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Thema: Dichter sein

  1. #1
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    Dichter sein

    Schau, um die Weiden weht ein letzter Schimmer
    Und ein Kind spielt in dem späten Licht
    Und du bist nur der fromme Überbringer
    der dunklen Strophe die der Sommer spricht

    Der wirre Sommer und die sommerlichen Dinge
    Die Gegenstände ratlos ortlos nicht spektakulär
    Denn alles Große wie das wunderlich Geringe
    Birgt seinen Abendatem gern in Dein Gehör

    Als gönnte niemand ihrer Ärmlichkeit
    sich in ein Glück ein Lied in ein Gefühl zu wandeln
    doch wenn sie angstvoll fragen, bin ich wo daheim
    Dann leihst Du ihnen Stimme, Vers und Reim
    Geändert von Onegin (01.09.2019 um 06:46 Uhr) Grund: Kritik
    Love´s not Time´s fool W. S.

  2. #2
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    Lieber Onegin,

    das ist sehr schön und wunderbar altmodisch.

    Erinnert in Machart und Inhalt natürlich sehr an RMR. Der Dichter, der das Geheimnis kennt, wie sich Dinge und Gedanken mittels Sprache in Schöngefühltes verwandeln lassen.

    Doch alles Große wie das wunderlich Geringe
    Birgt seinen Abendatem gern in Dein Gehör
    Das ist meine Lieblingsstelle.

    Kleine Meckerei am Rande:
    Z2 und würde ich weglassen
    Z3 Tippfehler
    und statt unspektakulär würde mir nicht spektakulär besser gefallen, vielleicht wegen des Auf und Abs der Vokale.
    Aber das sind Peanuts.

    Meist bevorzuge ich Ungereimtes, doch dies ist eines der schönsten Reimgedichte, die ich in letzter Zeit gelesen habe.

    LG Okotadia
    Früher waren die Stühle schöne, blütenfressende Tiere. Doch sie ließen sich zu leicht zähmen...
    Zbigniew Herbert

  3. #3
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    Liebe Okotadina,

    vielen Dank für Deine freundliche Rückmeldung. RMR ist der Pate dieses Gedichts, da kann und will ich Dir nichts vormachen. Bei der Kommenteirung von albas "du sollst nicht" sind mir Verse von ihm untergekommen, die mich geflasht haben. Darauf packte mich der Ehrgeiz, es selbst einmal zu versuchen und schreiberisch wenigstens in die Nähe seiner Kunst zu gelangen.

    Bei RMR beeindruckt mich, dass er versucht hat, sich aus der Ichfixierung lyrisch zu lösen. Er tanzt nicht um das goldene Kalb seines Ego, sondern stößt zu allgemeingültigen Aussagen vor. Er glaubte, das sich in der Kunst, im Gedicht, ein Stück Sinn auftut (das was Du das Geheimnis nennst) , der sich nirgends sonst mehr greifen lässt.

    Nicht sind die Leiden erkannt
    nicht ist die Liebe gelernt
    und was im Tod uns entfernt
    ist nicht entschleiertdie

    Einzig das Lied überm Land
    heiligt und feiert.

    Ich kann mit diesen Gedankten gut leben und sie liegen auch meinem Gedicht zugrunde. Das heißt also, der Dichter stellt die Dinge so zusammen, dass sie Sinn ergeben. Darum kann erauch den Reim verwenden, denn die Dinge nehmen aufeinander Bezug, fügen sich zueinander. Das manifestiert sich in den lautlichen Entsprechungen, die der Reim bietet. Damit wird der Dichter also RMR zum Priester einer Art Kunstreligion. Und es ist ja tatsächlich so, wenn ich das richtig sehe, dass er und Stefan George die letzten waren, die eine Art priesterliche Aura um sich verbreiten konnten.
    Der Vers libre scheint mir dagegen das Richtige für die nachauratische Epoche der Dichtkunst zu sein. Er muss für sich selber einstehen, wird nicht mehr klanglich oder rhythmisch gestützt. Er ist Ausdruck der entfalteten Moderne, in der jeder Einzelne für sich selber schauen muss, wie er durchkommt und auf welche Wahrheiten er sich einlassen will.

