1. #1
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    Zu Limerick II - Einsicht

    Ein Neu-Verseschmied aus Ostfildern,
    der wollte in Reimen was schildern.
    Der Kritiker mointe,
    es fehle die Pointe.
    Jetzt drängt's ihn den Schaden zu mildern.
    Geändert von Utz Janik (15.09.2019 um 21:06 Uhr)

  2. #2
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    Hallo Utz,

    Die Rhythmus stimmt, aber der Witz oder Gegensatz in Z5 ist steigerungsfähig.
    Die Pointe fehlt immer noch und das ist genau die Schwierigkeit, Ausgangssituation, Übergang und Pointe in nur 5 Zeilen unterzubringen.
    In Z4 ist wohl ein Druckfehler und es sollte "fehlt" statt "fehle", sonst ist der Rhytmus von Z3 und Z4 verschieden.
    Der Reim von Z3 und Z4 wird durch den Dialekt nur optisch besser, gesprochen dagegen schlechter.
    Da wäre "meinte" besser als "mointe"

    Wenn ich einen Limmerick mach, starte ich meist mit der Ausgangssituation in Z2 und der Pointe in Z5
    dann kommt der Übergang in Z3 und Z4
    und zum Schluss Z1 mit einem passenden Ortsnamen, der das Reimen erleichtert.
    Ich habe das mal bei einem Versuch protokolliert, vielleicht hilft dir das

    Beispiel der Entstehungsgeschichte eines Limmericks:

    1. Finde Gegensatz: Teuer – billig
    2. Idee: Durch den Versuch etwas besonders billig haben zu wollen, wird es besonders teuer.
    3. Reim auf Teuer: Steuer, Feuer, neuer
    4. Neue Konzeptidee: mit ähnlichem neuem Gegensatz durch Assoziation aufgrund der Reimwörter, aber dafür einer ersten Idee für Zeile 2 und

    Jemand möchte die Steuer vermeiden und verliert dadurch sein Geld durch Feuer.

    Ein reicher …...
    vermied gern die Einkommensteuer
    ….
    ….
    jetzt brennt es im … Feuer

    5. Idee für den Übergang durch gereimte Geschichte im Rhythmus von Zeile 3 und 4:
    er versteckt im Kamin
    da kam die Janine

    6. passende Zeile 5:
    sein Schwarzgeld jetzt nahm es das Feuer.

    7. Anpassung von Gegensatz und Geschichte

    vermied gern die Einkommensteuer
    versteckt im Kamin
    das Geld, doch Janine
    enzündet ein glühendes Feuer

    8. Ausformulierung von Zeile 1
    Ein steinreicher Händler aus Neuer

    Ergebnis:

    Ein steinreicher Händler aus Neuer
    vermied gern die Einkommensteuer
    versteckt im Kamin
    das Geld, doch Janine
    enzündet ein glühendes Feuer

    Vielleicht kein besonders guter Limmerick, der da in 15 Minuten
    (inklusive Dokumentation) entstand, weil die Pointe nicht so überraschend ist
    und auch der Reim in Zeile 4 durch einen weiteren Namen erreicht wurde,
    aber die guten Ideen kommen eben nicht dann, wenn man sich gerade beim Denken zuschaut und parallel Protokoll führt.
    Jetzt könnte man beginnen weiter an der Ausführung zu feilen.

    LG MK

  3. #3
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    Hallo Martin,
    dieser "Beitrag" war ja eigentlich auch nur eine Reaktion
    auf die Kritik von Richmodis, aber auf keinen Fall böse gemeint!
    (hab ich den Namen jetzt richtig geschrieben? wenn nicht, möge sie mir das verzeihen!)
    Aber zu uns:
    Ich bin der Meinung, der Rhytmus von Z3 und Z4 ist O.K.
    Bei "fehlt" ist gegenüber "fehle" ein Takt zu wenig.
    Gut - das "mointe"- so "meinte" ich, passe besser vom Klang her.
    Ist allerdings, wie Du richtig vermutet hast, Dialekt. (schwäbisch)
    Der Versreimer ist ja auch aus Ostfildern! (bei Stuttgart)
    Die Pointe ist natürlich nicht Oskarreif. Das ist mir klar.
    Ich gelobe Besserung und nehme deshalb auch gerne Kritik an.
    Denn nur dadurch kann man lernen.
    Ich bedanke mich bei Dir und wünsch noch einen schönen Abend.
    Bis auf Weiteres.
    LG Utz
    Geändert von Utz Janik (16.09.2019 um 22:42 Uhr)

  4. #4
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    Hallo Utz,

    es gefällt mir, wie du dich mit dem Limerick auseinandergesetzt hast und finde diesen hier schon ziemlich cool. Warum? Zum einen sitzt der Rhythmus jetzt und zum anderen hat er Witz. Nicht die ganz große Kracherpointe, da hat Martin recht. Dafür ist sie selbstironisch (...den Schaden zu mildern). Außerdem gefällt mir das Reimspiel zwischen Dialekt (mointe) und bildungsferner (trifft es das?) Fremdwortnutzung (Pointe). Ich nehme an, du würdest beides "mäunte" bzw. "Päunte" lesen und finde, diese gespielte Naivität passt ausgezeichnet in einen Lim. Durch das zweisilbige "Päunte" passt natürlich auch der Rhythmus mit "fehle" (und nicht "fehlte"). In diesem Punkt gehe ich also mit Martin etwas auseinander.

