1. #1
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    Gewalt und Computer-Tötungssimulationen und Halle an der Saale

    Ich möchte hier anlässlich der Gewalttat in Halle an der Saale einen Vergleich ziehen:

    Alkohol ist sehr gefährlich. Deswegen ist er für Kinder rund Jugendliche strikt verboten. Wer Kindern und Jugendlichen Alkohol zugänglich macht, der wird dafür bestraft. Genauso sieht es mit Rauchwaren aus. Es gibt da keine Ausnahmen. Bei den Spielen, wo es immerhin um die Simulation der Tötung von Menschen geht (!), sieht es anders aus. Da werden Ausnahmen gemacht. Sind es die Erziehungsberechtigten, die derartige Spiele ihren Kindern, egal welchen Alters (!) zugänglich machen, so müssen diese Erziehungsberechtigten dafür nicht mit einer Bestrafung rechnen. Ich darf meinem Kind ein Spiel, das erst ab 18 freigegeben ist oder auch Pornos zugänglich machen und muss, wenn dies angezeigt wird, nicht mit einer Bestrafung rechnen.

    (§ 27 Jugendschutzgesetz:
    (1) Mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer
    1.entgegen § 15 Abs. 1 Nr. 1 bis 5 oder 6, jeweils auch in Verbindung mit Abs. 2, ein Trägermedium anbietet, überlässt, zugänglich macht, ausstellt, anschlägt, vorführt, einführt, ankündigt oder anpreist,

    (4) Absatz 1 Nr. 1 und 2 und Absatz 3 Nr. 1 sind nicht anzuwenden, wenn eine personensorgeberechtigte Person das Medium einem Kind oder einer jugendlichen Person anbietet, überlässt oder zugänglich macht.)

    Eine Gesellschaft, die sich solche Ausnahmen gönnt, muss sich nicht beklagen, wenn es unter Kindern und Jugendlichen und auch unter erwachsen Menschen, die unter solchem Einfluss groß geworden sind, Gewalt-Erscheinungen gibt, die allgemein als unangenehm beklagt werden, so wie zum Beispiel die Gewalttat in Halle am 10.10.2019, wo ein junger Mann auf offener Straße genau so wie in einem dieser Tötungsspiele agierte. Hier zeigen sich für mein Dafürhalten die Auswirkungen und es wird durch die oben zitierte Gesetzeslage eine Haltung deutlich, dernach unsere Gesellschaft diese Gewaltverrohung zulasten unserer Kinder und Jugendlichen und damit zulasten der ganzen Gesellschaft vielleicht letztendlich gar nicht so schlimm findet und Gewaltvorkommen auch grausamster Art entsprechend schnell wieder zu vergessen geneigt ist. Jedenfalls wird das Zugänglichmachen von Gewaltdarstellungen in Form von Computerspielen auch gerne von vielen Menschen verteidigt und die Gefahrendiskussion darüber von denen entsprechend ungern geführt. Darunter sind nicht nur Menschen, die sich mit der Herstellung und dem Vertrieb solcher Computer-Tötungssimulationen aus meiner Sicht schwer versündigen sondern genauso auch Väter und - so nehme ich es wahr - gar nicht minder Mütter. Auch dies spricht für mich eine deutliche Sprache. Dass Kindern Alkohol oder Zigaretten ungestraft zugänglich gemacht werden darf, dafür würde sich so schnell niemand einsetzen.

    Es soll sich also niemand über die schrecklichen Gewalterscheinungen beklagen, solange dies von mir hier Vorgetragene so ist ohne dass eine Veränderung gewünscht wird. Wir nehmen uns die Chance auf ein friedlicheres Zusammenleben, wenn wir das so weiter laufen lassen. Für mich werden die Klagen über von jungen Menschen ausgehende Gewalt von Eltern erst dann glaubwürdig, wenn diese zumindest über einen möglichen Zusammenhang zwischen Gewaltaffinität und Tötungs-Simulationsspielen und Gewalttätigkeit nachdenken und darüber diskutieren wollen und sich gegebenenfalls auch für ein striktes Verbot von Computer-Tötungssimulationen für Kinder und Jugendliche einsetzen, bei dem diejenigen, die dann gegen ein solches Verbot verstoßen, immer mit Verfolgung und strafrechtlicher Stigmatisierung rechnen müssen.

    Gibt es diese "Spiele" deshalb und wird das Zugänglichmachen dieser "Spiele" für Kinder und Jugendliche deshalb nicht unbedingt bestraft, weil es eine allgemeine, also überaus weit verbreitete Gewaltverliebtheit gibt? Wird die Gewalt im jungen Menschen vielleicht sogar gefördert, weil es stillschweigend eine so weit verbreitete Faszination für die Gewalt gibt, dass man schon sagen könnte, die Gewalt ist allem geäußerten Beklagen zum Trotz sogar überwiegend erwünscht?
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    Wir leben in einer Welt, über die ich mich frage, ob der Wille zum Frieden überhaupt von der Mehrheit der Menschen getragen ist. Oder ob es nicht vielmehr die Welt der Gorillas ist. Der Gorillas, die in den Kampf ziehen, weil sie Krieger sein wollen und die dafür bewundert und begehrt - und so zu Vätern weiterer Gorillas werden.

