1. #1
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    Wald an Sich( t )

    Sie sprechen vom Wald und von Blüten im Mai,
    sie sprechen vom selben und doch dran vorbei,
    weil jeder die Bäume für sich anders nutzt,
    die werden geschlagen, gepflanzt und gestutzt.

    Sie liefern die Früchte, den Schutz und auch Schatten,
    für Häuser das Holz und für Holzzäune Latten.
    Der Adler sieht Wipfel nur und seinen Horst,
    Horst sieht sich als Retter vom Hambacher Forst.

    „Der Baum ist ein Wurm und der Wurm schmeckt nicht schlecht!“
    dabei klopft er dreimal auf Holz, unser Specht.
    Das Eichhorn sieht Stämme, begreift jeden Ast,
    es fasst, und es fällt, wenn es diesen verpasst.

    Für Eulen sind Wälder am Tag wie ein Traum,
    doch Nachts ist der Wald für sie „Baumzwischenraum“.
    Der Käufer sieht Wald und je Baum eine Zahl,
    der Wald wächst stets nach, er ist Holzkapital.

    Der Holzweg gilt auch für die Führungsetage:
    ein Urwald als Platz für die Sojaplantage?
    Der Baum hat ein Fell nicht, es juckt den Holzfäller.
    Der Wandersmann duckt sich und wird immer schneller.

    Ein Sioux fühlt angepisst sich noch im Traum,
    sein Nachbar war Wolfshund und er war ein Baum.
    Verdutzt schaut, wer Wald nie mit Bäumen beachtet,
    und nur wenn der stirbt, diesen staunend betrachtet.

  2. #2
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    Hallo Anjulaenga,
    mir gefällt Dein Gedicht "Wald an Sich(t)"- bereits
    mit dem sensibel, sich breitenden Titel. Schön finde ich,
    wie Du die Tiere mit einbeziehst und ihre Abhängigkeit
    vom Wald. Wenn man bedenkt, dass eine Eiche in vier
    bis fünf Jahren, eine Kronenhöhe von max. zwei Metern erreichen kann, nach vierzig Jahren Blüten und Früchte, und
    Im Jahr gerade Mal 40 mm wächst - die Fichte dagegen 40 cm. Wenn alles stimmig ist! Ja, die kleinen, feinen Unterschiede machen immer viel aus.
    Gern gelesen!
    Beste Grüße
    lautmaler

  3. #3
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    Beziehungslosigkeit zur Natur und speziell der Wald als gefährdet ist doch immer wieder gern das Thema wenn man beim sich besser fühlen nicht zu offensichtlich das abholzen will was uns Rückzugsraum ist, wenn die Holzwege des Managements im Baumzwischenraum ein schmerzhaftes Schmunzeln verursachen.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  4. #4
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    Lieber Lautmaler,

    Wald, und jeder meint doch etwas anderes. Danke für dein Feedback, A


    Lieber Terrorist,

    sehr gut erkannt und auf den Punkt gebracht. Beziehungslosigkeit ist doch immer wieder gerne das Thema, wenn man beim Sich- besserfühlen das kommentiert, was einen mitreden lässt, quasi die Axt im Walde vor lauter Bäumen, der unser täglicher virtueller Rückzugsraum ist, ohne substanzielle oder ökologische Fußabdrücke zu hinterlassen.
    L.G.A.

  5. #5
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    Wie das Gedicht einer wäre, wenn sein Thema ihm dabei geholfen hätte undurchsichtiger zu sein als wenn man sich verirrt hätte. Da wo wir hin zu unterwegs sind ohne eben Holzfäller sein zu müssen. Was ja auch erstmal ungewöhnlich anmutet.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  6. #6
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    Zitat Zitat von Terrorist Beitrag anzeigen
    Wie das Gedicht einer wäre, wenn sein Thema ihm dabei geholfen hätte undurchsichtiger zu sein.
    als wenn man sich verirrt hätte. Da wo wir hin zu unterwegs sind ohne eben Holzfäller sein zu müssen. Was ja auch erstmal ungewöhnlich anmutet.
    Wie da einer wäre, als wenn man sich verirrt hätte im Thema, was gewöhnlich ungewöhnlich anmutet. Den Waldschrat der undurchsichtigen Worte, der eben kein Holzfäller sein muss, hatte ich beinahe übersehen. Danke für diesen bestimmt sehr wichtigen und weiterführenden Hinweis in eigener Sache, L.G.A.

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