Thema: weitermachen

  1. #1
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    weitermachen

    die jahre ziehn sich mutlos in die länge
    ein gartenzwerg, von dachziegeln getroffen
    liegt knocked out da, er hat vielleicht gesoffen
    begafft, gemieden von der Menschen Menge

    es regnet, übern toten fliessen bäche
    ich weiss nicht, soll ich lachen oder weinen
    das sprichwort sagt, die sonne werde scheinen
    am nächsten tag, egal, was heut geschehe

    komm, flieh den zwerg und schenke mir dein lachen
    da, wo heut ödnis, wächst der nächste urwald
    und wo heut wüste, grünt die grüne flur bald
    doch wer wird, wenn wir tot sind, weitermachen?

  2. #2
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    Moin kaspar praetorius,

    das ist ganz spannend. Mir gefällt das genutzte Bild.
    Beim Lesen hatte ich eine laaaange, eingefahrene Beziehung/Ehe vor Augen,
    das Aufkommen diverser Probleme und die Unfähigkeit, diese anzugehen.
    Weitermachen, weil es ja nun schon so lange lief. Dann noch in der Rubrik "Diverses" abgelegt.
    Das passt für mich.

    Metrum und Reimschema werde ich nicht ausführlich aufführen, da es teilweise ungenau umgesetzt ist (Dachziegel XXx, Bäche-geschehe).
    Das könnte den Inhalt hier vllt ganz gut unterstützen, ist dafür aber auch nicht konsequent genug umgesetzt. Ein unreiner Reim sieht eher nach Fehler als nach Absicht aus.

    Hier meine Gedanken zu den Bildern der einzelnen Strophen.

    Zitat Zitat von kaspar praetorius Beitrag anzeigen
    die jahre ziehn sich mutlos in die länge
    ein gartenzwerg, von dachziegeln getroffen
    liegt knocked out da, er hat vielleicht gesoffen
    begafft, gemieden von der Menschen Menge
    mutlos in die Länge ziehen, das ist der Beziehungstrott, den ich eben erwähnte.
    Das lyrische Ich hat aber keinen wirklichen Mut, etwas zu ändern.
    Sinnbildlich dafür der Gartenzwerg, der im Vorgarten der kleinen Doppelhaushälfte steht.
    Etwas unpassend scheint mir hier, dem k.o.-gedachziegelten Zwerg Alkoholismus nachzusagen.
    Er wurde ja wie davor bestätigt, durch die Dachziegel ausgeknocked, nicht durch Alkohol.
    Der letzte Vers bringt eine andere Dimension in diese krieselnde Beziehung.
    (Ich würde übrigens die Schreibweise "Menschenmengen" bevorzugen, die ist doch vertretener).

    Nun, der Gartenzwerg ist wohl totgeschlagen, außerdem Alkoholiker.
    Wieder sinnbildlich für das lyrische Ich, das sich aufgrund seiner Probleme in den Alkohol flüchtet.
    Da reden die Nachbarn natürlich.

    Zitat Zitat von kaspar praetorius Beitrag anzeigen
    es regnet, übern toten fliessen bäche
    ich weiss nicht, soll ich lachen oder weinen
    das sprichwort sagt, die sonne werde scheinen
    am nächsten tag, egal, was heut geschehe
    Der Zwerg weiter als Sinnbild. Die über ihn fließenden Bäche könnten ein "über sich ergehen lassen" bedeuten?
    Der Rest der Strophe stellt die Hoffnungslosigkeit da, die es, wenn man mittendrin steckt, natürlich schwer macht, an Hoffnung zu glauben.
    Für mich ist dieser einfache Gedanke mit 3 Versen aber etwas zu ausführlich behandel.
    In Vers 1 gefällt mir auch die Kürzung von "übern" gar nicht. Das bringt mir zu viel Umgangssprache in den Text, die nicht ganz passen mag.

    Zitat Zitat von kaspar praetorius Beitrag anzeigen
    komm, flieh den zwerg und schenke mir dein lachen
    da, wo heut ödnis, wächst der nächste urwald
    und wo heut wüste, grünt die grüne flur bald
    doch wer wird, wenn wir tot sind, weitermachen?
    Der Zwerg weiter als Sinnbild für das lyrische Ich.
    Unklar ist, wer angesprochen wird. Der (Ehe)Partner?
    Spricht das lyrische Ich zu sich selbst, zu seinem alten bzw. aktuellen Ich, mit all den Problemen, das und die es hinter sich lassen will?
    Nachdem du eben die Hoffnungslosigkeit verselang dargestellt hast, kommt es hier doch zunächst recht unglaubwürdig rüber, dass es dann doch so einfach sein soll. Verstärkt noch durch den mehrfachen Pleonasmus der grün grünenden Grünfläche.
    Der letzte Vers bringt wiederum die Wende und Rückkehr in die Hoffnungslosigkeit.
    Das lyrische Ich sieht es nicht, dass es in diesem Leben noch seinem Leben (haha) und seinen Problemen entkommen wird.

    Starkes Ende, zwischendrin aber mit ein paar Schwachstellen, das ein oder andere Stilmittel ist nicht ganz passend gesetzt, aber dennoch war der Text sehr schön zu lesen

    LG
    Geändert von Anti Chris. (08.09.2019 um 11:55 Uhr)
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  3. #3
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    lieber antichris
    als Schreibender soll man nicht seine eigenen Verse eklären.
    Deshalb danke ich erst mal für deine kritik
    und werde beim nächsten arbeitsanfall gerne beherzigen, was du anregst
    kp
    Kinder, jetzt gilt's ernst!
    Sie quatschen im Cybertalk
    über Cybersex.

    (StadtHaiku)

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