1. #1
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    Blutprinz | 3/4


    Blutprinz



    Schlägt nicht mein Puls für dich nach Herzenslust?
    Noch bist du fern von mir, du schönes Wesen.
    Er schlägt so laut, dass du ihn hören musst.

    Wenn erst dein Mund ganz nah vor meinem ruht,
    kann ich nicht einen Millimeter weichen.
    Gleich meinem Blut wirst du mein Herz erreichen,
    das jeden Schlag nur noch für deines tut.

    Du bist mit nichts und keinem zu vergleichen.
    Und kostest du den letzten Tropfen Blut,
    ich gäb' ihn her für dich und es wär' gut.
    Aus Mark und Adern lass die Zeit verstreichen.

    Ich lass' dich jeden Winkel in mir lesen,
    tauch' deine Finger tief in meine Brust.
    Nimm' alles mit, als wär' ich nie gewesen.



    Narrenprinz | 1/4 , Scherbenprinz | 2/4 , Blutprinz | 3/4, Sternenprinz | 4/4
    Geändert von Anti Chris. (12.09.2019 um 16:06 Uhr)

  2. #2
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    Hey, gefällt mir, auch formal mit dem Reimschema über jeweils zwei Strophen.
    Nicht ganz glücklich finde ich die Wiederholung von "lass" in zwei aufeinanderfolgenden Zeilen, da ich darin kein Stilmittel erkenne. Das erste dürfte mit verstreichen lassen gegeben sein, aber unten ginge "du darfst auch" oder "du mögest" oder was in der Art. LG gugol

  3. #3
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    Moin Gugol,

    danke für deinen Kommentar
    Freut mich, dass der Text dir gefällt.
    Hm, also das doppelte "lassen" hatte ich inhaltlich gesetzt.
    Ich möchte natürlich nicht vordiktieren, wie der Leser diesen Text zu verstehen hat, aber soviel sei gesagt:
    Mit Voranschreiten des Textes sollte das lyrische Ich immer mehr in eine Art Ohnmacht und Selbstaufgabe geraten.
    Das doppelte "lassen" sollte dafür auch rein wörtlich Ausdruck sein.
    Das lyrische Ich bestimmt nicht, es lässt mit sich machen.

    "Du darfst" wäre dabei schon zu viel Aktion, als würde das lyrische Du, das in diesem Text ja eigentlich im Fokus steht, eine Erlaubnis brauchen.
    Soviel zu meinen eigenen Gedanken dazu^^
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  4. #4
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    Hallo Anti Chris.

    dich scheint ja das Sonett regelrecht zu begeistern. Mit guten Geistern! Mir gefällt, wie tiefsinnig und zugleich stimmig du die Spieler Blut, Puls, Adern und selbstverständlich Herz im Spiel der Liebe agieren lässt. Wer, warum auch immer. sein Herz lieben gelernt hat, wird sicher dein Angebot zu schätzen wissen.

    Mich reizt noch ein zweites Detail, hier einen Kommentar zu hinterlassen. Das ist betrifft die ungewöhnliche Stellung deiner Terzette. Denn in dieser Struktur werden sie besonders betont. Nicht nur wegen der Reimstruktur, die erst nach 8 Zeilen ihre Ergänzung findet. Nein, sie erinnert mich an eine Theorie, des amerikanischen Professors Pat Pattison. Er interessiert sich für die Stabilität bzw Instabilität einer Strophenaussage.
    Und kommt dabei zu dem Schluss, dass Strophen mit ungeraden Verszahlen instabiler wirken - und damit offener!

    Ich denke seit vielen Wochen darüber nach... und meine, er könnte Recht haben. Wir nutzen den 4. Vers eines Quartettes oft dafür, eine Aussage zu unterstreichen. Dieser Platz fehlt (gottseidank) im Terzett. Und so klingt ein Terzett oft weniger in Stein gemeißelt. Menschlich. Unzuverlässiger. Das mag ich seltsamer Weise.

    Was hältst du davon?

    lg
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  5. #5
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    Moin Artname,

    ja, von Anfang an gepackt und nicht mehr losgelassen

    Freut mich, dass dir die Bilder gefallen. Ja, die schöne Liebe war das ursprüngliche Thema, das ich hier aufgreifen wollte.
    Ich wollte dann aber noch eine zweite Ebene einfügen, die diesen Bildern auch gar nicht so fern ist.

    Spannend deine bzw. Herr Pattisons Ausführungen zu den Terzetten.
    Im ursprünglichen Sonett haben sie ja die Aufgabe, das in den Quartetten dargestellte Problem aufzulösen.
    Diese Auflösung zeigt sich dann konsequenterweise auch in einem fehlenden Vers.
    Das macht das Terzett für mich nicht nötigerweise instabil.
    Dazu finde ich aber deine Gedanken zum Reimschema ganz passend.
    Dieses ist ja in den Terzetten sehr flexibel. Und Flexibiltät kann schnell zu Instabilität führen.

    Die Verschiebung der Terzette wirkt sich damit natürlich auch unmittelbar auf die Stabilität des Reimschemas aus.
    Ich freue mich daher sehr, dass du diesen Punkt ansprichst.
    Wie ich in meinem vorigen Kommentar ja schon angesprochen habe, war es mir hier wichtig, dass die Ohnmächtigkeit des lyrischen Ichs rüberkommt, auch auf formaler Ebene.

    Zur konkreten Stellugn der Terzette:
    Blutprinz ist einer von 4 zusammenhängenden Texten, wobei jeder eine andere Stellung der Strophen aufweist.
    In diesem hier sollten die Terzette eine Art Umarmung oder Griff darstellen, in dem sich die Quartette befinden.
    Diese Umarmung bzw. dieser Griff soll damit ebenfalls die inhaltliche Ebene unterstützen.

    Danke für deinen Input und den Kommentar
    LG
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