, als dass sich "abnorme" Verhaltensweisen, immer auf einen Prozess beziehen, in dem das erfahrene Leid der Personen die Hauttriebfeder für ihre "Fehlbildung" war. Das kann man nicht einfach ignorieren. Und erst dieses Verstehen, macht Mitleid überhaupt möglich. Schließlich ist das Mitleiden eine Art Grenzaufhebung von Ich und Du. Ich erkenne mich, in dem Anderen und leide dedhalb mit. Wer von vorneherein, den Anderen kategorisch ablehnt, wird auch kein Mitleid mit ihm haben können. Geholfen ist damit aber niemanden. Außer, dass man sich vielleicht freuen kann, so nicht geworden zu sein. Das Mileid bezieht sich dann einzig und allein, auf das erfahrene Leid der Person und ist beim besten Willen nichts Abstraktes.

    L.G
    Patrick


    Edit: wenn es dabei um Politik geht, sind eben keine Menschen, sondern ihr Verhalten zu verwerfen. Ich kann Hern Trump völlig ablehnen, ohne ihn moralisch zu kategorisieren. Wohin das rein moralische Aburteilen von Personen führt, ist in der Regel ein politischer Diskurs, der sich in Täterzuschreibungen erschöpft und nicht mehr nach strukturellen Problemen fragt, also ein reines: gegen die müssen wir sein, dann wird alles besser.
    Geändert von 3malSuppenBrot (16.08.2019 um 16:00 Uhr)

  11. #11
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    Dem will und kann ich nur teilweise folgen, lieber Patrick.
    Die Argumentation lässt sich für dich nicht mehr ins Gegenteil verkehren, wenn du einen Standpunkt gefunden hast und ihn auch vor anderen einnimmst, so wie du es in Antwort #10 machst .
    Es ist letztendlich auch die Entscheidung, ob du auf der Seite des reinen unvoreingenommenen objektiven Beobachters bleiben oder aktiv werden willst, weil du dich angesprochen fühlst.
    Wo ist die Abgrenzung, wo ist dein Standpunkt, wo bleibt der Wille zur Gestaltung und Reibung, (gemeint ist nicht die missionarische Ereiferung, der blanke Fanatismus oder Rechthaberei)?
    Ich denke, Menschen dürfen ruhig gefordert werden ( Terrorist spricht von einem ,,Ring").
    "Wenn man alles verstehen will, kann man nichts verändern." ( der Ausspruch ist nicht von mir) dem kann ch aber zustimmen.
    Und die eigene Meinung gehört gerne auf den Prüfstand, wo sie sich der kritischen Diskussion stellen darf, sie kann sich nie als absolut begreifen, dann wirds schnell lächerlich.
    Letzendlich kommt aber wenig bei raus, wenn "nichts" oder Blabla gesagt wird, wenn gemauert wird, wenn die Angst das Sagen hat, oder der Narzisst das Wort erhebt. Mit solch einer dünnen Schale darf man mEa nicht übervorsichtig umgehen, oder mit solchem Verhalten gar Mitleid haben. Mit der Person vielleicht ja, aber darum geht es mir ja gar nicht.
    L.G.A.

  12. #12
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    Ja, richtig. Ich rede von Personen, nicht von Positionen.
    Die müssen verurteilt werden, wenn sie problematisch sind. Aber du bezogst dich deutlich auf die Person, nicht die Position. Dagegen war mein Kommentar gerichtet.

    Personen sollten in ihrem Verhalten auch deshalb verstanden, nicht verurteilt werden, weil man ihr Verhalten dann leichter durchbrechen kann.

    L.G
    Patrick

  13. #13
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    GM Patrick,

    OK, ich glaube ungefähr zu verstehen was du meinst und die dahinterstehende Haltung lässt eine zutiefst humane Haltung erahnen.
    Nun, es muss bei dem Gedicht vielleicht ausdrücklich dazugesagt werden:

    Die Personen und die Handlung des Gedichtes sind frei erfunden. Herr Nichts, und Herr Narziss stellen "fiktive Personen" dar. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig und nicht gewollt.

