1. #1
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    unbekannt verzogen

    er mochte es nicht das späte sonnenlicht denn es
    leitet den untergang des tages ein lieber hielt er
    sich in der mit kühlen blau beleuchteten küche auf

    zu vorgerückter stunde brachte er den brief zur post
    es machte ihm nichts aus in der schlange zu stehen
    dann wartete er tag für tag am bahnsteig dass sie

    aus dem dunstschleier der lokomotive in sein leben
    treten würde doch der brief kam unzustellbar zurück
    und wieder machte sich die nachmittagssonne breit

  2. #2
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    Lieber Perry,


    ich mag dieses Gedicht sehr. Es ist so nüchtern...und man merkt deutlich wie du meherer Verse in eine Zeile gepresst hast. Unterdrückte Enjambements sozusagen.

    Sie geben den Zeilen den Anklang von Nüchternheit und Ruhe, obwohl zugleich Rhythmus auch innversisch sich Bahn brechen will. Eine schöne Technik, um unaufgeregte Spannung zu erzeugen.

    Alles in allem, Understatement und Könnerschaft. Beides erzählt vorm traurigen und gleichförmigen Hamsterradleben eines ewigen Junggesellen. Applaus, lieber Perry.


    einzige Anmerkung:

    Müsste es nicht "sich in der mit kühlem blau beleuchteten küche auf" heißen?




    Chris
    "das copyright auf eure beiden häuser!"

  3. #3
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    und wieder das kalte küchenlicht.
    arbeiterromantik der vorkriegszeit.
    als gegensatz das drückende sonnenlicht eines schönen herbsttages.
    passt.
    kp

  4. #4
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    6
    Hallo Perry,

    dein Gedicht weckt in mir ein Gefühl wie beim Betrachten von night hawk, das bekannte Bild von Edward Hopper.

    LG
    Carlos

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