1. #1
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    Abschied vom Wald?


    Abschied vom Wald?


    Nimm niemals Abschied
    von jenem Wald, den du
    als Kind gefürchtet und geliebt,
    auch wenn es diesen nur
    im deutschen Märchen gibt.
    Du wirst um vieles ärmer,
    wenn um Mitternacht
    Elfen nicht mehr tanzen
    auf mondbeglänzter Wiese,
    wenn du mit Gretel
    nicht mehr um das Leben
    ihres Bruders bangen musst,
    wenn du Rotkäppchen leibhaftig
    vor den Augen siehst, wie es
    dem Bauch des Wolfs entkommen.

    Nimm Abschied von dem Wald
    in unseren Regionen.
    Wenn du hoch in die Kronen schaust,
    wo Notwuchs, dürres Astgezweig
    den Blick nicht lohnen,
    wirst du um Illusionen ärmer.
    Kettensägen, Vollernter, Rückzüge
    herrschen jetzt im Wald,
    fällen Bäume im Akkord, entasten,
    sägen auf Länge, legen am Wege ab.
    Auf ihrem Siegeszug durch Nadelwald
    lassen wuchtige Forstmaschinen
    Legionen von Käferwinzlingen kalt.

    Durchstreif den Wald, so lang es geht.
    Sobald dein Sinn nach Stille steht,
    besuch ihn in der Nacht, wo seine Geister
    dich wie einen Freund willkommen heißen.

  2. #2
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    Hallo Carolus,
    das gefällt mir ebenfalls. Deine Beobachtungen hast Du feinsinn&-fühlig umgesetzt, finde ich. Wer mal allein im Wald, nur in Decken gehüllt, Nächte verbracht hat, kennt dieses unbeschreibliche "WunderbareGefühl-Erlebnis", das man kaum in Worte fassen kann. "Verschlafen" darf man natürlich nicht die gesamte Zeit.
    Beste Grüße
    lautmaler
    PS. Wenn ich das an dieser Stelle und verspätet anfügen darf?!
    Leider sind "unsere Wälder in Gefahr"!
    Geändert von lautmaler (04.09.2019 um 19:33 Uhr)

  3. #3
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    Hallo Carolus,

    als Teutonen sind wir mit dem Wald eng verbunden - diese Verbindung liegt sozusagen in unseren Genen. Und was viele nicht wissen: Deutschland hat den größten Baumbestand in Europa. Einziges Manko; es gibt zu viele Monokulturen...wir benötigen mehr Mischwälder. Das Fichtensterben halte ich für weniger schlimm - gibt ohnehin viel zu viele Fichten - eine Baumart, die für Deutschland untypisch ist...bzw sein sollte. Und ich kann dich beruhigen...das Waldsterben war auch schon in den 80ern ein großes Thema. Die allgemeine..von Grünen inszenierte Hysterie...versuchen nun viele Interessensverbände für sich auszunutzen. Ich kann dir sagen, dass uns die ganze Welt um unsere Wälder beneidet. Borkenkäfer und Co. hin oder her...unsere Wälder sind nicht wirklich in Gefahr - was aber nicht heißt, dass man da nichts machen muss...denn man muss definitiv was machen, aber was da die Grünen, die Medien und so manche Lobbyisten draus machen, das geht total an der Realität vorbei. Da hilft nur eins; mal wirklich rausgehen in die Wälder...und nicht immer nur davon lesen. Denn die Friday of Future Hysteriker wissen doch gar nicht was Wald ist...den kennen sie doch höchstens aus Videospielen. Die finden weder in noch aus dem Wald. Davon abgesehen...halte ich deinen Text für gut geschrieben.

    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  4. #4
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    Als reine Liebeserklärung hätte vieles intensiviert werden können. aber der Hinweis auf Märchen ist wohl etwas zu zaghaft geraten weil gerade der Wald für mehr steht als etwas das man nur besuchen kann. So als stünde hinter jedem Baum etwas mehr von dem was wir suchen.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  5. #5
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    Hallo Lautmaler,

    dein Erlebnis im Wald kann ich gut nachempfinden. Wie oft habe ich im Wald eine Nacht - schlafend, wachend - verbracht und dieses einzigartige Gefühl empfunden, mit mir und der Natur im Reinen und ein Teil von ihr zu sein.
    Vielen Dank für deine lobenden Zeilen!

    Waldgrüße
    Carolus



    Hallo AndereDimension,

    deiner Feststellung "es gibt zu viele Monokulturen...wir benötigen mehr Mischwälder. Das Fichtensterben halte ich für weniger schlimm - gibt ohnehin viel zu viele Fichten - eine Baumart, die für Deutschland untypisch ist...bzw sein sollte."kann ich nur zustimmen. Dass der Borkenkäfer den Fichtenplantagen zusetzen wird, war zu erwarten.
    Mit Recht weist du auch auf das Waldsterben in den 80er Jahren hin. Damals waren es vor allem dien industriellen Emissionen, die den Bäumen sehr zusetzten. Jetzt aber hat sich die Situation geändert: Durch den Klimawandel und die damit verbundene Erwärmung herrscht heute Wassermangel in den Wäldern, und der trifft alle Baumarten mehr oder minder in ihrer Existenz. Noch einen trockenen, heißen Sommer - dann fehlt überall genügend Wasser. Wer genügend Phantasie hat, kann sich die verheerenden Auswirkungen für alle ausmalen.
    Danke fürs Reinschauen und Einlassen auf die Problematik.

    Freundlichen Gruß
    Carolus



    Hallo Schulz,

    dass "der Hinweis auf Märchen... wohl etwas zu zaghaft geraten" ist, meine ich nicht, " weil gerade der Wald für mehr steht als etwas das man nur besuchen kann." und gerade diesen Sachverhalt wollte ich durch den exemplarischen Hinweis auf drei bekanntesten Märchen unterstreichen. Ich denke nur an die vielfältigen Deutungen dieser Waldgeschichten.
    Einen weiteren Hinweis findest du in den letzten beiden Zeilen der letzten Strophe.

    Freundlichen Gruß
    Carolus

  6. #6
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    Darf ich höflichst nachfragen, ob du noch nicht auf der Verarbeitungsstufe angelangt bist, die dir ermöglichen würde auch mir zu antworten? Denn wenn ich sonst keine Bedenken darüber zu haben bräuchte, könnte ich wirklich aufatmen hier nicht mein Weg im tiefen Wald verloren zu haben.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  7. #7
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    Darf ich "höflichst" darauf hinweisen,
    dass ich auf Grund meiner noch immer unfertigen Persönlichkeit "noch nicht auf der Verarbeitungsstufe angelangt" bin, die mit "ermöglichen würde auch (dir) zu antworten?"

    Mit Schmunzeln
    Carolus

  8. #8
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    Hallo Carolus,

    als die ersten Europäer Amerika besiedelten, also lange vor der Industrialisierung, hatten sie innerhalb von hundert Jahren den ganzen Kontinent abgeholzt. Die Auswirkungen durch die Industrie werden seit jeher überbewertet - das größte Problem ist und bleibt die Abholzung - und da sollte mal jeder bei sich selbst zu Hause schauen, woher denn das Holz kommt, das da in der Wohnung steht...und unter welchen Bedingungen es abgebaut wurde. Die meisten Menschen machen es sich da zu einfach...lehnen sich zurück und zeigen auf Trump, auf die Industrie...usw. Nur mal ein Beispiel: wir schimpfen auf Trump, weil der aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen ist. Fakt aber ist, dass die USA zum dritten Mal (Jahr) in Folge den Co2 Ausstoß drastisch senkten...sie im Nachhaltigkeitsranking diesbezüglich auf Platz 1 stehen - ganz im Gegenteil zu Deutschland und fast allen Ländern, die das Pariserklimaabkommen unterzeichneten, sich aber sogar noch verschlechterten. Da gilt die alte Weisheit: nicht Worte zählen, sondern Taten. Und da sind oft die, auf die man schimpft...besser als jene...die man feiert.


    Zitat welt.de v. 22.3.2018

    Amerika mit weltbester Klimabilanz


    E
    inige gute Nachrichten enthält der Zwischenbericht der IEA zum globalen Klimaschutz auch. Vor allem eine Entwicklung mutet geradezu bizarr an: Ausgerechnet die USA entwickelten sich im Jahr eins unter Präsident Donald Trump zum erfolgreichsten Klimaschützer der Welt.
    Der große Klimasünder hat eine weiße Weste

    Denn nach den Zahlen der IEA stiegen die Kohlendioxid-Emissionen in den meisten großen Volkswirtschaften, darunter auch Deutschland, zwar an. Einigen wenigen Ländern jedoch gelang es, den Ausstoß des Treibhausgases gegen den Trend sogar zu senken, darunter die USA, Großbritannien, Japan und Mexiko.

    Erfolgreichster CO2-Sparer in absoluten Zahlen: die USA. Nach den Zahlen der IEA gelang es den Vereinigten Staaten, die CO2-Emissionen 2017 um 0,5 Prozent oder 25 Millionen Tonnen auf 4810 Millionen Tonnen zu reduzieren. Damit verringern die USA ihre Emissionen schon im dritten Jahr in Folge


    Ökostrom in den USA auf dem Vormarsch

    Nun allerdings zeigt sich, dass diese Schritte nichts an der Vorreiterrolle der USA geändert haben. Im Gegenteil: Frühere CO2-Sparerfolge ließen sich noch damit erklären, dass in den USA viele Kohlekraftwerke durch billiges und tendenziell sauberes Erdgas verdrängt wurden, das mithilfe der umstrittenen Fördertechnik Fracking aus der Erde geholt wurde.
    Zitat Ende
    Geändert von AndereDimension (05.09.2019 um 07:20 Uhr)
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

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