Thema: VOM ENDE

  1. #1
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    VOM ENDE

    Fahle Winterhaut
    den sonnenstrahlen-
    bewährten Blicken verborgen
    nur für Tasten von
    ihm und ihr sichtbar.

    Eingerollt in
    Möglichkeiten, die
    verloren, erfüllt von
    zu viel Zeit
    verblassen vor
    halbgaren Gemälden.

    Leere füllt
    das Nichts ganz aus
    gegangen ist er
    der niemals sprach: „hier“
    zu Schemen
    entfaltet vor Zeiten.

    Versagt, willkommen
    die Weite, dass sie
    Werden stillt und
    sein lässt, was
    nie gewesen –
    Atemenge.

    Gegangen der
    flüchtige Hauch
    von Mehr
    als hätte nie-jemand
    die Worte
    gehört, gestört.

    Die Worte, die
    um sich kreisen,
    gefangene Ewigkeiten
    gestohlen, verbrannt im
    Nebel, der
    heranbricht vom Ende.

  2. #2
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    Hallo Nichts-Gesicht

    Willkommen im Forum. Ich bin noch nicht über die erste Strophe hinausgekommen, bitte erklär mir, was soll das heißen:

    Fahle Winterhaut
    den sonnenstrahlen-
    bewährten Blicken verborgen
    nur für Tasten von
    ihm und ihr sichtbar.


    "Bewährten Blicken" von wem? Sind er und sie Klaviere, deren Tasten Sehkraft besitzen?

    Lieben Gruß
    albaa

  3. #3
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    Liebes Nichts- Gesicht, liebe albaa,

    Die Tasten hatte ich als Tastatur gelesen, zwei, die sich in ihr dunkles Kämmerlein ( fahle Winterhaut ) zu einem diskreten und privaten Chat / e mail Austausch etc. zurückgezogen haben. L.G.A.

  4. #4
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    Ja, da könnte vielleicht die Tastatur gemeint sein/sogar mit dem Doppelsinn von "er-tasten".

    Übrigens: Es könnte auch "sonnenstrahlenbewehrt" gemeint sein (?)

    Bring uns bitte auf Kurs Nichts-Gesicht.

    LG
    albaa

  5. #5
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    Hallo albaa, hallo Anjulaenga,

    ich bin mir selbst nicht sicher, ob es hier einen Kurs gibt, der verfolgt werden muss. Ich finde eure Gedanken an Klaviere und Tastaturen sehr treffend, auf je eigene Weise. Er-tasten ebenfalls ... sie-tasten auch.
    Das sonnenstrahlen-bewährt war so intendiert.

    Ich kann versuchen zu erklären, was ich versucht habe zu beschreiben.

    Fahle Winterhaut
    den sonnenstrahlen-
    bewährten Blicken verborgen
    nur für Tasten von
    ihm und ihr sichtbar.


    Fahle Winterhaut. Was ist fahle Haut? Haut die nicht an die Sonne kommt. Winter. Verborgen, unter Kleidung, hinter Wänden ... auf jeden Fall nicht sichtbar für Sonnenstrahlen. Wenn wir zu lange in die Sonne schauen, werden wir geblendet. Nehmen Dunkelheit, Fahlheit anders war. Alles erscheint uns farblos, wenn wir nach einem sonnigen Nachmittag auf einer Wiese das Licht schwinden sehen. Farbloser, als der Eindruck den wir hätten, hätten wir den Tag drinnen verbracht. Blicke, Augen, die der Sonne ausgesetzt, durch/von/wegen ihren Strahlen bewährt sind, geschult sind, scharfe Kontraste zu erkennen, sich ohne Schmerzen in ihnen zu bewegen, sie als natürlich wahrzunehmen, schwarz-weiß, nehmen die Nuancen von Schattierungen oft nicht mehr wahr. "Fahles" ist ihnen verborgen. Winterhaut ist ihnen verborgen, sie suchen und sehen das Verborgene nicht. Dunkel ist ordentlich dunkel und hell ist ordentlich hell. Keine Grauzone. Alles in Ordnung.

