Thema: Zuverlässig

  1. #1
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    Zuverlässig

    Zuverlässig

    Funktioniere zuverlässig,
    bin unkompliziert und nie gehässig,
    steuer´ mein Dasein wie es jedem paßt,
    bin stets beliebt und nie gehaßt!

    Ticke mit urwerksgleicher Genauigkeit,
    gespieltes Glück verbirgt tiefe Traurigkeit,
    bewege mich mit dem Strom der Zeit,
    funktionstüchtig, stets immer bereit!

    Werd` nur auf die Mechanik reduziert,
    gekonnt gewartet, daß sie stets funktioniert,
    am Laufen gehalten mit Silber und Gold,
    damit meine Mechanik nur weiter so rollt!

    Laufe stets im Rad des Lebens,
    Funktionsstörungen sind bei mir vergebens,
    präzise, fundiert und nie defekt,
    eine Eigenschaft, die Aufmerksamkeit erweckt!

    Doch ist verborgen mein Verschleiß,
    wovon zum Glück niemand was weiß,
    es bröckelt und nagt ganz leis´ der Rost,
    hervorgerufen durch meiner Seele Frost.

    Glanzlos und matt schon meine Farbe,
    zu tief der Seele quälende Narbe,
    so stehe ich irgendwann doch still,
    auch wenn´s jetzt noch keiner sehen will!

    Copyright by KN
    (alle Rechte bei mir)
    KN 24/12/2009




    (ein schon etwas älteres Werk - wollte es mal in die Runde werfen)
    Blätter fallen - Menschen auch...

  2. #2
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    Zitat Zitat von Saalenixe Beitrag anzeigen
    Zuverlässig

    Funktioniere zuverlässig,
    bin unkompliziert und nie gehässig,
    steuer´ mein Dasein wie es jedem paßt,
    bin stets beliebt und nie gehaßt!

    Ticke mit urwerksgleicher Genauigkeit,
    gespieltes Glück verbirgt tiefe Traurigkeit,
    bewege mich mit dem Strom der Zeit,
    funktionstüchtig, stets immer bereit!

    Werd` nur auf die Mechanik reduziert,
    gekonnt gewartet, daß sie stets funktioniert,
    am Laufen gehalten mit Silber und Gold,
    damit meine Mechanik nur weiter so rollt!

    Laufe stets im Rad des Lebens,
    Funktionsstörungen sind bei mir vergebens,
    präzise, fundiert und nie defekt,
    eine Eigenschaft, die Aufmerksamkeit erweckt!

    Doch ist verborgen mein Verschleiß,
    wovon zum Glück niemand was weiß,
    es bröckelt und nagt ganz leis´ der Rost,
    hervorgerufen durch meiner Seele Frost.

    Glanzlos und matt schon meine Farbe,
    zu tief der Seele quälende Narbe,
    so stehe ich irgendwann doch still,
    auch wenn´s jetzt noch keiner sehen will!

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    (ein schon etwas älteres Werk - wollte es mal in die Runde werfen)
    @Saalenixe


    Grüße.


    Du gehörst zu denen die viel in sich hineinfressen. (Wenn du von dir sprichst) Gutmütigkeit wird erkannt, aber seltenst geehrt, eher ausgenutzt. Woher kenne ich das nur??

    ok, das solls sein. Die Metrik ist uneinheitlich, die Reime ok.

    tschüss.

  3. #3
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    Hallo Saalenixe,

    ich habe mir dein Gedicht rausgepickt, weil es mMn viel Schönes beinhaltet. Die Kernaussage spricht mich sehr an.
    horstgrosse2 hat bereits darauf geantwortet. Das möchte ich ein bisschen weiter ausführen.