    Hallo MartinKiehl,

    dafür finde ich den Einblick, den du uns in deine Lim-Bastelei gewährst nicht nur spannend, sondern auch noch sehr anschaulich erzählt. Diese Herangehensweise ergibt ganz klar Sinn, weil sie geradlinig auf die Pointe hinarbeitet und diese nicht einem Reim unterordnet. Diese "Anleitung", oder nennen wir es besser Tipps, könnte ich mir sehr gut als Beitrag in der Limerickschmiede vorstellen. Sowas fehlt da noch. Bisher geht es dort "nur" um formale Basics. Vielleicht hast du ja Lust, dort mitzuwirken.

    Meine eigene Herangehensweise ist zuletzt oft eine andere: Es turnt mich an, auf die abgefahrensten Ortsnamen Limericks zu schreiben. Ortsnamen, die mir (und den meisten) zuvor unbekannt waren. Meist sind das Orte unter 500 Einwohnern, aber mit 4 bis 6 Silben. Dann schreibe ich mir alle Reime auf, die mir zu diesem Ort einfallen und beginne die "Gegensatzsuche" (wie von dir beschrieben) erst an dieser Stelle. Mir ist schon klar, dass ich dann manchmal (oder oft?) auch eine vielleicht halbherzige Pointe in Kauf nehme, um auf den Ort zu reimen. Dafür hab ich den Reim auf diesen Ort - was mir dann halt auch Spaß macht.

    lg VC
    Das System sagt, ich will das, aber ich will das nicht.
    Peter Arbeitsloser

  5. #5
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    Hallo VC,

    nachdem ich schon an mir selber gezweifelt habe,
    machst du mir mit deiner Darstellung wieder Mut!
    Die Geschmäcker sind halt doch verschieden. ( wie der Schwabe sagt )
    Aber grundsätzlich hat der Martin natürlich schon irgendwo recht.
    Auch seine Ausführung ist überaus interressant und lehrreich.
    Die werde ich mir zu Herzen nehmen.
    Mit Limericks fange ich ja erst an. Deshalb bin ich für seine, wie auch für
    deine Ausführung überaus dankbar.
    Ich denke, ich werde mich erst mal wieder mehr meinen Gedichten widmen.
    Ich habe da noch einige auf Lager die ich lediglich etwas überarbeiten muss
    und dann doch rüberbringe.
    Aber die Limericks möchte ich auf keinen Fall abschreiben.
    Das gefällt mir einfach.
    Und deshalb danke ich euch beiden für die, zwar leicht konträren, aber für mich
    vielleicht gerade deshalb, recht einschneidenden Beiträge.
    Nochmals danke und viele Grüße aus Ostfildern
    Utz

  6. #6
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    Hallo Utz, Du "Neu- Limericker"

    lass Dich bloß nicht verunsichern,
    wenn Du Dir die Gedichte von Wilhelm Busch ansiehst: Da stimmt vieles nicht (vor allem der Rhythmus).
    Noch schlimmer ist Goethe: Da stimmt mitunter gar nichts (noch nicht mal der Reim).

    Trotzdem sind beide Dichter großartig:
    Warum?
    Weil die äußere Form eines Gedichts zwar wichtig ist, aber nicht entscheidend.

    Für mich zählt auch immer die Lebendigkeit und der Witz (und da ist "mointe" schon recht komisch...).

    VC ist übrigens der (heimliche) Limerick-Meister der Forums. Wenn der sagt: Es ist gut, dann IST es gut

    Viele Grüße und weiterhin viel Spaß im Forum,
    Georg

    PS: Bei den "Forumspielen" gibt es auch immer nette Themenkomplexe, bei denen man sich mit spontanen Limericks einbringen kann.
    Bei AMAZON + Infoverlag erhältlich:
    KAISER BARBAROSSA RIEF AUF EINMAL "HOSSA"
    Heitere Historische Heldenepen (Georg C. Peter/ Infoverlag)

  7. #7
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    Hallo Georg,
    ich habe anfangs in meiner Vorstellung geschrieben,
    daß vor vielen Jahren der Wilhelm Busch und der Heinz Erhard
    meine Vorbilder waren.
    Wenn man sich andere Gedichte von mir anschaut,
    dann kann man teilweise diese "Schule" durchaus spüren.
    Das nur zur Info.

    Ich danke Dir für Deine aufmunternden Worte.
    Viele Grüße
    Utz

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