    Offensichtlich ist es aber möglich, sowohl fahle Winterhaut als auch sonnenstrahlenbewährte Blicke im selben Atemzug zu identifizieren, zu nennen, zusammen mit der Unmöglichkeit des letzteren, das erste zu erschließen. Nicht sonnenstrahlenbewährte Blicke könnten wohl kaum Eigenschaften dieser identifizieren. Also müssen sie zum Seinshorizont, zur "Wirklichkeit" desjenigen gehören, der hier spricht, demnach doch kein Hinderungsgrund sein, fahle Winterhaut wahrzunehmen. Aber den sonnenstrahlenbewährten Blicken ist sie verborgen, daran besteht kein Zweifel. Also ist sie nicht sichtbar, verborgen, aber wahrnehmbar.

    Wenn sie nicht durch diese Blicke wahrgenommen werden kann, wodurch dann? Was erschließt nun die fahle Winterhaut? Tasten. Tasten von ihm und ihr. Mhm. Tasten? Ja, wer oder was hat denn Tasten, Menschen wohl nicht, also ... Klaviere? Ich habe an der Stelle zuerst an das Englische keys gedacht, was ja dieses wunderbare Teekesselchen von Klaviertasten und Schlüsseln ist. Im Deutschen haben wir hier dafür die Tasten (Klavier), die Tasten (Tastatur), das Tasten (Sinn).
    Ich muss sagen, dass ich hier die Klaviertasten (Aktivität) und das Tasten (Rezeptivität) im Sinn hatte, aber die Tastatur finde ich auch faszinierend, besonders im Zusammenspiel mit dem dunklen Kämmerlein (Winterhaut) und der irgendwie geheimen Kommunikation, Erschließung. Gerade weil in dieser Deutung auch der Verborgenheitsaspekt wunderbar mit klingt! Dass eine durch Tasten und Schrift bestimmte, diktierte Kommunikation Eigenartiges zu Tage bringt und ihren ganz eigenen Reiz hat, der face-to-face Tageslichtkommunikation abgeht, können wir hier wohl nachvollziehen.

    Wenn wir nun fahle Winterhaut, so wie eben oben versucht, als Chiffre für Verborgenes, nicht ans Tageslicht Kommendes nehmen und herausgefunden haben, dass sie für Tasten wahrnehmbar ist, haben wir hiermit die andere Art der Wahrnehmung identifiziert. Wir spielen hier auf anderen Registern, anderen Tasten, tasten, anstatt zu sehen. Schwarz-weiße Tasten, anstatt schwarz-weiße Blicke, schwarz-weiß Gesehenes. Wir ertasten das Fahle. Haut kann man ertasten. Verborgenes erspürt man eher, als dass man es sieht, sähe man es (schon?) wäre es nicht mehr Verborgenes. Zerrt man Winterhaut an's Tageslicht, bleibt sie nicht mehr lange fahl, nicht mehr verborgen, nicht mehr nur für Tasten sichtbar. Für Tasten sichtbar? Warum denn nun schon wieder sichtbar, Blicke waren es doch nicht?

    Lehrt das Tasten anders blicken? Andere Blicke, als sonnenstrahlenbewährte? Fahl ist ja nunmal eine Eigenschaft von Farbe. Farbe zu ertasten ist schwierig und Menschen nicht ohne Weiteres möglich. Also sehen wir doch. Tasten/d sehen. Für Tasten ist sie sichtbar. Sehen wir hier, als sähen wir nicht? Tasten wir, als tasteten wir nicht? Tasten wir, als sähen wir? Was ist nun mit diesen/diesem Tasten?

    Es geht hier nicht um irgendwelche/s Feld-, Wald- und Wiesentasten, sonder um Tasten von ihm und ihr. Tasten von ihm und ihr.
    Was sichtbar ist, für Tasten von ihm und ihr, ist Haut. Haut gehört durchschnittlicherweise zu jemandem. Fahle Winterhaut. Es ist nicht einfach nur Haut, unter experimentellen Bedingungen erzeugte Haut in einer Petrischale, nein, wir betrachten Haut, die zu jemandem gehört. Die Elementen ausgesetzt gewesen ist, sein könnte, oder eben nicht. Fahle Haut. Haut mit Eigenschaften. Haut mit Träger. Haut die angefasst, abgetastet wird, ohne Handschuhe. Es geht nicht um die erzeugten Zellen, es geht um ihr Gewordensein zur Verborgenen, ihren Träger. Jemands-Haut, nicht Niemands-Haut.

