1. #1
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    Aron Manfeld: Kopffrau

    Auf Arbeit schweigt ihr rotbemalter Mund
    Im Glitzern dicht am stummen Monitor
    Bewegung fremder Körper streift das Ohr
    Berührungslos bis irgendwann die Stund

    Privater Einsamkeit den zweiten Teil
    Des Tages bringt sie klickt den neuen Chat
    Den Rechner streichelnd liegt sie still im Bett
    Verschiebt den kleinen weissen spitzen Pfeil

    Wie geht es Dir allein ich tanze gut
    Matthias Martin München Hamburg Kai
    Spontan zwei Ehen kürzlich erst getrennt

    Ganz flippig doch ich folg nicht jedem Trend
    Bin Witwer fühl mich langsam wieder frei
    Brauch Zeit für Festes fehlt mir noch der Mut

    Die Vergeblichkeit des Lebens mit Lebendigkeit beschämen. Aron Manfeld

  2. #2
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    Moin Aron Manfeld,

    ach herrlich.
    Das macht Spaß beim Lesen.
    Gefällt mir gut, wie du komplett auf Satzzeichen verzichtet hast und so einen ganz besonderen Lesefluss reinbringst,
    der zu dieser flüchtigen, schnellen, Internet-Dating-Welt perfekt passt.
    Man ist so fast gezwungen, deine Zeilen hastig zu überfliegen, genauso, wie das im Internetchat ja allzu oft passiert.

    Dass du das nun noch in einem Sonett festhältst, macht es für mich noch besser^^

    Zitat Zitat von Aron Manfeld Beitrag anzeigen
    Auf Arbeit schweigt ihr rotbemalter Mund
    Im Glitzern dicht am stummen Monitor
    Bewegung fremder Körper streift das Ohr
    Berührungslos bis irgendwann die Stund
    hier fehlen einige Artikel, das mag ich.
    Bringt eine gewisse Hast rein.
    Die Rotbemundete will schnell heim und die Liebe im Netz suchen.

    Zitat Zitat von Aron Manfeld Beitrag anzeigen
    Privater Einsamkeit den zweiten Teil
    Des Tages bringt sie klickt den neuen Chat
    Den Rechner streichelnd liegt sie still im Bett
    Verschiebt den kleinen weissen spitzen Pfeil
    Riesen Enjambement noch aus der ersten Strophe, eine herrliche Langatmigkeit, der die Rotbemundete entkommen will.
    Die Private Einsamkeit gefällt mir. Die Durchtaktung des Tages ist so schlicht und einfach dargestellt.
    Plötzlich diese liebevolle Geste dem elektronischen Gebrauchsgegenstand gegenüber. Ich war hier schon Fan.
    Dann die Überattributisierung des Mauspfeils, der besser als jede Leuchtreklame zeigt, worauf hier der Fokus liegt.

    Zitat Zitat von Aron Manfeld Beitrag anzeigen
    Wie geht es Dir allein ich tanze gut
    Matthias Martin München Hamburg Kai
    Spontan zwei Ehen kürzlich erst getrennt
    Dann die stakkatogleiche Darstellung eines oder mehrerer Chatverläufe.
    Hier ist nicht zuordenbar, welche Satzfetzen von wem sind.
    Die Rotbemundete kann sich wohl noch nicht, entscheiden, wer nun der Spannendste Chatpartner ist.

    Zitat Zitat von Aron Manfeld Beitrag anzeigen
    Ganz flippig doch ich folg nicht jedem Trend
    Bin Witwer fühl mich langsam wieder frei
    Brauch Zeit für Festes fehlt mir noch der Mut

    Sie scheint sich festgelegt zu haben, auf das lyrische Ich, der Glückspilz.
    Ganz stark die mehrfache Leseart des letzten Verses "Brauch Zeit für Festes" und "für Festes fehlt mir noch der Mut"
    Mit diesem letzten Zusatz schließt der Text so unverbindlich wie Internetdating eben auch ist, bloß nichts Festes.

    Schön, dass du schlussendlich auch noch einen Emoji einbringst, typisch für den Chat.
    Gerade auch der Kussmund, der dort nur allzu inflationär genutzt wird^^

    Gefällt mir ausnehmend, wie du hier zeigst, dass die gesamte Gestaltung des Textes den Inhalt ganz wunderbar unterstützen kann.

    Ganz kurz noch zum Formalen:
    Metrum perfekt. Reime sauber und sehr frisch. Feine Sache!

    LG
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  3. #3
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    Hallo Aron,

    die Idee - und auch das ein oder andere Bild ist gut, aber wegen der fehlenden Interpunktion lässt sich abschließend gar nicht sagen...ob dir dieser Text wirklich gelungen ist - viel wahrscheinlicher lässt sich das ausschließen.

    Beispiel V1

    Auf Arbeit schweigt ihr rotbemalter Mund
    Im Glitzern dicht am stummen Monitor
    Bewegung fremder Körper streift das Ohr
    Berührungslos bis irgendwann die Stund
    das kann man ganz unterschiedlich lesen- aber egal auf welche Art...es bleibt immer ein Nachgeschmack

    So ist es richtig, dass man bezüglich des Metrums nicht meckern kann...aber leider auf Kosten der Inhalte. Das perfekte Metrum, sofern es denn perfekt ist, ist etwas für Mathematiker - aber nur bedingt auch was für Lyriker...

    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  4. #4
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    Moin AndereDimension,

    lustig, wie unterschiedlich solche Handkniffe wirken.
    Ich fand das Auslassen von Satzzeichen und bestimmten Wörtern hier nur allzu passend,
    wenn wir den Inhalt dazuholen.

    Üblicherweise würde ich mich darüber auch eher ärgern,
    aber wenn es schon um den Internet-Chat geht, in dem genau das ja keine unübliche Erscheinung ist,
    ist das sehr konsequent und eigentlich ein sehr geschickter Einsatz.

    Dementsprechend gibt der Inhalt hier für mich auch kein Stück an das metrische Korsett ab, das perfekt, sprich lupenrein ist.
    Das muss dir nicht gefallen aber ich finde es schön.
    Mathematiker bin ich nicht und ich bin mir sicher, dass die vielen kreativen Köpfe, die sich die unendliche Vielzahl an Strophen- und Gedichtformen ausgedacht haben, das auch nicht waren.
    Formale Korrektheit hat für mich nichts mit Mathematik zu tun.
    Die Schönheit muss ja nicht immer fehlerhaft und wild sein.
    Sie steckt auch im Lupenreinen^^
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  5. #5
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    Hallo Anti Chris,

    ich will Dir gar nicht widersprechen-und fände es schrecklich, wenn wir alle jeden Text gleich empfinden würden. Vielleicht hatte ich meine Gedanken zum Text auch etwas unglücklich formuliert. Wenn ich sage Idee und Bilder find ich gut, dann hat mir die Geschichte schon mal ganz gut gefallen. Also mein subjektiver Eindruck ist ein guter - ob das auch ein nach objektiven Kriterien guter Text ist, das kann ich hier nicht wirklich beurteilen...da ein Schleier (der fehlenden Interpunktion) über dem Gedicht liegt. Je nachdem wie Aron seinen Text verstanden/gelesen haben möchte...kann das auf die eine oder auf die andere Seite kippen. Dass Aron das genau so beabsichtigte, das glaube ich nicht.

    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

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