Thema: Mein Grau

  1. #1
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    Mein Grau

    Wie schön, die Tage werden langsam trüber.
    Ein Grau zieht leise auf. Man weiß nicht, soll
    es wieder bunter werden oder lieber
    auf ewig kühler und geheimnisvoll.

    Nun rieselt es Gedichte über Blätter
    und Tasten tanzen voller Lust und Leid.
    Die schwarzen halb verstimmt wie Regenwetter,
    die weißen kalt wie Schnee aus ferner Zeit.

    Ein Nebel wabert und zwei Dohlen hupfen
    Die Fenster zu. Es droht der nächste Schnupfen.
    In Flammen steht der Wald und leise röchelt
    der alter Mann an seinem starken Seil.

    Die Welt schlägt ihren Kragen hoch und lächelt
    wie eine Mutter die dem Kind verzeiht
    Geändert von Artname (02.09.2019 um 15:23 Uhr)
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  2. #2
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    Hey Artname,

    das ließt sich zu manchem Zeilenende hin etwas seltsam [Man weiß nicht, soll ..........] / [Dohlen hupfen ..... Die Fenster zu], insgesamt aber vollkommen stimmig. Das Thema ist natürlich witterungsbedingt angehaucht, dennoch aber schön umgesetzt.

    Ein winzig kleiner Fehler: "der alter Mann an" da ist wohl ein "r" zu viel.
    Ich würde hier ein Komma setzen: "Leid. Die" also "Leid, die" oder sogar einen Doppelpunkt, zur Verdeutlichung.

    Den Herbst mag ich sehr, kühlere Tage, tiefere Sonnenstände für längere Zeit. Leider hauen die Milane in den Süden ab und viele andere Vögel auch.

    Hier reimt sich alles im Rahmen des Gehörs für mich, klar, assonant, aber ich unterscheide nicht mehr und bin sehr froh, wenn ich meine Wortwahl beim Schreiben auf ähnlich klingende Wörter erweitern kann, so lässt sich doch viel viel mehr plötzlich sagen.

    Liebe Grüße

  3. #3
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    Interssanter Text, im freien Shakespeare-Sonett-Stil (?). Ich male mal unten an, was für mein Gefühl noch besser ginge; ist natürlich Jammern und Fragen auf hohen Niveau, aber dich kann man ja ruhig ein bisschen herausfordern


    Wie schön, die Tage werden langsam trüber.
    Ein Grau zieht leise auf. Man weiß nicht, soll
    es wieder bunter werden oder lieber
    auf ewig kühler und geheimnisvoll.

    Nun rieselt es Gedichte über Blätter
    und Tasten tanzen voller Lust und Leid.
    Die schwarzen halb verstimmt wie Regenwetter,
    die weißen kalt wie Schnee aus ferner Zeit.

    Ein Nebel wabert und zwei Dohlen hupfen
    Die Fenster zu. Es droht der nächste Schnupfen.
    In Flammen steht der Wald und leise röchelt
    der alter Mann an seinem starken Seil. - ein Erhängter? Aber das braucht kein starkes Seil? Was bedeutet diese Metapher?

    Die Welt schlägt ihren Kragen hoch und lächelt
    wie eine Mutter die dem Kind verzeiht - Für mich gehen die Bilder vom alten Mann und dem Kind irgendwie nicht zusammen? Da habe ich gerade noch das Bild vom erhängten alten Mann und dann krieg ich die Kurve zum Kind nicht. Ist der alte Mann also das Kind der Welt und verzeiht sie ihm seinen Selbstmord?

    Steh ich auf der Leitung?
    Gern gelesen.

    Lieben Gruß
    albaa
    Geändert von albaa (02.09.2019 um 19:14 Uhr)

  4. #4
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    Herzlichen Dank für Euer Feedback.

    @ Ferdi, ich habe das Komma gesetzt. Du hast Recht! - Ansonsten zähle ich auch Assonanzen zu den Reimen. Mein einzige Regel für einen künstlerischen Text lautet: Alle Elemente eines Textes müssen in einem untrennbaren Zusammenhang stehen. Und das "Seil" führt mich zum "verzeiht." Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich nicht doch einen abschließenden reinen Reim suchen werde. Denn gerade das Sonett betont den Klang, vermutlich stärker als jede andere Gedichtform.

