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  1. #1
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    Biographie eines Lyrikers

    Er beschloss, Lyrik aus reinstem Gold zu schmieden,
    Verse, die in sich und aus sich heraus glänzen.
    Jedoch jeder Versfuß wurde für ihn zu einem „Pferdefuß.“
    Er ritt darauf herum und schrieb anfangs nur „ Fers“ in sein Fersbuch. Er schrie es hinaus.
    Diesem Wort folgten sofort weitere Worte auf den Fersen, um sich zu ganzen Sätzen zu formieren.

    Schon wähnte er, jemand zu sein,
    der sich dem Vers verschrieben hatte,
    zum VersSchreiber berufen. Es ritt voller
    Stolz in eine Sackgasse.
    Und weil er sich dauernd verschrieb,
    blieb er zumindest ein VerSchreiber.

    Bei näherer Betrachtung war er aber nur ein „Fers“ Schreiber
    mit "F" und mit „Pferdefüßchen“ in Gänsefüßchen, ab, marsch!
    Gänsefüßchen stehen auf Pferdefüßchen auf Gänseblümchen u.s.w.
    und so etwas hielt er für wahre Poesie.
    Er meinte bloß mal laut „Vers“ sagen zu müssen,
    das müsse schon reichen für die ganz große Lyrik.

    Er spürte urplötzlich beim VerSagen, eine klassische Schaffenskrise.
    Er versagte sich vorerst die Posie, verzagte jedoch nie.
    Unbeachtet dessen verspürte er weiterhin in sich die lyrischen Feuer,
    ein Brennen für den Vers, um ihn weiter zu beengen, hat er ihn weiter verdichtet.
    So hatte er ihn schließlich dann versEngt, quasi vernichtet.

    Er hatte ihn sogar unterirdisch versenkt. Kurz hielt er an und inne
    "Heureka"! Dann hat er uns einen wahren Vers „versprochen!“,
    in die Hand. Er hatte sich diesem einen, neuen, reinen Vers versprochen
    sogar um seine Hand angehalten, denn er fühlte sich ihm verpflichtet
    und lebenslang verbunden.

    Er meinte am Ende sogar, diesen Verse heiraten zu müssen,
    ála VersEhen, wie im richtigen Fernsehen.
    Ein Bachelor, verheiratet mit seinem eigenen Liebesgedicht, wie romantisch!
    In den Folgejahren war er divers, zwei Verse, die sich reimten,
    mal verliebt, mal verheiratet.
    Dadurch kurzweilig zur Erkenntnis gelangend,
    ist er am Ende noch völlig pervers geworden.

    Er blieb beim offenen Vers, total versOffen.
    Geändert von Anjulaenga (28.10.2019 um 12:53 Uhr) Grund: Anregung durch lilisarah

  2. #2
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    hallo anjualenga,

    es hätte schlimmer kommen können, immerhin ist er nicht pervers geworden bei seinen versuchen.

    schön, wie du hier mit dem wort vers spielst.

    lg
    lilisarah

  3. #3
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    Stimmt, liebe lilisarah, den perversen Vers hatte ich völlig übersehen, werde ihn im Text aber- deine Erlaubnis stillschweigend vorausgesetzt- noch einbauen. A.
    Geändert von Anjulaenga (17.10.2019 um 15:23 Uhr)

  4. #4
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    Oh, ich fühle mich ertappt, bin dir aber nicht böse. Nein, Spass bei Seite oder nein eigentlich nicht, denn ich hatte viel Spaß beim lesen.
    silbern ist mein Haar nicht grau

  5. #5
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    aber gerne doch.

  6. #6
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    Lieber Heinz,

    danke, dass du mir nicht böse bist, und ich finde es völlig in Ordnung, dass du Spass beim Lesen gehabt hast. L.G.A.

    Liebe lilisarah,

    nochmals vielen lieben Dank! A.

  7. #7
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    Hi Tincatinca,

    Handkes Gesinnung darf ruhig mitgenommen werden, weil sie keine schlechte ist. Wer keine Kenntnis von den Ereignissen vor dem Massaker hatte, also über den Streit Miloševićs mit Karadžić bis zum völligen Bruch der Beziehungen serbischer und bosnoserbischer Führung, muss Handke für einen total Verirrten halten. Fake News wie, Handke hätte Srebrenica geleugnet tun da ihr Übriges. Mit der Schmutzkampagne gegen ihn findet verdeckt ein weiterer Rechtfertigungsversuch für die Nato- Bombardierung Belgrads statt.

    Aufgrund der der Kammer vorliegenden Beweise gab es unterschiedliche Interessen zwischen den bosnischen Serben und der serbischen Führung während des Krieges. Besonders kritisierte und missbilligte Milošević wiederholt die Politik und die Entscheidungen des Angeklagten und der Führung der bosnischen Serben. Die Kammer ist nicht überzeugt, dass die in diesem Verfahren vorgelegten Beweise ausreichen, dass Slobodan Milošević dem gemeinsamen Plan zugestimmt hat.

    Internationaler Strafgerichtshof
    LG
    Geändert von Arkadier (20.10.2019 um 14:06 Uhr)
    Die Wälder wären sehr still, wenn nur die begabtesten Vögel sängen.
    Henry van Dyke

  8. #8
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    Ach, Gesinnung des Künstlers ist manchmal auch ganz interessant. Fällt mir ein sehr politischer Künstler ein: Picasso, der angab, seine Malerei sei auch Waffe, oder sein vernichtender Kunstbegriff: "Sie erwarten von mir, daß ich Ihnen sage, daß ich Ihnen definiere: Was ist Kunst? Wenn ich es wüßte, würde ich es für mich behalten."
    Die Wälder wären sehr still, wenn nur die begabtesten Vögel sängen.
    Henry van Dyke

  9. #9
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    Halali liebe/r tincatinca.
    Ja, der Hinweis auf Peter Handke scheint für diesen Text in der Tat angebracht, naheliegend und macht ihn in diesem Lichte wesentlich verständlicher, danke.
    Wenn du etwas zu sagen hast, ist es Kunst. Wenn du nichts zu sagen hast und trotzdem etwas dazu sagst, wird es schnell künstlich, meinetwegen auch künschtlich, hauptsache Pfeffer und Geschmack.
    Und für alle, die geschmacklich mehr erwartet haben: Tötet ihn! Tötet eure Gedanken, hier wolle mehr passieren, hier wolle sich so etwas wie Kunst bahn brechen, wenn es doch nur darum ging, mich selbst zu beschäftigen und mit den Versen zu spielen. Und so jagt ein Gedanke den nächsten,
    Waidmannsdank A.

    Lieber Arkadier,
    danke für dein historisches Hintergrundwissen, und für den Bezug zu Picasso. Ist natürlich auch sehr naheliegend, denn es befreit mich vor lästigen, übersteigerten und künstlichen Erwartungen. A.

  10. #10
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    Liebe/r Tincatinca,

    Jetzt bist du doch zurückgekommen, um nachzuschauen, ob ich noch etwas in die leere Tüte gepackt habe.
    Aber wenn du ein goldglänzend gereimtes Plätzchen suchst, bist du bei mir leider falsch, gibt auch kein Geld zurück.
    Es wollte auch nicht ums Gereime gehen, sondern um Verse.
    Und es ging nicht um ein Gedicht, sondern um das Leben eines Lyrikers, der mit dem Vers spielt.
    Töte ihn, den Gedanken, es ginge hier vornehmlich insgeheim um einen Reim auf einen rezenten Nobelpreisträger,
    nur weil er dich gerade so sehr beschäftigt.
    NEIN, es ging mir - wie pervers- um den Vers.