    Aber ich bin weit abgeschweift...

    Ich wünsche Dir einen schönen Abend
    Onegin
    Love´s not Time´s fool W. S.

  4. #4
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    Doch bis ich komme wie es sein sollte, gebe ich mir das zur Hand womit ich Ausdruck da rausoperiere, wo gewisse mir zu sagende Gegenstandsanhaftungen zusagen. Und unversehens hat sich das da rein gegossen wo ich die Form dem Abendatem hinhielt.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  5. #5
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    da hast Du gut paraphrasiert
    Love´s not Time´s fool W. S.

  6. #6
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    Hätte ich fast freiwillig gemacht.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  7. #7
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    tu Dir keinen Zwang an. ich lese das als eine Art Anerkennung...
    Love´s not Time´s fool W. S.

  8. #8
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    Hallo Onegin,

    Das ist sehr schön! Und auch dein Kommentar #3 gefällt mir sehr. Ich glaube, dieser Kommentar hat mir erst bewusst gemacht, was ich eigentlich in der Lyrik suche.

    Zur Textarbeit: Ich fände "unspektakulär" besser

    Du verwendest kein Versmaß, unterschiedliche Hebungen, Kadenzen, Versbeginne: Es ist ein metrisches Chaos und halbherzig gereimt. Aber: Es liest sich wirklich gut. Wie machst du das?

    Seehr gerne gelesen!

    Lieben Gruß dem Dichter!
    albaa

  9. #9
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    Warum ausgerechnet Anerkennung? Dann hätte ich mir die Mühe sparen können. Und du letztendlich auch.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  10. #10
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    Hallo albaa

    vielen Dank für Deinen freundlichen Kommentar.
    Du verwendest kein Versmaß, unterschiedliche Hebungen, Kadenzen, Versbeginne: Es ist ein metrisches Chaos und halbherzig gereimt. Aber: Es liest sich wirklich gut. Wie machst du das?
    halbherzig gereimt: Die Reime habe ich sehr bewußt gesetzt. albaa, in den ersten beiden Strophen sind Kreuzreime verwendet und in der dritten Strophe habe ich dieses Reimschema aufgebrochen. Dort befindet sich das gedankliche Zentrum des Gedichts und das muss durch Veränderungen im Reim , Rhythmus, und Sonstwo unterstützt werden. (Jetzt wo ich´s niederschreibe: Wahrscheinlich wirken deshalb so viele Gedichte hier im Forum so blass, weil sie zwar inhaltlich auf irgendeine Pointe hinauslaufen. Diese wird sber nicht durch einen Wechsel in der Form untermauert. Das Gedicht verliert damit an Ausdruckskraft.)

    Auch der Paarreim am Schluss der dritten Strophe ist eine bewußte Entscheidung. Da hab ich mich tatsächlich an William Shakespeare orientiert. Er weicht in seinen Sonetten vom überkommenen Sonettenschema ab. Bei ihm folgt auf drei Quartette noch ein prägnanter Paarreim, der das Gedicht bündig abschließt. Paarreim miit männlicher Kadenz. Das sorgt für die Prägnanz. Zuvor habe ich mit dem verkürzten Vers 1 in der dritten Strophe und dem auffälligen a-Laut in "wandeln" versucht, Abwechslung zu erreichen. Damit bekommt gsnau das Wort einen akustischen Marker, das den Sinn trägt. Es geht ja um Wandlung.

    metrisches Chaos: Diesen Schuh muss ich mir vielleicht schon eher anziehen. Auf Deine Bemerkung hin habe ich versucht, Hebungen und Senkungen zu bestimmen und ich muss sagen, es viel mir schwer, ich war mir unsicher. Offenbar hat das Gedicht sehr viele schwebende Betonungen. Aber möglicherweise trifft das auch für die Lyrik von RMR zu. Vielleicht ist sie auch deshalb so geschmeidig. Ich habe mich ja an seinem Sound orientiert. Den Sound von Rilke habe ich irgendwie im Ohr, ebenso den von Eichendorff, Goethe, Benn und Bachmann. Und um dieses Rilkes-Sounds willen habe ich mich entschlossen, Okotadinas Rat zu folgen und "unspektakulär" durch "nicht spektakulär" zu ersetzen. "Unspektakulär" ist geläufiger als "nicht spektakulär", aber Rilke sucht ja gerne die kleine preziöse Abweichung. Dadurch, dass die Silbe "nicht" etwas schwerer wiegt als das "un", wird diese Abweichung auch noch extra betont.