    @ Miaukuh, Sonette werden ja auch Klanggedichte genannt. Ich verstehe darunter den Klang der Seelensprache. Im Gegensatz beispielsweise zum prokanten Klang der Rappersprache. Meine Seele will nicht provozieren. Sie nimmt nur stumm wahr, was sie höchstens in einem Gedicht oder Liedtext mal spiegeln möchte. Dass ich meiner Seele eine etwas andere Ausdruckform als meiner Zunge gestatte, ist ein mit den Jahren gewachsenes Bedürfnis.
    Nochmals zum Reim: Ferdi hat ja, wie er hier und auf seiner website oft beweist, ein sehr feines lyrisches Gehör. Zur Freiheit der Assonanzen gehört aber auch, dass sie gegenüber dem reinen Reim gewisse Dissonanzen enthält.

    @ albaa, du bringst vermutlich den hohen Anspruch an das Sonett am stärksten zum Ausdruck. Und deshalb antworte ich dir etwas anders. Ich schrieb dieses Gedicht, da ich seit Jahren einen wachsenden Ekel gegenüber einer speziellen Art von Herbstgedichten entwickelte. Gedichte, die die klimabedingten Veränderungen in Flora und Fauna ignorieren. Und statt dessen den Herbst mit Tod und Wiedergeburt verbinden, wie dies seit Jahrhunderten viele Dichter tun. Als gäbe es einen fucking biblischen Klang, mit dem man Gottes Werke rühmen sollte.

    Der Herbst ist seit meiner Kindheit meine absolute Lieblingsjahreszeit. Er ist quasi mein Frühling, in dem ich erblühe. Und somit erwachen nach dem mich eher lähmenden Sommer nicht nur meine Sinne, sondern auch stets meine Lust, etwas Galle in den ach so edlen Wein des Abendmahls zu spucken! So spricht meine Seele: Schreib ehrlich und bescheiden, du alter Bastard.
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  5. #5
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    Moin Artname,

    ein schöner Text, dein Grau.
    Du hast ja geschrieben, der Herbst ist deine Lieblingsjahreszeit.
    Spannend, dass du hier nun aber dennoch kein Loblied auf einen goldenen Oktober singst,
    sondern wiederum das eher triste Bild darstellst.
    Keine Kritik, mir gefällt der Unterton, den du ja auch stilistisch einbringst.
    Das Spiel aus unreinen und reinen Reimen erzeugt Spannung
    und die viele Onomatopoesie macht es sehr "natürlich"

    Ein paar Gedanken zu den einzelnen Strophen:


    Zitat Zitat von Artname Beitrag anzeigen
    Wie schön, die Tage werden langsam trüber.
    Ein Grau zieht leise auf. Man weiß nicht, soll
    es wieder bunter werden oder lieber
    auf ewig kühler und geheimnisvoll.
    xXxXxXxXxXx
    xXxXxXxXxX
    xXxXxXxXxXx
    xXxXxXxXxX

    "Wie schön" steigt direkt recht ironisch ein.
    Möglicherweise hat dein lyrisches Ich doch eine andere Meinung zum Herbst als du
    Grau und farbenfrohe Blätterpracht, die gleichermaßen im Herbst vorzufinden sind,
    stecken auch im Text, solider Einstieg.

    Zitat Zitat von Artname Beitrag anzeigen
    Nun rieselt es Gedichte über Blätter
    und Tasten tanzen voller Lust und Leid.
    Die schwarzen halb verstimmt wie Regenwetter,
    die weißen kalt wie Schnee aus ferner Zeit.
    xXxXxXxXxXx
    xXxXxXxXxX
    xXxXxXxXxXx
    xXxXxXxXxX

    Der erste Vers ist mein Favorit
    Zuerst hatte ich ihn ganz anders gelesen.
    Ich hab da Regentropfen über Baumblätter rieseln hören, die sind für mich auch immer wie ein Gedicht.
    Aber sicher war diese Verbindung auch gewollt^^
    Der letzte Vers kommt hingegen etwas schwach daher, bzw die "ferne Zeit" will mir nicht ganz klar werden.

    Zitat Zitat von Artname Beitrag anzeigen
    Ein Nebel wabert und zwei Dohlen hupfen
    Die Fenster zu. Es droht der nächste Schnupfen.
    In Flammen steht der Wald und leise röchelt
    der alter Mann an seinem starken Seil.
    xXxXxXxXxXx
    xXxXxXxXxXx
    xXxXxXxXxXx
    xXxXxXxXxX

    die hupfenden Dohlen / Hupfdohlen bringen neben der Naturbetrachtung nun erstmals Menschen mit in den Text.
    Tänzerinnen wollen gerade nicht so recht ins Bild passen, aber evtl. soll es ja bildlich doch eher um die Vögel gehen?
    Ansonsten könnte man es rein naturbetrachtend auch wieder als Tanz (hupfend) des Windes (die Hupfdohlen/Tänzerinnen) im Laub (ihr [Feder]Kleid) betrachten?

