1. #1
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    Herbstwunsch einer Rose


    Herbstwunsch einer Rose


    Einmal noch die kühlen Perlen
    des Morgentaus
    auf meinen Blütenblättern fühlen,
    spüren, wie die Sonnenwärme
    durch alle Adern fließt.

    Einmal noch möcht` ich
    meine Blütenkrone
    in aller Pracht und Schönheit
    öffnen, weit entfalten,
    bevor ringsum die Schwestern,
    die mit mir gelebt,
    im Schattenreich erkalten.
    Geändert von Carolus (11.09.2019 um 12:53 Uhr) Grund: Änderung der Schlusszeile. Anregung von AndereDimension. Danke!

  2. #2
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    Hallo Carolus,

    schöne Idee, aus der Perspektive einer Rose zu erzählen. Aber auch die Umsetzung weiß unterm Strich zu überzeugen. Unter dem Strich...wegen dem doppelt gemoppelten stumm und still - da hätte man zB auch still und welk schreiben können...wie auch "bis" statt "bevor". Das ändert aber nichts daran, dass Dir hier ein schönes Bild gelungen ist.

    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  3. #3
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    Guten Abend, AndereDimension,

    die Rosen im Garten blühen derzeit noch einmal auf, überbieten sich geradezu in Pracht und Schönheit, als wüssten sie, welches kühler Abschied ihnen bevorsteht. Ich kann nur staunen und mich freuen.
    Herzlichen Dank für deine anerkennenden Zeilen und die beiden Anregungen zur Verbesserung, einmal "wegen dem doppelt gemoppelten stumm und still", ein anderes Mal "bis" statt "bevor". Allerdings würde sich bei letzterem Vorschlag eine Sinnänderung ergeben.

    Herbstlichen Gruß
    Carolus

  4. #4
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    Hallo Carolus,

    ich weiß was Du meinst, bin aber, was die Sinnesänderung (eine, die Du womöglich vermutest) angeht, anderer Meinung. Darüber würde ich gerne kurz mit dir reden, ohne dich über-reden zu wollen. Für mich ist das eine semantische Feinheit, bei der es sich lohnen könnte...unabhängig von deinem Text...nachzudenken:


    "bevor" schafft ein Bild der Eile...im Sinne von "noch eben schnell mal.../ist eine Ich-bezogene...eine egoistische Formulierung.

    Jemand liegt im Sterbebett und Du besuchst diesen Menschen:

    1. ich besuche ihn, bevor er stirbt.
    2. ich besuche ihn, bis er stirbt

    1. = Formalität, letzte Ehre usw...
    2. = gelebte Nähe

    ich mag mir keine Rose vorstellen, die schnell mal blüht, bevor...
    aber eine die(sich langsam, bewusst - und zur vollen Schönheit entfaltend), die sterbenden Blumen um sie herum in den Tod geleitet

    Mag nach Erbsenzähler klingen, aber es sind gerade diese Feinheiten...die nicht selten den Unterschied ausmachen

    spätsommerliche Grüße
    A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  5. #5
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    Hallo carolus,

    siehst du einen Unterschied zwischen fühlen/spüren? Für mich geht das als Sinneseindruck in dieselbe Richtung, also könnte eins -mMn- weg.

    etwa so

    die Perlen des Taus
    auf meinen Blütenblättern,
    Sonnenwärme
    in meinen Adern.

    In der Schlusszeile ist mir die Erzähllogik suspekt. Erstarrt bedeutet in dem Zusannenhang schon "erkaltet", will sagen es müsste verwelken und erkalten sein. Welk als Begriff passt aber dann nicht zum erstarren. verwelken, verdorrt erkalten wäre mir eine logische Folge.

    Es ist aber eher eine Erbsenzählerei, jammern auf hohem Niveau.

    Gruß

    mp
    ........
    whiskey's getting deeper
    and I use it like a moat
    there's a blues man in the distance
    and he's lost inside his note
    ........
    (Savatage)

  6. #6
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    Hallo Carolus,

    das ist jetzt meine Schuld, dass Du dein schönes Gedicht mit "verwelkt, erstarrt erkalten" enden lässt. Deshalb bin ich oft gar nicht glücklich, wenn jemand meinen Hinweisen auf der Stelle Taten folgen lässt. Vorschläge macht man oft aus dem Stegreif, also unmittelbar nachdem man den Text des/der anderen gelesen hat. Sind deshalb oft nur ein erster Reflex, und nicht immer bis zum Ende durchdacht.

    Wenn ich jetzt aber schon mal hier bin und das erwähne, möchte ich auch Ross und Reiter nennen:


    bevor ringsum die Schwestern,
    die mit mir gelebt,
    verwelkt, erstarrt erkalten.
    Schwestern sind Personen...die mir nah stehen...ein Teil der Familie - Menschen, die ich liebe. Ich würde wohl deshalb nicht von erstarren und erkalten reden - auch nicht von ver-welken...sondern "nur" von "welken"....

    Meine Ende (das dich jetzt nicht unter Handlungsdruck setzen soll) wäre deshalb weicher...sanfter...poetischer

    wie zB

    bis ringsum die Schwestern,
    die mit mir gelebt,
    dem Herbst
    welken


    wie gesagt, nur ein Beispiel. Das wäre für mich ein versöhnliches Ende - kein "sinnloses" Sterben...sondern ein Sterben für...

    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  7. #7
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    Guten Abend, Mimus vieler Zungen,

    ich sehe durchaus einen Unterschied zwischen "fühlen" und "spüren"

    "Fühlen" ist m.E. sinnlich wie seelisch zu verstehen. Sinnlich im Sinne von "tasten" und oft in Richtung von "Gefühl", z.B.: Wie fühlst du dich? Oder in "Tastgefühl", was beide Bedeutungen in sich vereint.

    "Spüren" kann ebenfalls körperliche wie seelische Empfindungen meinen, z. B in "Was spürst du?" Oder "Wie ein Spürhund eine Spur suchen" oder "Spürsinn". ich kann mir vorstellen, dass das Wort aus dem Bereich der Jagd kommt. "Wild aufspüren", "eine Spur suchen" u.a.m.

    Mit der Schlusszeile des Gedichts ("verwelkt, erstarrt erkalten.")bin ich nicht glücklich.
    Ich schlage vor:

    "bevor die Schwestern,
    die mit mir gelebt,
    im Schattenreich erkalten."

    Besten Gruß
    Carolus
    Geändert von Carolus (11.09.2019 um 12:04 Uhr)

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