    (Auch Du scheinst Dich übrigens in solchen Dichtersounds gut auszukennen. Ich gestehe es, ich habe unter Deinen im Forum abgelegten Kleinodien gewühlt und da sprang mich eines Deiner Gedichte regelrecht an, bei dem ich - kein Witz, keine Übertreibung - den Eindruck hatte, die Bachmann selber, deren Stimme ich ja aus youtube kenne, läse es mir vor - mit ihrer weichen österreichischen Aussprache des T - "der Dod und der Deufel" usw. )


    Ich habe also ein paar Sounds auf Lager und ich kann wohl hunderte von Rhythmuspattern für Gedichte in mir abrufen. Bei meinen Tänzen habe ich deswegen wenig Angst, ohne die Ballettstange eines festes Metrums auftzutreten. Ich war deshalb immer ein wenig erstaunt, dass im Forum so viel von Metren die Rede ist und sah zudem irgendwelche autoritär gewickelten Geister am Werk, die mir vorschreiben wollen, wie ich zu dichten habe. Ich gebe aber gerne zu, dass es wundervolle Gedichte gibt, die sich aus der reinen Erfüllung einer vorgegebenen metrischen Form ergeben.

    So dacht ich, liebe albaa,

    Gruß Onegin
    Geändert von Onegin (18.08.2019 um 22:09 Uhr)
    Love´s not Time´s fool W. S.

  11. #11
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    Lieber Onegin,

    Deine Kommentare lese ich mit großem Interesse. Ich bin ja Laie und reine Hobby-Dichterin ohne lyrikwissenschaftlichen Background und staune oft über die detailierten Fachsimpeleien zu den Formen hier im Forum.
    Mir geht es dabei eher wie einem Muttersprachler, der seine Sprache intuitiv benutzt, ohne die einzelnen Regeln genau zu kennen. Du sprichst von Sounds und Rhythmuspattern und das kann ich gut nachvollziehen. Dazu kommen Inhalte und zeitgenössisches, poetisches Framing, wie Du in Deinem Kommentar #3 sehr schön schilderst. Man würde RMR nie mit Brecht oder Tranströmer verwechseln, nicht wahr?

    Obwohl ich fast immer freie Verse schreibe, habe ich eine sehr genaue Vorstellung vom Sprachklang der Zeilen, feile oft lange daran, könnte aber am Ende nicht sagen, warum ich meine, dies sei besser als jenes. Vielleicht wohnt ja jedem seine eigene Sprachmusik inne und die kann - je nach Akzent - sehr verschieden sein. Jemand aus Österreich oder der Schweiz empfindet Sound und Rhythmus oft ganz anders.

    Du benutzt in Deinem letzten Kommi das Bild des Tanzes und der Ballettstange. Ich gehe 3x die Woche tanzen u.a. auch klassisches Ballett. Dort sind die Bewegungen ja sehr streng formalisiert, während im modern dance diese Formen aufgebrochen aber (im technischen Sinn) nicht abgelegt werden. So ähnlich stelle ich mir das mit festen Fomen und freien Versen auch in der Lyrik vor, wobei natürlich auch Übergänge möglich sind.

    Mir gefällt jedenfalls der Wechsel der Reime und das metrische Chaos in diesem Gedicht sehr gut.
    Danke für Deine Ausführungen und Erklärungen!