    Wessen Haut? Ihre Haut? Seine Haut? Irgendeine andere Haut? Ihre Tasten, sein Tasten? Seine Tasten, ihr Tasten? Das muss wohl unbeantwortet bleiben. Tasten von ihm und ihr. Von. Tasten die/das ihm und ihr zu eigen ist. Possessiv. Zu ihnen gehört, sie sind nicht diese/s Tasten, es ist von ihnen. Von ihnen her, von ihnen ausgehend vielleicht. Von ihm und ihr.
    Wer sind er und sie, hattest du gefragt. Vielleicht sind sie für mich ein vergangenes wir, ein vergangenes wer. (Dass hier "ihm und ihr" steht, ist tatsächlich völlig kontingent und biographischen Umständen meinerseits geschuldet, man möge hier beim Lesen einsetzen, was passt, solange es Personalpronomina im Dativ sind.) Wer ich war, wer der Andere war. Vielleicht werden sie du und ich/ich und du sein. Dass da kein ich und du/du und ich steht, ist notwendig. In dem Moment, in dem sie ein Ich und ein Du sind, sind sie nicht er und sie. Der Moment ist hier vorbei, es wird vom Ende her geschrieben. In dem Gedicht wird geschrieben, geredet, gelesen, nicht getastet, genau wie jetzt, hier. Du und ich, wir tasten gerade nicht.

    So. Jetzt haben wir - meine ich - so ziemlich jedes Wort der Strophe bedacht. Nur eins fehlt noch. Nur.

    Fahle Winterhaut
    den sonnenstrahlen-
    bewährten Blicken verborgen
    nur für Tasten von
    ihm und ihr sichtbar.


    Worum geht es eigentlich?

    Eigentlich geht es um dieses nur. Es geht um diesen Moment. Um diesen konkreten Zusammenstoß, Aufprall, diese Begegnung, das Nur. Nur das. Nur für diese/s Tasten ist die fahle Winterhaut sichtbar. Nur da, wo sie "er und sie" sind. Wo sie genau diese sind. Nur in diesem Moment. Nur da ist dieses sichtbar.
    Das haben Verborgenheiten so an sich. Die wirklichen Verborgenheiten, dort wo die Haut fahl ist, nicht im Licht ist, fahl sein gelassen wird, den sonnenstrahlenbewährten Blicken verborgen, wirklich verborgen ist und sie dennoch für Tasten von ihm und ihr sichtbar ist, dort ist sie einzigartig sichtbar. Tasten von ihm und ihr ist Konkretheit. Wenn etwas Verborgenes so tastbar, sichtbar nur für Tasten ist, da ist es immer nur dieses eine und jedes Mal, wenn sich andere/s Tasten von jemandem nach deiner/meiner/einer fahlen Winterhaut ausstreckt, entsteht ein anderes Sichtbares, nur für diese/s Tasten von ...

    Dieses Sichtbare, was nur dort entsteht, das ist so viel "unseres", "deines", "meines" wie das, mit dem wir es wahrnehmen, für das es sichtbar wird. Tasten eignet uns, gehört zu uns, kommt zu und von uns, aber wir sind es nicht. Genau wie der Andere. Das Andere. The Other.

    Wir haben es, als hätten wir es nicht. Genauso wie du mich und ich dich.

    Nichts-Gesicht
    Geändert von Nichts-Gesicht (04.09.2019 um 17:51 Uhr)

  6. #6
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    Wow, was für eine gefährliche Antwort, liebes Nichts- Gesicht.
    Ausgiebig, ausschweifend und redundant.
    Da traut man sich ja gar nicht mehr nachzuhaken,
    um nicht von der nächsten vom Ende her erschlagen zu werden.
    L.G.A.

  7. #7
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    Kürzer ist das Gedicht selbst. Steht ja alles da.
    Wenn es noch Fragen gibt, kann ich mich aber auch gerne kürzer fassen. Ich freue mich auch über weitere Anregungen oder Kritik!

  8. #8
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    Hallo Nichts-Gesicht!

    Boah! Was war denn das? Hat mich gerade ein Klavier erschlagen?

    Ich versuche einmal zusammenzufassen:

    Zitat Zitat von Nichts-Gesicht
    Was ist fahle Haut? Haut die nicht an die Sonne kommt.
    ...
    Verborgen, unter Kleidung, hinter Wänden.
    ...
    Aber den sonnenstrahlenbewährten Blicken ist sie verborgen ...

    Wenn wir zu lange in die Sonne schauen, werden wir geblendet.
    "Fahles" ist ihnen verborgen.

    ...

    Für Tasten sichtbar? Warum denn nun schon wieder sichtbar, Blicke waren es doch nicht?
    ...
    Tasten/d sehen.
    ...
    Wer sind er und sie, hattest du gefragt. Vielleicht sind sie für mich ein vergangenes wir, ...
    ...
    Nur für diese/s Tasten ist die fahle Winterhaut sichtbar.