    Zuverlässig --> Funktionsfähig (die Aussage steckt viel mehr in deinem Gedicht)
    8 Funktioniere zuverlässig,
    10 bin unkompliziert und nie gehässig,
    10 steuer´ mein Dasein wie es jedem paßt, --> ..., dass (das Resultat ist entscheidend)
    8 bin stets beliebt und nie gehaßt! --> wenn du immer beliebt bist, bist du nie gehasst; unnötige Dopplung
    - Lyrich passt sich an die Umwelt an

    11 Ticke mit u(h)rwerksgleicher Genauigkeit, --> wenn du nicht gerade den Hersteller meinst, dann mit "h"
    11 gespieltes Glück verbirgt tiefe Traurigkeit,
    9 bewege mich mit dem Strom der Zeit,
    9 funktionstüchtig, stets immer bereit! --> stets = immer; geht so nicht
    - untermauert Eindrücke aus S1
    - V2+3 sehr schöne(s) Bild/Analogie

    10 Werd` nur auf die Mechanik reduziert, --> auf die inneren Werte?
    11 gekonnt gewartet, daß sie stets funktioniert,
    11 am Laufen gehalten mit Silber und Gold,
    12 damit meine Mechanik nur weiter so rollt! = damit meine Mechanik "funktioniert" = V2; unnötige Dopplung
    - dem Lyrich wird geholfen/die Mechanik wird "gewartet" (zum Eigennutz der anderen) --> Lyrich soll funktionieren

    8 Laufe stets im Rad des Lebens,
    11 Funktionsstörungen sind bei mir vergebens,
    9 präzise, fundiert und nie defekt, --> begründet?; V2 = nie defekt; unnötige Dopplung
    12 eine Eigenschaft, die Aufmerksamkeit erweckt! --> eine? welche der drei zuvor erwähnten?
    - Lyrich funktioniert

    8 Doch ist verborgen mein Verschleiß,
    7 wovon zum Glück niemand was weiß, --> wieso zum Glück?; ist doch gut, wenn es jemand weiß; zumal in S3 steht "gekonnt gewartet, daß sie stets funktioniert," dabei sollte das auffallen
    9 es bröckelt und nagt ganz leis´ der Rost,
    11 hervorgerufen durch meiner Seele Frost.
    - Lyrich verschleißt innerlich trotz der gekonnten Wartungen
    - "Seele Frost" meint vermutlich das Resultat aus dem ganzen Anpassen und "Funktionieren-Müssen"

    9 Glanzlos und matt schon meine Farbe, --> Wechsel zur Äußerlicheit, was nicht verborgen ist und jeder sieht
    10 zu tief der Seele quälende Narbe,
    9 so stehe ich irgendwann doch still,
    9 auch wenn´s jetzt noch keiner sehen will!
    - Lyrich erkennt eigene missliche Lage
    - andere verschließen willentlich die Augen vor Versagen

    Hauptaussage:
    Du musst funktionieren! Schäden werden willentlich übersehen und hingenommen. Letztendlich geht die Funktionalität doch verloren. (Andere funktionieren an deiner Stelle [weiter bis sie zerfallen].)
    --> Diese Hauptaussage ziehe ich für mich raus. Und die finde ich in Hinblick auf die Gesellschaft sehr passend.

    Die Anologie zur Uhr scheint mir dazu ebenso zu passen. Es erlaubt (wie du gezeigt hast) viele schöne Verknüpfungen.
    Diese hast du mMn leider nicht präzise ausgearbeitet.

    1) Wechsel von der "Mechanik" (Inneres) zum Erscheinungsbild (Äußeres)
    2) "Mechanik" des Lyrich wird "gekonnt gewartet", dennoch wird der Verschleiß übersehen
    3) mehrfach inhaltliche Dopplung (wahrscheinlich dem Füllen und Reimen geschuldet?!)
    4)
    Zitat Zitat von horstgrosse2
    Die Metrik ist uneinheitlich, die Reime ok.
    Links in den Zitaten steht die Silbenanzahl der jeweiligen Verse. Einfach mal alle Füllwörter ausblenden, Dopplungen entfernen und gucken, was passiert...
    Wenn du die Dopplungen und inhaltliche Widersprüche entfernst, erhöhst du super die Dichte ein deinem Gedicht. Wenn du es auf das Nötige reduzierst, kannst du hier und da ein paar Füllwörter (besser Adjektive) einsetzen, um ein Metrum zu erzeugen und Bilder deutlicher zu gestalten.

    liebe Grüße

    k1
    meine bescheidene Meinung

  4. #4
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    Vielen Dank für die Kritik - ich bin nur ein einfacher Hobbyschreiberling und habe von Metrik und gewissen Lyrikregeln so ziemlich keine Ahnung (und verstehe daher auch einige Kritikpunkte fachlich nicht, weil mir das Fachwissen und das Studium dafür fehlen). Ich schreibe einfach so aus dem Bauch heraus, manchmal ist es gut, manchmal eher weniger gut. Bin ja schon froh drum, dass sich jemand überhaupt die Mühe macht, mein Zeugs zu lesen. Trotzdem vielen Dank nochmals....