  2. #2
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    Hi,

    mir kommt es so vor, als ob für den Herbst die Färbung der Blätter verantwortlich sei. Gerade im Aushänger Halle übersiehst du doch den politischen Hintergrund. Diese Gesellschaft produziert en masse Aggressionen und Ohnmachtsgefühle, die gerade von jungen Menschen schwer reflektierbar sind. In Umbruchzeiten kamen in Vergangenheit Gewaltausbrüche ganz ohne die von dir erwähnten Medien aus; Denken wir an RAF, an Hoffmanngruppe/Oktoberfest-Attentat, Sonnenblumenhaus Rostock- Lichtenhagen usw. Du lenkst kausal den Spot auf die falsche Bühne.

    Nebenher: In meiner Kindheit habe ich mit meinen Freunden Spiele gespielt, in denen wir Tötungen mittels Stockgewehren simuliert haben. Wo genau liegt der wesentliche Unterschied zu heutigen Gewaltspielen per Computer?

    LG
    Die Wälder wären sehr still, wenn nur die begabtesten Vögel sängen.
    Henry van Dyke

  3. #3
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    Hi Arkadier, das finde ich jetzt noch lustig hahahahaha, du schreibst: Nebenher: In meiner Kindheit habe ich mit meinen Freunden Spiele gespielt, in denen wir Tötungen mittels Stockgewehren simuliert haben. Wo genau liegt der wesentliche Unterschied zu heutigen Gewaltspielen per Computer?

    Meine weiblichen Freunde haette ich also schon nicht gern durch Computer ersetzt haben wollen, da gibts doch ein paar offensichtliche Unterschiede, nicht?

    Nun, alles klar trotzdem , LG

  4. #4
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    Meine weiblichen Freunde haette ich also schon nicht gern durch Computer ersetzt haben wollen, da gibts doch ein paar offensichtliche Unterschiede, nicht?
    Na ja, da steht ja auch "im wesentlichen", also dem Wesen nach.

    LG
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    Henry van Dyke

  5. #5
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    Lieber Arkadier,

    die gesellschaftlichen Einflüsse (Bühne 1), das Gelernte (Bühne 2), das, womit der Mensch in seiner Kindheit geprägt wurde (Tötungsspiele = Bühne 3), die angeborenen Eigenschaften des jeweiligen Menschen (Bühne 4), die Hasspostings im Internet (Bühne 5): Die Gesamtmischung machts, das Gesamtkonzert ALLER Bühnen ist maßgeblich für das, was dann passiert. Fällt nur eine Bühne aus oder anders aus, schon könnte eine Gewalttat verhindert werden. Möglich ist das jedenfalls. Die Gewaltbereitschaft wird nämlich von vielen Bühnen gespeist. Warum, frage ich dich, nicht eine dieser Bühnen dicht machen, indem die Gewaltspiele für Kinder strikt verboten werden und Kinder so nicht darurch geprägt werden? Eine weitere Bühne (Hass kommentare und ihre Wirkung auf Minderjährige) köbnnte zudem geschlossen werde, indem das Internet für Minderjährige verboten wird. Was spricht dagegen? Die anderen vomn dir genannten Bühnen bestreite ich nicht. Die können dann parallel dazu angegangen werden. Oder?

    Zu deiner Frage: Vielleicht ist es der interaktive Aspekt, das Spielen zusammen mit anderen über das Internet, was es attraktiver macht und das "Erlebnis" intensiver. Vielleicht die Art der Animationen, die heute lebensechter ist. Fast echter Krieg.! Viele hundert Jugendliche reisen nach Syrien. Auch Mädchen! Warum tun die das? Das gabs früher nicht. "Radikalisierung" ist mir zu dünn als Begründung. Es muss auch was mit "Spaß" zu tun haben, vielleicht auch Sexualität (potenter, anziehender "Krieger"). Und vielleicht hatten diese Spiele, die du gespielt hast auch damals schon einen gewaltfördernden Einfluss, wenn nicht auf dich, dann doch vielleicht auf andere? Kannst du das ausschließen? Je mehr diese Industrie um diesen gewaltverherrlichenden Müll an Geld umsetzt, umso mehr haben wir mit immer schwereren Gewalttaten von seiten junger Menschen zu tun. Damit müssen wir uns zumindest auseinandersetzen und zwar ohne Ausblendung von irgendwas. ich weiß dass die Softwareindustrie dagegen hält. Und ich halte widerum da gegen. Weil ich das in einem freien Land darf... .-)
    Viele Grüße!
    Geändert von Zärtlichkeit (12.10.2019 um 17:51 Uhr)
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