1. #1
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    Die Kalbskäsesemmel


    Die Kalbskäsesemmel

    Der Bolzenschuss krachte im Haus
    Und bohrte sich ins junge Hirn.
    Standhaft hielt noch das Kälbchen aus
    Und bot auch weiter seine Stirn.

    So sah ich dies zu später Stunde
    Im Fernsehen, wo das Tier stand.
    Man warf es um im Schlächtergehen,
    Damit alsbald das Leben schwand,

    Weil man es stach, es blutet' aus,
    Gab einen letzten Laut noch von sich,
    So dass der Tod kam schwarz und kraus,
    Da ekelt's uns, ja, Dich und mich!'

    Ich habe immer gern gegessen
    Kalbskäs mit Semmeln, voll Genuss
    Und hatte dabei ganz vergessen,
    Dass alles anfängt mit 'nem Schuss.

    Heut' ess ich solches gar nicht mehr,
    Obwohl mir bisher das gut schmeckte,
    Denn Tierleid will ich nimmermehr,
    So dass ich Pflanzenkost entdeckte.

    Warum soll ein so junges Tier,
    Das im Anfang des Lebens steht,
    Für meinen Leib und zu viel Bier
    Erst sterben, dass Genuss entsteht?

    Als alter Mensch kann ich doch wählen
    Und mit der Pasta Tiere schützen,
    Die man nicht länger mehr muss quälen,
    Weil wir die Pflanzenkost jetzt nützen.


    ©Hans Hartmut Karg
    2019

    *

  2. #2
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    Lb. Hans Hartmut,

    kaum denkt jemand beim Endprodukt, mit welchen schädlichen oder grausamen Mitteln es entsteht. Wären sich die Menschen dessen besser bewusst würde eher auf das Endprodukt verzichtet. Wählen kann nicht nur der alte Mensch.

    LG Hans
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  3. #3
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    Hallo "Dr. Karg",

    ich finde das Gedicht so gelungen, weil es mir sowas von aus der Seele spricht - mir ging es vor Jahren ähnlich - ernsthaft!

    Ich stand wartend mit dem Auto an einer Kreuzung, vor mir bog in entgegengesetzter Richtung ein Tiertransporter mit Schweinen ab - auf dem Weg zum nahegelegenen Schlachthof. Ein solch schnuffiges Tier schaute für den Bruchteil einer Sekunde (es fühlte sich wie eine Ewigkeit an) zwischen den Metallgittern heraus und schnuffte mit seiner Steckdosennase nach außen (die letzte Frischluft in seinem Leben). Sein Blick drang mir so immens tief ins Herz, die traurigen Augen, als wüßte es, was ihm bevorstand - und dann kamen immer die Gedanken in mir hoch: "wegen deinem Fleischkonsum muß ich jetzt sterben - wegen dir - wegen deiner Fleischgier". Mir schnürte es die Kehle zu, und für den Rest des Tages war ich tief betrübt und voller Überlegungen. Seit demher esse ich kein Fitzelchen Schweinefleisch mehr, ernsthaft. Und ich lebe immer noch - heißt: es geht auch ohne!

    Vielen Dank für dieses lesenswerte Gedicht,

    LG Nixe
    Blätter fallen - Menschen auch...

  4. #4
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    wie recht ihr habt. Meinen Hund werde ich vor lauter Liebe bis zu seinem Ende die Treppe hochtragen ( 4 Etagen ). Wilde Tiere tot zu schießen kann ich im Dokumentarfilm nicht ohne Tränen anschauen, aber auf das Schweineschnitzel kann ich nicht verzichten. Ein Widerspruch.

    Ein sehr beeindruckendes Gedicht, hast du da geschrieben Dr. Karg
    silbern ist mein Haar nicht grau

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