1. #1
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    Schweigsame Freundin

    Der Winter fällt Dir ins Wort
    Auf dem Dach tanzt der Regen
    Deine Freundin ist schweigsam

    Du fragst Dich, an welchem Ort
    Hat sie bloß das Leben gelernt
    Du nimmst Zwieback an Bord

    Und den Mantel, der flauscht
    Und doch sprichst du zu ihr
    (Schon Im Schauer, der rauscht)

    bleib bei mir, mein Herz,
    bleib bei mir
    Geändert von Onegin (09.10.2019 um 17:26 Uhr)
    Love´s not Time´s fool W. S.

  2. #2
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    Hallo Onegin,

    Also, das muss dir erste eine/r nachmachen, wie du da Kraut und Rüben zu einen schmackhaften Herbstsalat vermischt.
    Was haben wir da alles?:

    Einer der zuviel redet; im Gegensatz zur Freundin (zu) spät bemerkt, dass sich etwas verändert hat.
    Dann kommen die Zweifel über die eigene Urteilsfähigkeit?
    Die Bilder: Regen, das Bunkern von Zwieback "an Bord", die warme Jacke - alles andere ist Gedankliches.
    Meine Gedanken: Ja, diese einsame Reise über das Meer wird kein Honiglecken, nein! Das LI wird lange Zeit nur mit trockenem Brot und Wasser durchstehen müssen! Und die ganze Zeit sehnt es sich zurück. Gut, das Ende ist vielleicht doch etwas kitschig!?

    Gute Reise!
    albaa

  3. #3
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    Hallo albaa,


    Kraut und Rüben? Es ist Dir bestimmt nicht entgangen, dass es sich um verluderte Terzinen handelt. Aber diese Verluderung trägt vielleicht zu dem morosen Charme (?) dieses Dingsda bei.

    Kitsch? Ich habe beschlossen, dass es kein Kitsch ist. Herzenstöne sollten auch in der modernen Lyrik ihren Platz haben. Ich sehe aber Deinen Punkt.

    Beste Grüße
    Onegin


    Ps: Info für österreichische Landratten: Zwieback steht hier für Schiffszwieback. Der war wichtig in Zeiten der Seefahrt ohne Kühlschrank...
    Geändert von Onegin (05.09.2019 um 19:24 Uhr)
    Love´s not Time´s fool W. S.

  4. #4
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    Lieber Onegin,

    ich lese Dein Gedicht als melancholischen, aber zärtlichen Appell an die Freude.

    So gelesen, gefällt es mir ausgezeichnet. Ich musste an das Gedicht von H.M. Enzensberger über die Freude denken, das ungleich pessimistischer und depressiver ist und sie sher viel distanzierter betrachtet: Sie will nicht, dass ich von ihr rede... sie wird fortgehen // ein anderer wir sie verbergen auf ihrer siegreichen Flucht...

    Dein LI wappnet sich gegen den Winter und wünscht sich doch, dass die schweigsame Freundin (ein sehr ungewöhnliches Bild für die Freude - wenn sie schweigt, ist sie eigentlich fort, oder?) auch dann bei ihm bleibt.

    Das Kosewort mein Herz am Ende ist einerseits vielleicht tatsächlich etwas kitschig, transportiert aber auch Zärtlichkeit und Intimität und das scheint mir in diesem Fall ein angemessenes Verhältnis.

    Wieder einmal sehr schön! (Ich glaub, ich mach nen Fan-Club auf ).

    LG Okotadia
    Früher waren die Stühle schöne, blütenfressende Tiere. Doch sie ließen sich zu leicht zähmen...
    Zbigniew Herbert

  5. #5
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    Liebe Okotadia,

    vielen Dank für Dein so freundliches Lob. Das Gedicht ist aus dem gescheiterten Versuch entstanden, richtige Terzinen zu schreiben. Aber das Assoziationsfeld war freigelegt und so habe ich das kleine Gedicht dann recht schnell zusammenstellen können. Das LI wappnet sich für eine Reise in die Dunkelheit und hofft, dass die Gefährtin, die ja schon schweigsam genug ist, in dieses winterliche Verstummen nicht vollends hineingezogen wird. Die Freude und das Leben hängen an diesem Du. Das wäre meine eigenen Interpretation dieses Gedichts.

    Zärtlichkeit und Intimität: Ja, ich möche über diese Dinge schreiben, weil ich zum wahren Leben vorstoßen will. Unter unseren Verkarstungen und täglichen Routinen ist ja unsser wahres Leben verborgen, seine Sponanietät und Kreativität, zu der wir den Zugang manchmal völlig verloren haben.

    Das Enzensberger-Gedicht, das Du erwähnst, kenne ich gar nicht. Ich werde es mir anschauen.

    So dacht ich

    Herzlicher Gruß Onegin
    Love´s not Time´s fool W. S.

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