    L.G.A.
    Geändert von Anjulaenga (21.10.2019 um 09:25 Uhr)

  11. #11
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    Liebe/r Tincatinca,

    aus der Kritik etwas abzuleiten, was tincatinca zum Vorwurf gemacht werden könnte liegt mir fern. Danke für deinen freundlichen Kommentar. Du forderst gehaltvolle Kost, aber leider kann ich dich nicht mit mehr Inhalt füttern. Klar, dass mir da auch eine gehaltvolle Kritik verwehrt bleibt. Der Text steht so wie er da steht, er ist offensichtlich und der Drops ist längst gelutscht. Eigentlich alles schon viel zuviel Text für einen viel zu schwachen Beitrag. Vielleicht mag er dem einen oder anderen noch einen Unterhaltungswert bieten, quasi als kleines, kalorienarmes Trostbonbönchen für inhaltslose Schwere, um in deiner Lutscher Sprache zu bleiben. Andererseits lässt sich hierbei aber auch wunderbar die Agro- Keule schwingen, um dem Bemühten ein "Töte ihn" hinterherzubrüllen. Das dient dem Aggressionsabbau, und ist gleichermaßen für das eigene Ego nicht ganz uninteressant. Mit diesem Schlachtruf sollten wir durch die Humorecke ziehen und dort mal eine gehörige Stranitzensäuberung vornehmen. Denen wird der Humor schon vergehen, was meinst du?
    L.G.A.
    Geändert von Anjulaenga (21.10.2019 um 15:12 Uhr)

  12. #12
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    Der Volksmund singt vermutlich anders, während der Mob Lynchjustiz einfordert: tötet ihn! Denn vermutlich liegt nur ein Missverständnis vor, weil es nicht um Dichtung gehen will, sondern um Prosa. Der gemeine Volksmund hätte das vermutlich zu unterscheiden gewusst. Ich nehme deine Kritik aber gerne an, und widerspreche dir auch nicht, wenn du dieses trotzdem als schwaches Gedicht empfinden solltest wegen dem Inhalt und dem fehlendem Gereime und so, meinetwegen. L.G.A.

  13. #13
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    ja ihr beiden, in meinen Augen haben deine Verse da oben, liebe Anjulaenga, durchaus Aussage und damit Berechtigung ( wenn das Thema auch nicht neu ist ). Aber die Konversation zwischen euch beiden amüsiert mich noch mehr und zeigt ungeheuerlich viel Potential.

    super
    Heinz grüßt euch
    silbern ist mein Haar nicht grau

  14. #14
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    Lieber Heinz,

    jetzt habe ich mir gerade mit Tincatincas Hilfe erarbeitet, dass der Text nicht mit Weltliteratur verwechselt werden darf, da kommst du um die Ecke und sprichst dieser banalen Textspielerei eine Existenzberechtigung zu, sprichst sogar von viel Potential. "Vermutlich hast du dabei auch nur dein eignes Forendasein im Visier, um es nicht zu gefährdet zu wissen", würde dir ein boshafter Kritiker sofort unterstellen. Nun denn, ich würde den rezenten Literaturnobelpreis jedenfalls sofort ablehnen, nein, ich würde mich sogar für ihn schämen! Töte ihn!, - der versucht, mir diesen ob meiner großen Schwurbelei anzuhängen! Auch wenn in diesem Zusammenhang sofort der Name Picasso mit seinem Kunstverständnis gefallen ist, so hat das mit den perfekten Formen eines Michelangelo Buonarrotis oder den Meisterwerken eines Leonardo da Vinci's nichts mehr gemein. Haben doch diese großen Meister ein lebenlang daran gearbeitet, dass die "Nachwelt" für immer verstummt. In bescheidener Demut will ich mich üben und mich für deinen freundlich gesinnten Kommentar bedanken, L.G.A.

  15. #15
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    Hi liebe Anjulaenga
    Ich bin zwar eitel und vorzeigefreudig, jedoch gegen Kritik bin ich leider viel zu resistend um dafür bei irgendjemanden zu schleimen. Das Potential sah ich nicht im ausgänglichen Werk sondern in eurem äußerst starken Gemetzel. Dieser Disput hat mich sehr amüsiert und viel über eure Fähigkeit zu schreiben durchblicken lassen. Ich bin mir garnicht mal so sicher ob dieses lange aber kurzweilige Anschreiben jetzt nur für mich oder nicht mehr für anderes Publikum gedacht war, denn Dieses war jetzt wirklich Preisverdächtig.

    Beste Grüße dafür, Heinz
    silbern ist mein Haar nicht grau

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