    Hinter "hupfen" sollte ein Punkt. Die Fortführung mit "die Fenster zu" ergibt keinen Sinn.
    Vielmehr betrachte ich "Die Fenster zu" als für sich stehenden Ausruf, der gerne mit einem Ausrufezeichen abgeschlossen werden könnte.

    Der in Flammen stehende Wald geht für mich klar auf das bunte Herbstlaub, bringt aber auch etwas Gefährliches ein, das durch den alten Mann am starken Seil weitergeführt wird.
    Ich dachte daher hier auch zuerst an einen Hängenden.
    Vielleicht ist es aber auch etwas Harmloser und da geht einer mit seinem ungestümen Hund spazieren^^

    Auffällig ist der Bruch des Reimschemas, dazu in der letzten Strophe mehr.

    Zitat Zitat von Artname Beitrag anzeigen
    Die Welt schlägt ihren Kragen hoch und lächelt
    wie eine Mutter die dem Kind verzeiht
    xXxXxXxXxXx
    xXxXxXxXxX

    Auch ein ganz wunderbares Bild, auch aufgrund seiner Widersprüche.
    Der hochgeschlagene Kragen spielt auf die saisonbedingte Kälte an, steht hier aber rein semantisch im Widerspruch zum eben noch erwähnten Inflammenstehen des Waldes.
    Das Lächeln ob solch kalter Temperaturen kommt mir auch widersprüchlich vor.
    Der Vergleich der verzeihenden Mutter hinkt möglicherweise auch.
    Vielleicht ist auf ihrem Gesicht eher milde, verkniffene Strenge zu sehen, da vor dem Verzeihen doch erstmal das Schimpfen kommt.
    Der verkniffene Gesichtsausdruck wäre auch nur allzu passend, zu einem eiskalten Windzug, der seinen Weg in den Kragen fand

    Zum Reimschema:
    Ich habe das Gefühl, hier seien zwei Verse ausgetauscht worden.
    Üblicherweise folgt das englische Sonett ja dem Reimschema ABAB-CDCD-EFEF-GG.
    Du bist nun bei ABAB-CDCD-EEFG-FG

    Ich verstehe, dass du damit einen weiteren Bruch erzeugen wolltest, der die Bildebene unterstützt.
    Tatsächlich würde mir der Text aber auch inhaltlich noch besser gefallen, wenn die Verse getauscht würden:

    In Flammen steht der Wald und leise röchelt
    der alter Mann an seinem starken Seil.
    Die Welt schlägt ihren Kragen hoch und lächelt
    wie eine Mutter die dem Kind verzeiht.

    Ein Nebel wabert und zwei Dohlen hupfen.
    Die Fenster zu. Es droht der nächste Schnupfen.
    Durch diese Versreihenfolge wird der Beobachtungscharakter, erst der Natur, später auch der Menschen, die sich darin bewegen (Alter Mann mit Hund und Mutter mit Kind) noch viel deutlicher und ich sehe als lyrisches Ich nun eine hutzelige alte Dame, die von ihrem warmen Stüblein aus das eisige Geschehen draußen im Park von ihrem geöffneten Fenster aus beobachtet.
    So ironisch der Text begann, würde er durch den Schnupfen auch schließen.
    Würde es perfekt für mich machen

    Hat mir gut gefallen, gern mehr davon!
    LG
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  6. #6
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    Lieber Anti Chris , ich vermute, selbst als Unbeteiligter hätte mich deine sehr ausführliche und zugleich plausible Kritik sehr bewegt. Denn nicht am Meinungsstreit reift die Dichtung, sondern an der spannenden Vermittlung dichterischen Handwerks. Als Autor sage ich jedenfalls tief berührt herzlichen Dank!


    Zitat Zitat von Anti Chris. Beitrag anzeigen
    Du hast ja geschrieben, der Herbst ist deine Lieblingsjahreszeit.
    Spannend, dass du hier nun aber dennoch kein Loblied auf einen goldenen Oktober singst,
    sondern wiederum das eher triste Bild darstellst.
    Ja, sicher spannend! Bereits als Achtjähriger genoss ich den Eindruck, dass der Herbst alles Menschen hilfsbedürftiger macht - und mir damit ähnlicher. Diesen naiven Gedanken will ich als Erwachsener zwar nicht mehr genauso hervorheben, aber der Herbst führt noch immer zur Dunkelheit, Kälte und dem wachsenden Gefühl von Einsamkeit. Egal, wieviel davon Projektion ist, im Herbst geht mE mehr zarte Sehnsucht von den Menschen aus.

    Zitat Zitat von Anti Chris
    mir gefällt der Unterton, den du ja auch stilistisch einbringst.
    Das Spiel aus unreinen und reinen Reimen erzeugt Spannung
    und die viele Onomatopoesie macht es sehr "natürlich"
    Vielleicht drückt diese Onomatopoesie automatisch meine schlagartig anwachsende Vitalität. Ja, ich denke, das ist so!

    Zitat Zitat von Anti Chris
    Möglicherweise hat dein lyrisches Ich doch eine andere Meinung zum Herbst als du
    Grau und farbenfrohe Blätterpracht, die gleichermaßen im Herbst vorzufinden sind,
    stecken auch im Text, solider Einstieg.
    Auch ein spannender Gedanke: Gibt es Unterschiede zwischen Autor und LI? Ich denke, hier nicht. In dem Maße, wie das Herz Ja zu einem Ort oder einer Zeit sagt, bekommt alles zusätzlich einen angenehmeren Farbton. Speziell vor einem neutral-grauen Hintergrund.

    Zitat Zitat von Anti Chris
    Der erste Vers ist mein Favorit
    Zuerst hatte ich ihn ganz anders gelesen.
    Ich hab da Regentropfen über Baumblätter rieseln hören, die sind für mich auch immer wie ein Gedicht.
    Aber sicher war diese Verbindung auch gewollt^^
    Für einen Musiker ist der Tanz der Regentropfen ewig inspirierend.

    Zitat Zitat von Anti Chris
    Der letzte Vers kommt hingegen etwas schwach daher, bzw die "ferne Zeit" will mir nicht ganz klar werden.
    Da habe ich auch noch Zweifel. Ich wuchs im Gebirge auf, wo der nahende Schnee eine andere Stimmung erzeugt als im Flachland. Wenn man das nicht mitliest, bleibt der abgenutzte Leid-Zeit-Reim.

    Zitat Zitat von Anti Chris
    die hupfenden Dohlen / Hupfdohlen bringen neben der Naturbetrachtung nun erstmals Menschen mit in den Text.
    Tänzerinnen wollen gerade nicht so recht ins Bild passen, aber evtl. soll es ja bildlich doch eher um die Vögel gehen?
    Ich dachte tatsächlich an Raben. Aber "Hupfdohle" war in meinem Elternhaus ein häufig benutzter Begriff. Nun lese ich meine Zeile mit doppeltem Vergnügen. Klar, ich seh da Dohlen hüpfen, wie Menschen über Pfützen.

    Zitat Zitat von Anti Chris
    Der in Flammen stehende Wald geht für mich klar auf das bunte Herbstlaub, bringt aber auch etwas Gefährliches ein, das durch den alten Mann am starken Seil weitergeführt wird.
    Ich dachte daher hier auch zuerst an einen Hängenden.
    Vielleicht ist es aber auch etwas Harmloser und da geht einer mit seinem ungestümen Hund spazieren^^
    Hier hatte ich eindeutig die Waldbrände der letzten Monate im ähm... Gefühl. Die habe ich einfach mit der flammenden Farbenpracht gekoppelt und genieße einfach die Spannung. Schön, dass du u.a. neben brutaleren Bildern ein Hund im Bild sehen kannst. ...:

    Zitat Zitat von Anti Chris
    Auffällig ist der Bruch des Reimschemas, dazu in der letzten Strophe mehr.


    xXxXxXxXxXx
    xXxXxXxXxX

    Auch ein ganz wunderbares Bild, auch aufgrund seiner Widersprüche.
    Der hochgeschlagene Kragen spielt auf die saisonbedingte Kälte an, steht hier aber rein semantisch im Widerspruch zum eben noch erwähnten Inflammenstehen des Waldes.
    Das Lächeln ob solch kalter Temperaturen kommt mir auch widersprüchlich vor.
    Der Vergleich der verzeihenden Mutter hinkt möglicherweise auch.
    Vielleicht ist auf ihrem Gesicht eher milde, verkniffene Strenge zu sehen, da vor dem Verzeihen doch erstmal das Schimpfen kommt.
    Der verkniffene Gesichtsausdruck wäre auch nur allzu passend, zu einem eiskalten Windzug, der seinen Weg in den Kragen fand
    Zum Reimschema:
    Ich habe das Gefühl, hier seien zwei Verse ausgetauscht worden.
    Üblicherweise folgt das englische Sonett ja dem Reimschema ABAB-CDCD-EFEF-GG.
    Du bist nun bei ABAB-CDCD-EEFG-FG

