Thema: Fast ein Meer

  1. #1
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    Fast ein Meer

    Wir stehen am Ufer,
    der Inn ist ein Meer.
    Wir beide zusammen,
    so lange schon her.

    Wir blicken aufs Wasser,
    ein Meer ist der Inn.
    Es funkelt und leuchtet,
    wir sehen Sterne darin.

    Auf meinen Lippen,
    bebt noch dein Kuss.
    Doch der Inn ist kein Meer,
    er ist nur ein Fluss.

  2. #2
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    Bewusstseinsverschiebung willst du wohl andeuten und aus dem Inn etwas machen dass den Moment besser mit der Umgebung synchronisiert hätte. Denn die Leidenschaft kommt eben in solchen Wellen wie nur das Meer es uns reinfunkelt und durchleuchtet.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  3. #3
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    Ja, genau. Schön gesagt!

    Danke fürs Reinschauen und Kommentieren!

    Lg Leana

  4. #4
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    2.166
    Hallo Leana,

    ein schöner kleiner Ausblick!

    Du erlaubst

    Wir stehen am Ufer,
    der Inn ist ein Meer.
    Wir beide zusammen,
    so lange schon her.
    Wir stehen am Ufer,
    der Inn ist ein Meer.
    Wir beide zusammen,
    ist lange schon her.

    Wir blicken aufs Wasser,
    ein Meer ist der Inn.
    Es funkelt und leuchtet,
    wir sehen Sterne darin.
    Wir blicken aufs Wasser,
    ein Meer ist der Inn.
    Es funkelt und leuchtet,
    sehn Sterne darin.

    Auf meinen Lippen,
    bebt noch dein Kuss.
    Doch der Inn ist kein Meer,
    er ist nur ein Fluss.
    Auf rissigen Lippen
    lebt ewig dein Kuss.
    Der Inn ist kein Meer,
    war immer ein Fluss.

    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  5. #5
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    Hallo A.D.,

    vielen Dank fürs Reinschauen und Kommentieren!

    Deine Version der ersten Strophe gefällt mir sehr gut. In der zweiten Strophe hatte ich ursprünglich auch mal "sehn" (ich glaube aus Gründen der Betonung), allerdings in der Version: "wir sehn Sterne darin", habe mich aber dann für "sehen" entschieden, einfach weil das geschrieben schöner aussieht. Daher würde mich interessieren, warum du "sehn" ohne "wir" vorziehst?

    In der dritten Strophe gefallen mir die ersten 2 Zeilen der Ursprungsversion besser, weil "meine Lippen" einen direkten Bezug zum LI herstellt, der sonst nicht gegeben ist, "bebt" finde ich irrwitzigerweise lebendiger und anschaulicher als "lebt".

    Die letzte Zeile deiner Version "war immer ein Fluss" gefällt mir wieder richtig gut. - Ob ich's ändern werde, weiß ich noch nicht, denn ich finde es in anderen Threads oft schwierig, wenn man Kommentare liest, die sich auf die Ursprungsversion beziehen, die aber nicht mehr vorhanden ist ...

    Liebe Grüße
    Leana

  6. #6
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    Hallo Leana,

    vorweg: ich erwarte nicht, dass Du meine Vorschläge übernimmst. Sie sind dafür da, dass Du über den ein oder anderen Satz nochmal nachdenkst. Das hast Du getan - eine Grundvoraussetzung....will man sich entwickeln.

    Du hast eine Frage gestellt:

    Daher würde mich interessieren, warum du "sehn" ohne "wir" vorziehst?
    Wir blicken aufs Wasser, 6
    ein Meer ist der Inn. 5
    Es funkelt und leuchtet,6
    wir sehen Sterne darin.
    7

    ist die zeilenbezogene Anzahl an Silben

    Wir blicken aufs Wasser, 6
    ein Meer ist der Inn. 5
    Es funkelt und leuchtet, 6
    sehn Sterne darin 5


    ohne "wir" stimmt jetzt der Rhythmus.

    Das heißt aber nicht, dass die Silben (der Paarzeilen) immer im Gleichgewicht sein müssen...so hat zB "beruhigt" drei Silben, wird aber, je nach Sprachraum, zweisilbig gelesen.

    aber auch unabhängig davon ist "sehn Sterne darin" das wirkungsvollere Strophenende...da die Stimme (lese dir deinen Text mal laut vor) leise ausklingt...während Du beim "Wir" nicht umhin kommst es zu betonen. Durch die Betonung verliert sich die Melancholie.

    Silben zählen alleine macht noch kein rundes Gedicht, aber es ist eine gute Fingerübung um die Kontrolle zu erlangen...oder um sie zu behalten.

    Zu den Lippen: das war ein beliebiges Beispiel - und auch hier geht es vor allem um den Rhythmus.

    Auf meinen Lippen, 5
    bebt noch dein Kuss. 4
    Doch der Inn ist kein Meer, 6
    er ist nur ein Fluss.
    5

    Auf rissigen Lippen 6
    lebt ewig dein Kuss. 5
    Der Inn ist kein Meer, 5
    war immer ein Fluss. 5

    Du siehst, auch bei mir sind die Silben in einem Ungleichgewicht...und dennoch liest es sich flüssig - das hat vor allem damit zu tun:

    Auf meinen Lippen,
    bebt noch dein Kuss.
    Auf rissigen Lippen
    lebt ewig dein Kuss.
    obwohl "meinen" nur zwei Silben hat und "rissigen" derer drei...lässt sich ein auf auf folgenden rissigen flüssiger lesen. Hat was silbenbetonungen zu tun, mit Hebungen und Senkungen...da findest Du hier bei gedichte.com verschiedene Diskussionen...die dieses Thema behandeln. Einfach bei den Moderatoren nachfragen, die schicken Dir die Links dazu.

    Ums zu versvollständigen: bei mir nimmt die zweite Zeile " lebt ewig...." das Tempo auf...während Du dich mit " bebt noch" selbst ausbremst. Du fängst sozusagen schon langsam an...und verlierst weiter an Tempo.

    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

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