    LG Nixe
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  5. #5
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    Zitat Zitat von Saalenixe Beitrag anzeigen
    Vielen Dank für die Kritik - ich bin nur ein einfacher Hobbyschreiberling und habe von Metrik und gewissen Lyrikregeln so ziemlich keine Ahnung

    LG Nixe
    Das hatte ich anfangs auch, null Ahnung und Dunkelheit. (jetzt leuchtet da ein kleines Lämpchen)

    Es gibt auch Gedichte die sich nicht so eng an Regeln halten. Die können sogar reimlos daher kommen.

    Aber Interesse, bzw. Neugierde müsste da schon vorhanden sein.

    tschüss

  6. #6
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    einfacher Hobbyschreiberling
    ich denke, das sind die meisten hier. Mir geht es zumindest nicht anders.
    habe von Metrik und gewissen Lyrikregeln so ziemlich keine Ahnung
    Das kommt alles mit der Zeit, wenn du Interesse hast. Ist im Grunde gar nicht so schwer, wenn man es einmal richtig verstanden hat.
    Ich schreibe einfach so aus dem Bauch heraus, manchmal ist es gut, manchmal eher weniger gut.
    Und mit nur wenigen Handgriffen kann es verbessert werden. einfach dran bleiben.


    Zwecks Metrum/Versmaß:
    Hebungen und Senkungen antragen (wo wird ein Wort betont = Hebung X, unbetont = Senkung x)
    Wenn es nicht im Gefühl ist, einfach im Duden nachschlagen. Oder online.

    Doch ist verborgen mein Verschleiß,
    wovon zum Glück niemand was weiß,
    auf die Silben reduziert:
    xxxXxxxX --> das kann einfach angepasst werden --> xXxXxXxX vierhebiger Jambus
    xXxXXxxx --> das ist schwieriger durch die natürliche Betonung;
    Theoretisch willst du im Jambus wegen des Paarreimes bleiben, um es rhythmisch klingen zu lassen.
    was hier stört, sind allerdings die beiden aufeinander folgenden betonten Silben (Glück nie-); da kommt man beim rhytmischen Lesen ins Straucheln. Man kann es zwingen, aber dann widerspricht es dem natürlichen Lesefluss.

    Doch ist verborgen mein Verschleiß, --> das ist sauber
    wovon zum Glück niemand was weiß, --> du merkst, wie das "niemand" absolut nicht geht ^^
    Probieren und wirken lassen. Am Besten laut und übertrieben nach Hebungen und Senkungen lesen.
    Solche Stellen anpassen und "glätten".

    einfaches Beispiel, dass es mit dem Metrum "passt":
    Doch ist verborgen mein Verschleiß,
    wovon zum Glücke niemand weiß,
    auf der Seite "Wortwuchs" wird mMn eine Menge einfach und anschaulich erklärt.
    Fremdverlinkung entfernt
    Den abgefahrenen Kram musst du dir aber woanders suchen.

    Auf alle Fälle viel Spaß beim Schreiben!

    lG
    k1
    Geändert von Claudi. (09.10.2019 um 17:30 Uhr) Grund: Fremdverlinkung entfernt
    meine bescheidene Meinung

  7. #7
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    Vielen Dank für die Erklärungen und die Tipps, bzw. den Link, LG Nixe
    Blätter fallen - Menschen auch...

  8. #8
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    Hallo k1, du hast den metrisch phonetischen Konflikt gut erklärt! Nur wissen wir nicht, ob die Autorin vielleicht auch die Lakonie in " wovon zum Glück niemand was weiß " reizte. Also "xX xX Xxx X". in diesem Falle könnte die Zeile auch als metrisch abweichende Schlußpointe funktionieren...

    und, liebe Saalnixe, nicht vergessen: Mit Hiphop und Poetry kommt allgemein größere metrische Toleranz in die Dichtung.
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

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