    Dass da kein ich und du/du und ich steht, ist notwendig. In dem Moment, in dem sie ein Ich und ein Du sind, sind sie nicht er und sie. Der Moment ist hier vorbei, es wird vom Ende her geschrieben. In dem Gedicht wird geschrieben, geredet, gelesen, nicht getastet, genau wie jetzt, hier. Du und ich, wir tasten gerade nicht.

    Gut, das erklärt auch die Unpersönlichkeit dieser Strophe. Dieses "Ertastens". "Tasten von ihm und ihr" ist also schon im Sinne von Ertasten gemeint.

    So wie es grammatikalisch da steht, betasten "er und sie" sich aber nicht gegenseitig sondern eigentlich die Haut eines Dritten.

    Im Gegensatz zu „berühren“ bezieht sich also „tasten“ eher auf Unbelebtes oder drückt im Zusammenhang mit dem menschlichen Körper iSv „abtasten“ oder „betasten“ etwas eher Unangenehmes und Distanziertes aus oder rückt sogar in die Nähe von „begrapschen“.

    Es soll also kein gegenseitiges „Erkennen“, kein wirkliches „Berühren“ innerlich wie äußerlich zum Ausdruck bringen, wenn ich das Wesentliche deiner weitwendigen Ausführungen richtig verstanden habe?

    Aber wie auch immer: „sichtbar werden“ und „ertasten“ schließen sich gegenseitig aus oder bei (ab)tastenden Blicken wäre es doppelt gemoppelt. Ich würde auch versuchen, es weniger gestelzt zu formulieren; gilt vor allem für: "Nur für Tasten von ihm und ihr"; auch: "sonnenstrahlenbewährte", das ist ein Wortmonster das mE ein wenig entfilzt gehörte (?); und wenn du die S so lassen willst, dann gehörte mE jedenfalls ein Artikel vor "Tasten".

    Also nur so ein paar Möglichkeiten für deine Strophe:

    Zitat Zitat von Nichts-Gesicht
    Fahle Winterhaut
    den sonnenstrahlen-
    bewährten Blicken verborgen
    nur für Tasten von
    ihm und ihr sichtbar.
    Fahle Winterhaut
    Sonnen
    Bewährten/Geblendeten Blicken
    Verborgen
    Nur (von ihm und ihr)
    ertastet/bar.



    Fahle Winterhaut.
    Verborgen. Sonnen
    Geblendete Blicke
    Tasten
    (ihrer) Hände.

    -als Apokoinu

    Ich finde den Hinweis auf ein Pärchen eher überflüssig (also dieses "von ihm und ihr"/mir persönlich wäre das ja sowieso von der Formulierung her viel zu umständlich). Ich glaube da käme der Leser auch von selbst darauf; aber wenn würde ich die (ausreichend unpersönliche (?) - also für distanzierte Rückblicke/Erinnerungen gut geeignete) dritte Person Mz einbauen; ich habe oben Möglichkeiten in Klammer gesetzt.

    Auf diese Weise wie in #3 könntest du ja dann alle Strophen abklopfen, um zu erkennen, was dir wirklich wichtig ist und anschließend das Redundante oder zu Umständliche entfernen.

    Lieben Gruß
    albaa
    Geändert von albaa (05.09.2019 um 13:12 Uhr)

  9. #9
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    Hallo albaa,

    vielen Dank für deine Antwort.

    Zitat Zitat von albaa Beitrag anzeigen

    Gut, das erklärt auch die Unpersönlichkeit dieser Strophe. Dieses "Ertastens". "Tasten von ihm und ihr" ist also schon im Sinne von Ertasten gemeint.

    [...]

    „sichtbar werden“ und „ertasten“ schließen sich gegenseitig aus
    Diese Unpersönlichkeit, die du wahrnimmst interessiert mich. Entstand der Eindruck nur durch das Wort "Tasten"?

    "Tasten" ist gemeint im Sinne von das Tasten und die (Klavier)Tasten, deren Zusammenklang eine andere Wahrnehmungsform, einen anderen Sinn, wenn man so will, als "sonnenstrahlenbewährte Blicke" beschreiben soll. Hier kollidieren haptische Reize mit akustischen und werden gleichzeitig gegen optische abgegrenzt (der Ausgangspunkt der Überlegung - "Blicke") und dann aber doch wieder auf diese Reizform rückgeführt - etwas wird "sichtbar"; es steckt die Idee dahinter, dass ein Klang erzeugt werden muss, damit etwas anderes wahrgenommen werden kann, oder dass eine mechanische Einwirkung wie 'tasten' Klang erzeugt. Noch dazu steht dort "Tasten von ihm und ihr", was anklingen lässt, dass dieser Sinn, dieser Vorgang nur geteilt sein kann. Einer allein kann es nicht.
    Es geht nicht bloß um ein Ertasten/Betasten/Abtasten im Sinne von anfassen, deswegen steht dort und muss dort "Tasten" und nicht "das Tasten" stehen.

    Gerade weil 'sichtbar werden' und 'ertasten' zumindest unterschiedliche Vorgänge sind, die wir nicht miteinander identifizieren, sind sie hier nebeneinander genannt, zusammengeschlossen, verschmolzen, da angezeigt werden soll, wie es der eigentlichen Logik der Welt zuwider läuft, dass etwas tatsächlich erkannt, wahrgenommen werden kann. Genauso wie es ganz absurd ist, dass Verborgenes sichtbar ist, denn dann wäre es ja nicht mehr Verborgenes, sondern Sichtbares.

    Dass 'tasten' einen inquisitiveren Charakter hat als 'berühren' sehe ich so auch, mit ein Grund für die Wortwahl.


    Zitat Zitat von albaa Beitrag anzeigen

    Es soll also kein gegenseitiges „Erkennen“, kein wirkliches „Berühren“ innerlich wie äußerlich zum Ausdruck bringen, wenn ich das Wesentliche deiner weitwendigen Ausführungen richtig verstanden habe?
    Nein, ich denke, hier haben wir uns missverstanden. Das war nicht das, was die Ausführungen sagen wollten.

    Es geht hier darum, dass die (und zwar die eine) Situation beschrieben wird, in der Erkennen, Sichtbarkeit dessen, was am/im Anderen verborgen ist überhaupt möglich sein kann. Es ist eine Beschreibung der einzigen Art und Weise wie das Verborgene des/am Anderen sichtbar werden kann - sichtbar nur in dieser konkreten Begegnung, die sich auf diese konkrete Art und Weise vollzieht.
    Es gibt kein gegenseitiges Berühren/Erkennen das tiefer ist als dieses. Es ist mir wichtig, dass das deutlich wird.


    Zitat Zitat von albaa Beitrag anzeigen

    Ich finde den Hinweis auf ein Pärchen eher überflüssig (also dieses "von ihm und ihr"/mir persönlich wäre das ja sowieso von der Formulierung her viel zu umständlich). Ich glaube da käme der Leser auch von selbst darauf
    Nur zur Sicherheit möchte ich hier erwähnen, dass es bei dem "er und sie" nicht zwangsläufig um ein 'Pärchen' im romantischen Sinn geht. Diese Beziehungskonstellation ist mit eingeschlossen, aber keineswegs das, worauf hier abgezielt wird. Wenn das die Absicht gewesen wäre, müsste man sich vielleicht etwas anderes einfallen lassen, denn solche Beziehungen sollen ja auch nicht nur zwischen 'ihm' und 'ihr' vorkommen können. Deswegen in der ersten Erklärung der Satz, dass man sich hier bitte je nach eigener Situation andere Personalpronomina denken möge - je nachdem, welche beiden gerade voreinander stehen. Es geht lediglich darum, dass es zwei Menschen sind. Und zwar konkrete Menschen. Nicht in der Weise konkret, dass Namen genannt werden müssten, sondern so konkret wie sie als "er und sie" in diesem Moment sind.

    Dass dort "von" steht hat einen semantischen Grund, den ich oben erklärt habe. Man kann das sicherlich auch mit einem genitivus possessivus sagen, wie du es in deinem Vorschlag getan hast, mir gefiel aber gut, dass in meiner Variante eben durch die etwas umständliche Formulierung ein wenig Aufmerksamkeit auf dieses 'Eigentumsverhältnis' gelenkt wird. Das bringt noch etwas nötige Distanz zwischen "Tasten" und "ihm und ihr".


    Nichts-Gesicht
    Geändert von Nichts-Gesicht (05.09.2019 um 23:41 Uhr)

  10. #10
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    Ein tiefsinniges Gedicht welches berührt.
    Das Leben ist hart und es ist alles nur geliehen

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