    LG Okotadia
    Früher waren die Stühle schöne, blütenfressende Tiere. Doch sie ließen sich zu leicht zähmen...
    Zbigniew Herbert

  12. #12
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    Liebe Okotadia,

    derTanz, der ja offenbar eine wahre Leidenschaft von Dir zu sein scheint, wird wohl ein weiteres Beispiel sein für das Schwinden von Verbindlichkeiten in den Künsten. Die Musik ist ein weiteres Beispiel, das tonale System als selbstverständlicher Rahmen für das Komponieren wird aufgegeben, ein anderes ist die Malerei, für die die Gegenständlichkeit nicht mehr verbindlich ist. Das ist offenbar Ausdruck eines sehr lange schon voranschreitenden gesellschaftlichen Emanzipationsprozesses, denn auch unsere Herkunftsmilieus, unsere religiösen Bindungen, ja selbst unsere männlich/weibliche Identität verlieren ja an Prägekraft.
    Daraus folgt, dass die Lyrik wie auch die anderen Künste weniger und weniger lehrbar ist und nicht wie ein Handwerk ausgeübt und beurteilt werden kann. Deswegen müssen wir uns, wie Du sagst, wohl auf unsere eigene innere Musik verlassen.

    So dacht ich
    Gruß Onegin

    PS. Ich habe mit nicht geringer Erschütterung festgestellt, dass ich Deinen nick in den vorausgegangenen Kommentaren falsch geschrieben habe. Du hattest Die Güte, mich nicht darauf aufmerksam zu machen. Ich könnte mich auf den unvermeidlichen G. herausreden und "Name ist Schall und Rauch" schreiben. Tue ich aber nicht sondern gelobe Besserung.

    Onegin
    Love´s not Time´s fool W. S.

  13. #13
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    Hallo Onegin,

    ja, tanzen ist eines meiner Lebenselixiere und in 20 Jahren schleppe ich mich vielleicht mit dem Rollator zur Ballettstange

    das Schwinden von Verbindlichkeiten in den Künsten
    Es sind ja nicht nur die Künste, schau in die Politik, die Medizin, die Mode, das Konsumverhalten ...
    Das Zauberwort heißt Individualisierung. Der Mensch ist das Maß aller Dinge; es fragt sich nur welcher Mensch?

    Daraus folgt, dass die Lyrik wie auch die anderen Künste weniger und weniger lehrbar ist
    Ich überlege gerade, wie das mit der KI zu verknüpfen ist. Sie kann lernen, im Stil Bachs zu komponieren, im Stil van Goghs zu malen, Im Stil Bachmanns zu dichten usw.
    Ob sie, um eigene Kunst zu kreieren, ein Bewusstsein entwickeln müsste?

    Na, das führt jetzt natürlich viel zu weit weg vom Gedicht und ärgert u.U. die Mods. Deshalb mache ich jetzt einen Punkt

    LG Okotadia

    P.S. Zum nick: Kein Problem, ist ja auch etwas sperrig. Ich habe vor Jahren mal nach einer Pflanze gegoogelt, an deren Namen ich mich nicht mehr genau erinnern konnte und mich dabei auch noch vertippt. Zu meinem Erstaunen war das ein Wort, das Google nicht kannte und, wie ich eben festgestellt habe, immer noch nicht kennt. Beste "Verunglimpfung" bisher: Okultadia
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    Zbigniew Herbert

  14. #14
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    Zitat Zitat von Onegin
    Bei RMR beeindruckt mich, dass er versucht hat, sich aus der Ichfixierung lyrisch zu lösen. Er tanzt nicht um das goldene Kalb seines Ego, sondern stößt zu allgemeingültigen Aussagen vor. Er glaubte, das sich in der Kunst, im Gedicht, ein Stück Sinn auftut (das was Du das Geheimnis nennst) , der sich nirgends sonst mehr greifen lässt.
    Lieber Onegin, hier treffen wir uns als eine Art Brüder im Geist.

    Der Name Rilke ist ja sehr eng mit dem Begriff "Dinggedicht" verbunden. Ein Phänomen, welches mich seit vielen Monaten fasziniert. Speziell von Jan Wagners Gedichtband "Selbstporträt mit Bienenschwarm" inspiriert. Und natürlich vom Haiku.
    Durch derartige Gedichte geprimt, fällt mir die Art der Nutzung deine Adjektive und Adverbien auf. Gemessen an Rilke benutzt du mE unnötig von ihnen. Und du benutzt sie ohne sonderliche Raffinesse.

