1. #1
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    Freizeitspiele mit Feierabendzigarettchen

    Wer seinen Alltag vernachlässigt,
    um Computer zu spielen,
    gilt künftig als krank,
    lt. neuem WHO Katalog 2018.

    Bundesminister Scheuer legt nach
    und Pläne für nachhaltige Gaming - Fördermittel vor,
    damit Deutschland und seine Jugend künftig in der Weltspitze
    reichlich "bescheuert" mitspielen können.

    Menschen mit Nikotinsucht
    verspüren ein zwanghaftes Bedürfnis,
    Nikotin zu konsumieren, die sogenannte Zigarettensucht.
    Die Tabaksteuer bringt dem Fiskus jährlich etwa 15 Mrd. Euro.

    Man müsste schon einen Spahn im Auge haben,
    nicht zu erkennen, dass auch
    den armen kränkelnden Tabakriesen
    mit nachhaltigen Fördermitteln und Reinvestionen

    unter die Arme und Raucherbeine gepackt werden muss,
    damit Deutschland und seine Jugend wieder
    ein aktives Mitraucherrecht bekommen
    und reichlich besteuert mitqualmen können.
    Geändert von Anjulaenga (30.08.2019 um 12:22 Uhr)

  2. #2
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    Hallo Anjulaenga,

    deinen Text kann ich schwer für mich einordnen. Ich halte ihn ja eher für Satire, weil einige Thesen vermutlich bewusst überhöht wurden. Aber er steht nun mal hier, und du wirst dir bei der Wahl der Rubrik etwas gedacht haben.

    Gleich in der ersten Strophe lässt du es richtig krachen. Auch ich habe schon mal am Abend längere Zeit mit Computerspielen verbracht als ich wollte und die Arbeit am Rechner an dem Abend nicht mehr geschafft, also vernachlässigt. Ist das schon krank? Ähnlich könnte ich die These aufstellen; Wer sein Kind vegan ernährt und dies zum Schaden des Kindes führt, ist ein Verbrecher. Deine These ist mir zu sehr in schwarz-weiß, pauschal formuliert.

    Egal, ob es mir passt oder nicht (und mir passt es nicht, weil das Ganze vollkommen an mir vorbei geht und mich schmerzlich daran erinnert, dass ich alt bin) ist die Computerspiel-Industrie nach allem was ich lese und höre, ein riesiger globaler Wachstumsmarkt, auf dem Deutschland bisher eine eher untergeordnete Rolle spielt und hochkarätige Entwickler und Startups auf Unterstützung hoffen, um „durchzustarten“.

    Ich weiß nicht, ob man Nikotinsucht und Spielsucht so 1 zu 1 vergleichen kann und sollte. Klar, alles, was man exzessiv betreibt, kann u.U. zur Abhängigkeit und Krankheit führen. Bei der legalen Droge Alkohol halte ich das für noch wesentlich dramatischer.

    Aber zu unterstellen, all das sei dem Staat egal, Hauptsache die Steuereinnahmen sprudeln, halte ich für zu plakativ, wenn es keine Satire sein soll. Beim Alkohol z.B. hat Vater Staat 2017 das Branntweinmonopol gekippt. Da wurde also eine Subvention für viele kleine landwirtschaftliche Brennereien gestrichen. Ob er damit auch tatsächlich weniger Steuereinnahmen hat, bzw. bewusst auf sie verzichtet, weil er an die Gesundheit seiner Mitbürger denkt, wage ich nicht zu beurteilen. Aber immerhin; er subventioniert den Alkohol nicht mehr.

    Aus dem Grund halte ich auch die satirische Forderung, der Staat müsse die Tabakindustrie mehr unterstützen, auch wenn es ironisch gemeint ist einfach für unlogisch. Der Tabakindustrie geht es wirtschaftlich blendend. Die sind nicht speziell auf höhere Fördermittel angewiesen als andere Branchen. Ich meine sowieso, dass eher das Gegenteil ist der Fall ist. Dort hat es in den letzten Jahren ja nun doch schon einiges an Regulierungen zum Nachteil der Tabakriesen gegeben. Dass sich Zigaretten trotz Werbeverbot, Anti-Rauch-Kampagnen und Ekelbildern auf Verpackungen weiterhin so gut verkaufen, liegt dann doch wohl eher an den Süchtigen, die es nicht lassen können.