    Die angesprochenen Personen sind in meinem Gedicht ausschließlich mit ihrem Ausdruck, mit ihrem Phänotypus gemeint und angesprochen, mit dem, was mir an den beiden Protagonisten gehörig auf den Senkel geht. Im Gedicht habe ich diese Eigenschaften lediglich "personifiziert". Und diese Eigenschaften sind für mich nunmal alles andere als bemitleidenswert. Mein Gegenüber leidet doch offensichtlich auch nicht unter seiner Eigenart/ Unart, (höchstens andere). Was soll ich da "mitleiden", das ist doch völlig unangebracht. Mitleiden kann ich z.B. mit Hungernden, Flüchtenden Unterdrückten Kranken etc.. Doch hier ist mir gerade ein Stück pure Arroganz ins Gesicht gesprungen, Ignoranz, Gleichgültigkeit, Überheblichkeit, Feigheit, was auch immer. Und dagegen will ich mich nunmal gehörig abgrenzen. Ich kann mich mit "Mitleid" erhöhend abgrenzen, welches ich als ironisches Stilmittel einsetze. Zu einer echten sachlichen Auseinandersetzung wird mein Gegenüber aber nicht bereit/ fähig sein, solange ihm kein anderes Bewusstsein oder Bereitschaft erwächst. Und sie werden für mich auch solange Herr Nichts oder Herr Narziss bleiben, wie sie an dieser Rolle festhalten und diese zelebrieren. Soetwas ist bequem, macht mitunter unangreifbar und lässt eine echte Auseinandersetzung niemals zu. Eine Prise Destruktion darf für mich immer gerne dabei sein, Nonsence und Chaos, Humor, was auch immer, quasi als Esprit, als paradoxer Gegenpart. Als durchgehende Haltung ist solches in der Politik und Gesellschaft aber unnötig wie ein Kropf, unakzeptabel und alles andere als begrüßenswert. Das will ich benennen. Warum sollte ich hierbei obendrein noch eine empathische Grenzaufhebung und Verschmelzung von Ich und Du anstreben? L.G.A.

  14. #14
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    Also ist Weicheiertum Kampferfahrung sammeln? Unter dem Gesichtspunkt ist das Gedicht wohl eben das was es nicht sein will. Phänotypus der in ihm vermuteten Personen und Positionen, die mal so und mal so durcheinandergewirbelt werden. Um eben nicht immer dasselbe zu schreiben. Würde ja der Langeweile auf den Senkel gehen.
    Geändert von Terrorist (17.08.2019 um 12:32 Uhr)
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  15. #15
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    Ob Weicheiertum nun ,,Kampferfahrung sammeln" bedeutet weiß ich nicht, lieber Terrorist. Aus allem wird ja jeder seine eigenen Schlüsse für seine Welt ziehen. Möge es für dich aber so zutreffend sein und alles in Erfüllung gehen.
    Ob es das alleinige Grundproblem betrifft, kann ich natürlich nicht sagen, ich kann schließlich nicht für dich sprechen, da müsste ich spekulieren. Durch diesen Umstand ist es jedenfalls wunderbar, dass du dich mit einer großen Zuverlässigkeit und Regelmäßigkeit meldest und als Anschauugsobjekt in den Ring begibst. Dass du dabei immer wieder schonungslos den Labertypus mit der inhaltlichen Null zur Disposition stellst, zeugt von unbeirrbarem Mut. Der dazugehörige unfreiwillige Humor ist längst nicht jedermanns Sache, und ich würde mir diese besondere Begabung gut erhalten. Ich kann dich zwar nicht hören, mir aber gut vorstellen, dass jemand dabei über sich selbst gut lachen können muss, und mit der Zeit über sich hinauswächst. Anders wäre es ja auch gar nicht denkbar. Respekt! L.G.A.

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