    Schau, um die Weiden weht ein letzter Schimmer
    Und ein Kind spielt in dem spätes Licht
    Und du bist nur der fromme Überbringer
    der dunklen Strophe die der Sommer spricht

    Der wirre Sommer und die sommerlichen Dinge
    Die Gegenstände ratlos ortlos nicht spektakulär
    Doch alles Große wie das wunderlich Geringe
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    Als gönnte ihrer Armut niemand mehr
    sich in ein Glück ein Lied in ein Gefühl zu wandeln
    und wenn sie angstvoll fragen, bin ich wo daheim
    Dann leihst Du ihnen Stimme, Vers und Reim

    Adjektive versachlichen unnötig den Moment, gemessen an dem Zauber. mit dem ein gute Dichter ein kleines Adjektiv in große Action verwandelt. Auch verschenkst du die Strahlkraft einerseits verblüffender und andererseits gesteigerter Eigenschaften! Ich zitiere mal wahllos aus den Duineser Elegien.

    Ja, die Frühlinge brauchten dich wohl. Es muteten manche
    Sterne dir zu, daß du sie spürtest. Es hob
    sich eine Woge heran im Vergangenen, oder
    da du vorüberkamst am geöffneten Fenster,
    gab eine Geige sich hin. Das alles war Auftrag.
    Aber bewältigtest du's? Warst du nicht immer
    noch von Erwartung zerstreut, als kündigte alles
    eine Geliebte dir an? (Wo willst du sie bergen,
    da doch die großen fremden Gedanken bei dir
    aus und ein gehn und öfters bleiben bei Nacht.)
    Sehnt es dich aber, so singe die Liebenden; lange
    noch nicht unsterblich genug ist ihr berühmtes Gefühl.
    Jene, du neidest sie fast, Verlassenen, die du
    so viel liebender fandst als die Gestillten. Beginn
    immer von neuem die nie zu erreichende Preisung;

    Wenn man Rilkes Syntax und sonstige grammatikalische Merkmale untersucht, kann man auch mit moderneren Worten etwas von Rilkes Zauber abbilden. Ich schreibe das nicht, um dein Gedicht abzuwerten!!! Ich möchte darüber reden!
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  15. #15
    Registriert seit
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    Liebe Okotadia,


    vielleicht ist die Kunst der KI in geringeres Problem als wie alle denken. Es gibt Computerprogramme, die tausende von Bachchorälen innerhalb von Sekunden ptoduzieren. Auf youtube kann man einige von ihnen hören, sie haben mich nicht überzeugt. Aber der eigentliche Punkt ist meiner Ansicht nach der, dass Kunst etwas ist, das von einem Wesen hervorgebracht wird, das lachen und weinen kann, der Freunede und Geliebte hat oder auch keine, dem es bei allem was er tut, um seine eigene Existenz geht, das sich auf Zukunft hin entwirft und um seine bare Vorfindlchkeit nicht herum kommt, das um seine Endlichkeit weiß und mit diesem Wissen fertig werden muss. (Kannst Du Dir eine KI vorstellen, die Angst davor hat, dass ihr der Strom abgestellt wird), ein Wesen, das Freude am Spiel und am symbolischen Handeln hat, das in einem fundamentalen Sinne schöpferisch ist. (Die meisten dieser Kennzeichnungen finden sich in Heideggers "Sein und Zeit")

    Und um jetzt das Stirnrunzeln der Mods nicht noch weiter zu provozieren, die mangelnde Originalität wäre glaube ich das einzige, was man meinem Gedicht wirklich vorwerfen kann. Aber ich hatte mir ja auch die Wettbewerbssituation mit dem großen RMR auferlegt. Ich muss origineller werden, wir alle müssen das, damit entsprechen wir der Signatur des Zeitalters.

    Ich freue mich jedenfalls auf Dein nächstes Opus.

    Lieber Gruß Onegin







    p
    Love´s not Time´s fool W. S.

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