    Aber ist es überhaupt ein Gedicht? Was sind deine Kriterien für ein Gedicht? Ich halte es eher für ein - zugegeben satirisch formuliertes – Statement mit einigen witzigen Formulierungen. („bescheuert-besteuert“, Spahn im Auge“, „Arme und Raucherbeine“. „Mitraucherrecht“ )

    Was meinst du?

    LG, Eddigeh
    "Ich pass' immer auf zu dir"

  3. #3
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    Liebe / r Eddigeh,

    danke für dein umfangreiches Feedback.
    Diese Kurzversion der Definition von Computersucht stammt übrigens nicht von mir. Ein Arzt/ Psychologe müsste natürlich im Einzelfall den Krankheitsbefund überprüfen. Bemerkenswert ist es aber, dass die Computerspielsucht überhaupt in den WHO- Katalog aufgenommen worden ist, während man jahrelang um dieses Thema herumgeeiert ist und übermüdete Kinder in den Grundschulen registrieren musste.
    Die Liste der Widersprüchlichkeiten politischen Handelns ließe sich sicherlich noch auf Sicherheitspolitik, Energie - und Bildungspolitik endlos ausweiten.
    Von einem Minister für Verkehr und digitale Infrastruktur wird eine andere Interessenabwägung abverlangt als z.B. von einem Gesundheits- oder Bildungsminister. Bei einer Podiumsdiskussion auf der Gamescom hätte ich aber Minister Scheuer genau mit diesem Widerspruch konfrontiert, den ein Kind / Jugendlicher Gamer erfahren müsste.
    Der diametrale Denkansatz von Fachministern muss sich einem "übergeordnetem" Regierungskonzept fügen, damit ein Führungsstil, eine Ethik oder eine politische Linie erkennbar wird.
    Vom gesundheitlichen Abspekt will man den jugendlichen Gamer schützen, welcher die Wirtschaft aber gleichzeitig wieder durch sein Kauf- und Spielverhalten befeuern und ankurbeln soll, damit Deutschland nicht "abgehängt" wird. Seine Bildung soll ebenfalls auch noch stimmen. Das alles erscheint mir völlig absurd. Hier ist für mich eine schon beinahe zynisch zu nennende Doppelbödigkeit im Umgang mit der Sucht und der Jugend erkennbar.
    Der zweite Teil des Gedichtes ist denn auch satirisch gemeint, um diesen Gedanken weiter auf die Spitze zu treiben, wenn ein Gesundheitsminister Fördergelder für die Tabakindustrie in Aussicht stellt. Ich wollte damit nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Für alles, was wir heute tun, beschließen oder planen (privat oder gesellschaftlich ) wird das Übergeordnete immer bedeutungsvoller. Ein Minister ist für mich längst nicht (mehr) nach den kurzen wirtschaftlichen Erfolgen einer Legislaturperiode messbar, egal aus welchem politischen Lager er kommt. Er trägt genauso die ethische Verantwortung. Die Nachhaltigkeit ist dabei das zentrale Thema der Zeit. Wenn bei der Förderung von intelligenten Spielen z.B. gleichzeitig Gelder in die Suchtprävention und Bildung gesteckt werden, hört sich das Ganze schon anders an.
    Nach mir die Sintflut gibt es einfach nicht mehr.
    Ob das ein Gedicht ist, weiß ich nicht, zumindest habe ich versucht, es zu verdichten, und thematisch in Strophen zu ordnen. Lyrischer und dichter geht immer.

    L.G.A.
    Geändert von Anjulaenga (30.08.2019 um 11:57 Uhr)

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