1. #1
    Registriert seit
    Nov 2014
    Ort
    Dorf im Nordschwarzwald
    Beiträge
    1.008

    Vermeintliches Ende einer Rose

    [B][/B
    ]

    Vermeintliches Ende einer Rose


    Bald versiegt mein Lebensblut.
    Nur wenig rinnt noch durch die Adern.
    Mich schmerzt, die Blätter anzuschauen,
    wie Sommergrün aus ihnen weicht,
    wie sie zerfranst und bleich sich wölben
    und auf den Boden rollen.

    Mich schmerzt zu fühlen,
    wie sich mein Blütenkleid
    in kalter Nacht entblättert
    und ich entblößt
    dem ersten Frost zum Opfer falle.
    Soll ich deswegen hadern,
    weil einmal alles ruht?
    Wie kurz auch dieses Leben war,
    es ist und bleibt mein höchstes Gut.

    Ihr, meine Freunde,
    Frühling und Sommer,
    wie hab ich euch geliebt
    eures Zaubers und der Wunder wegen!
    Bienen habt ihr in meinen Schoß gelenkt,
    Winde gewendet, mich in Träume versenkt,
    Regen erbeten, meinen Körper erfrischt.
    Ihr habt das pralle Leben mir geschenkt.
    Ist all dieses jetzt vorbei?
    Schon hör ich das Krächzen der Krähen,
    den Hungerschrei des Wanderfalken.

    Bald zieh ich mich zurück in dunkle Erde,
    ruhe, schlafe lang und tief in meinen Wurzeln.
    Ich sterbe nicht! Werd`weiterleben, erstehen
    in neuer Blütenpracht und Blätterschönheit,
    sobald die Nacht zu Ende und meine Zeit gekommen.
    Geändert von Carolus (13.09.2019 um 11:06 Uhr)

  2. #2
    Registriert seit
    Jan 2017
    Ort
    "Schäl Sick"
    Beiträge
    1.455
    Lieber Carolus,

    ein eindringliches Bild sich zurückziehenden Lebens.
    Und alles drin in dieser Parabel: Schmerz, Bedauern, Erinnerung an schöne Zeiten wie Momente, bange Gedanken an das, was kommt ... und Hoffnung.

    Ganz liebe abendliche Grüße
    Richy

  3. #3
    Registriert seit
    Nov 2014
    Ort
    Dorf im Nordschwarzwald
    Beiträge
    1.008
    Liebe Richy,

    kürzer, treffender kann man den Inhalt "dieser Parabel" nicht umreißen.
    Sehr gefreut habe ich mich über dein lobendes Urteil ("ein eindringliches Bild sich zurückziehenden Lebens."). Bei all dem Rückblick an Vergangenes und Gedanken an Kommendes ist und war mir "Hoffnung" wichtig, wie du am Schluß bemerkt hast.

    Gans liebe, herbstlich vielfarbige Grüße
    Carolus

  4. #4
    Registriert seit
    Jun 2009
    Beiträge
    2.058
    Hallo Carolus,

    nach dem Ende einer Rose nun das vermeintliche Ende einer Rose.

    Stimme ich Richmodis im Großen und Ganzen zu.

    Hier lässt Du die Poesie mehr zu Wort kommen..als das beim anderen Gedicht der Fall war. Das schafft sofort eine andere, eine dichte Atmosphäre...in der sich die Melancholie ausbreiten kann.

    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. Abschied von einer Rose
    Von Carolus im Forum Natur und Jahreszeiten
    Antworten: 6
    Letzter Beitrag: 24.10.2018, 21:32
  2. Die Metamorphose einer Rose
    Von FeinSinn im Forum Nachdenkliches und Philosophisches
    Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 24.04.2018, 19:57
  3. Beerdung einer Rose
    Von Carolus im Forum Trauer und Düsteres
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 09.05.2017, 20:46
  4. Tod einer Rose
    Von almebo im Forum Trauer und Düsteres
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 09.06.2014, 11:17
  5. Tränen einer Rose
    Von Julichen im Forum Trauer und Düsteres
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 30.05.2007, 16:39

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden