1. #1
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    Die Geducktheit der Salamander

    Es ist die Geducktheit und Flachheit der Salamander, die unseren Blick an ihnen vorbeilenkt. So ist es nicht ungewöhnlich, dass ein Salamander im Abstand einer Armeslänge vor uns liegt, wir ihn aber nicht wahrnehmen. Der Blick gleitet an seiner stumpfen Schnauze sanft in die Höhe und unbemerkt hinten wieder herab und dies geschieht so fließend, dass unsere Netzhaut keinen Grund für eine Reizung erkennen kann.

    Noch nicht geklärt ist, ob ein Zusammenhang zwischen der teilweisen Unsichtbarkeit der Tiere und der Tatsache besteht, dass ein Salamander trotz seiner vier Beine ein Liegetier ist, ähnlich einer Schlange. Wenn er steht, liegt er. Wenn er geht, liegt er. Und wenn er liegt, liegt er auch. Daher spricht man in Fachkreisen auch von der »immerwährenden dreifachen salamandrischen Müdigkeit«.

    Interessant ist der Fall eines Mannes, dessen Wohnung von einer Salamanderrotte heimgesucht wurde. Der Mann litt an Schlaflosigkeit, für die auch nach umfangreichen medizinischen Untersuchungen keine Ursache gefunden werden konnte. Doch als der Mann versehentlich ein Foto seines Zimmers schoss, wurden dort zu seiner Überraschung etliche Salamander auf dem Tisch, den Stühlen und sogar auf dem Bett sichtbar.
    Erst nachdem er sein Zimmer in Signalorange gestrichen hatte, konnte er der Salamanderplage Herr werden, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen gewesen war, ihn aber jede Nacht wachgestarrt hatte.

  2. #2
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    Hallo leuchtendgrau,

    dieser Text von Dir gefällt mir ausgesprochen gut, und ich bin froh, darüber gestolpert zu sein (unter den Märchen lese ich nie, fiel mir gerade auf (und doppelt zu klammern ist hiermit die Verwunderung, die mich dabei überfiel, lächel...))

    Der Einstieg fiel mir erst einmal etwas schwer, denn da sind Geducktheit und Flachheit die begrifflich zumindest mir als Leser missfallen. Ich frage mich, ob man das überhaupt braucht, da doch der Absatz zum Liegetier (das ist wiederum ein sehr schönes Wort!) ausreichend erklärt, was diese gestelzt bemühten Begriffe kaum zu umschreiben wissen. Allerdings wirf bitte nicht das Hinübergleiten des Blickes aus dem Text, die Beschreibung ist bildlich sehr schön gelungen.

    Bei Salamander kommen mir als erstes die Feuersalamander in den Sinn. In Kindertagen liefen sie mir ständig über den Weg; nun erinnere ich mich, wie lang das schon her ist und dass sie mir fehlen. Also einen Feuersalamander übersieht man nicht, trotz der Geducktheit

    Sehr gut gefällt mir, dass Du in den ersten beiden Absätzen recht sachlich bleibst, und damit den dritten umso mehr heraushebst. Mein Vorschlag wäre aber auch da, den Mann nicht als von einer Salamanderrotte heimgesucht zu beschreiben, weil Du die Lösung damit vorweg nimmst. Es hätte doch gereicht:
    Interessant ist der Fall eines schlaflosen Mannes. ?

    Überrasche den Leser, bemühe Dich weniger, ihn derart an die Hand zu nehmen, sondern lass ihn ruhig auch mal grübeln, wäre mein Rat. Aber bleibe unbedingt bei so wunderbaren Wendungen:
    wachgestartt
    . Die ist ganz wunderschön!

    Sehr gerne gelesen!
    Nina
    .
    .

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  3. #3
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    Hallo Nina,

    von der Geducktheit und Flachheit würde ich mich nur sehr ungern trennen. Ich mag durchaus das Spröde und das man ein wenig aneckt an diesen zwei Begriffen. Vielleicht muss ich das noch ein bisschen in mir hin und her bewegen.
    Ja, ein Feuersalamander muss sich schon sehr tief ducken, damit man ihn übersieht. Vielleicht waren es Alpensalamander, die sind komplett schwarz.
    Mit der 'Salamanderrotte' hast du recht, das sollte ich streichen. Das Wort kommt auch sehr lurchfeindlich rüber.

    Mit der Rubrik konnte ich mich auch nicht anfreunden, habe ich irgendwas übersehen, wo der Text besser hineingepasst hätte?

    Meine Lieblingsstelle ist auf jeden Fall die »immerwährende dreifache salamandrische Müdigkeit«.

    Vielen Dank für deine hilfreichen Anmerkungen und schön, dass dir der Text gefallen hat.

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