    Ich verstehe, dass du damit einen weiteren Bruch erzeugen wolltest, der die Bildebene unterstützt.
    Tatsächlich würde mir der Text aber auch inhaltlich noch besser gefallen, wenn die Verse getauscht würden:
    Zitat Zitat von Anti Chris

    Durch diese Versreihenfolge wird der Beobachtungscharakter, erst der Natur, später auch der Menschen, die sich darin bewegen (Alter Mann mit Hund und Mutter mit Kind) noch viel deutlicher und ich sehe als lyrisches Ich nun eine hutzelige alte Dame, die von ihrem warmen Stüblein aus das eisige Geschehen draußen im Park von ihrem geöffneten Fenster aus beobachtet.
    So ironisch der Text begann, würde er durch den Schnupfen auch schließen.
    Würde es perfekt für mich machen
    Der Zeilentausch kann ich mir vorstellen. - Du hast ihn auch sehr gut begründet. Wenn ich mich in diesem Falle aber zwischen einen leicht ironischen und einem eher dramatischen Ende entscheiden müsste, bliebe ich bei meiner Variante. Sie ist erscheint mir noch vielsagender. Denn sie besitzt für mich ebenfalls einen Rahmen: Früher war ich überzeugt von der alle Menschen vereinende Schönheit des Herbstes. Heute lächelt die Welt gutmütig wie eine liebende Mutter über soviel Naivität.

    Nochmals herzlichen Dank dafür, dass ich mit jemanden so tief in meine Autorenwelt gehen dürfte.

    lg
    Geändert von Artname (09.09.2019 um 18:12 Uhr)
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  7. #7
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    Moin Artname,

    freut mich, dass ich dir mit meiner Rückmeldung Freude machen konnte.
    Dann sind wir ja quitt, dein Text hat's ja auch

    Ich bin fein mit deiner Entscheidung zur Versreihenfolge am Ende.
    Aber mich würde dennoch interessieren, wie dein Reimschema an der Stelle zustande kam.
    War das bewusst so gesetzt und damit gegen die üblich Weise des englischen Sonetts?
    Oder hast du da tatsächlich nachträglich noch Verse verschoben?

    LG
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  8. #8
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    Zitat Zitat von Anti Cris
    War das bewusst so gesetzt und damit gegen die üblich Weise des englischen Sonetts?
    Oder hast du da tatsächlich nachträglich noch Verse verschoben?
    Als auf Musik schreibender Texter stellt mich natürlich jedes Demo vor neue Reimschata. Deshalb interessierte mich das ungewöhnliche Schemata der Terzette nicht so sehr, wie es vermutlich reine Lyriker interessiert. Jedesmal, wenn ich Lust auf ein Sonett habe, habe ich das klassische Schema der Terzette vergessen. Also sagte ich mir diesmal: Die Terzette reimst du anders als die Quartette. Wie, das entscheidest du, wenn Zeile 8 beendet ist.Und so kam es denn auch.

    Ich habe ohne Unterbrechung gereimt. Als mir das Lächeln der verzeihenden Mutter in den Sinn kam, wusste ich, das ist für mich ein geeignetes Ende.

    Dein Vorschlag hätte mir auch in den Sinn kommen können. Den hätte ich formal sicher noch besser gefunden. Aber ich versuche gerade, Inhalte zu schreiben, die meiner genetischen und charakterlichen Bestimmung am besten entsprechen könnten.


    lg
    artname
    Geändert von Artname (09.09.2019 um 20:40 Uhr)
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  9. #9
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    Moin Artname,

    danke für die Erklärung.
    Ich bin leider gänzlich unmusikalisch und stürze mich daher komplett in solche Strukturen.
    Aber ich verstehe deine Herangehensweise.
    Gerade wenn es um das Klanggedicht geht, sollte man natürlich auch seinem Ohr folgen

    Bleibt nur zu hoffen, dass du diesen Text auch irgendwann vertont hier vorstellst^^

    LG
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