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  1. #16
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    Musst die Augen aufmachen, dann wirst du meine Reaktion sehen. Oder du träumst deine verschwurbelten Träume in meiner Dunstwolke einfach weiter. Bis du Geld genug hast für einen Katalysator der seelischen Art.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  2. #17
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    Hm - mit diesemText kann ich ebenfalls nichts anfangen. Das lyrische ich wirkt auf mich sehr konstruiert. Wieso geht es, wenn er "kommt"? Nur wegen kommen und gehn? Das fände ich reichlich verkrampft. Auch die Falle, die es zu stellen gedenkt, finde ich eher kindlich erfunden als erwachsen vorstellbar. - Einer von den klemmigen Einfällen, die ein Autor nicht zwanghaft verteidigen sollte.
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  3. #18
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    Lieber Terrorist,

    vielen lieben Dank für deine mühevolle Textarbeit, ich weiß sie zu schätzen. A.


    Lieber Artname,

    Hm, du hast ja irgendwo recht. Vielleicht sollte ich den konstruierten Text nicht geschrieben haben. Vielleicht sollte ich das LD gar nicht erst kommen lassen. Dann bräuchte sie auch nicht zu gehen, oder nach kindlicher Rache zu trachten. Ich müsste auch keinen Klemmi- Text zwanghaft verteidigen, der bei dir z.B. überhaupt nicht zünden will, der mir aber trotzdem gefällt. Ich denke drüber nach. Danke für dein Kommen, A.

  4. #19
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    Hi Anju,

    zugegeben konnte ich die Geschlechter nicht sofort zuordnen, aber ja, der Klassiker der Vergewaltigung eben. Rache ist süß, doch mir fehlt in deinem Gedicht etwas nebenher, was die Emotion der Frau ausdrückt, etwas Verzweifeltes, das dem psychotischen Aspekt der Rache für gewöhnlich beiwohnt. Der Angstschweiß ist da eben zu dünn.
    Ich habe dabei an den Film "Princesas" gedacht, worin sich in Madrid eine dominkan. Prostituierte an einem sadistischen Freier rächt, der sie schwer verletzte, indem sie das später erworbene HIV an ihn bei einem erneuten Treffen weitergab.

    LG Uwe
    Die Wälder wären sehr still, wenn nur die begabtesten Vögel sängen.
    Henry van Dyke

  5. #20
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    Lieber Arkadier,

    sie rast. Die kalte Sprache entspricht eher der kalt-berechneten Vorgehensweise ihrer Rache Damit sind ihre Emotionen aber auch schon beschrieben. Mehr will das Gedicht nicht vorgeben, weil diese Gefühlsentfaltung im Leser selbst stattfinden soll. Es liegt doch wohl auf der Hand, dass bei ihr die Post abgeht. Kann aber gut sein, dass "mein" Film eben mein Film geblieben ist, was das unterschiedliche Erleben erklärt. Mit evtl. zu wenigen Andeutungen und zu vielen Erklärungen ist das eh schon längst zum Rohrkrepierer geworden.
    Vielleicht will es mir noch gelingen, einige Formulierung einzubauen, die dem Leser diesen Text näher bringen könnten. Danke für dein Feedback, L.G.A.

  6. #21
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    Zitat Zitat von Anjulaenga
    Damit sind ihre Emotionen aber auch schon beschrieben. Mehr will das Gedicht nicht vorgeben, weil diese Gefühlsentfaltung im Leser selbst st nach attfinden soll.
    Kalte Wut erzeugen zu wollen ist ein mutiger Anspruch! Denn entweder der Leser ist ein Psychopath... oder die Stelle ist so oft geschlagen, dass sie schon nicht mehr weh tut. DAS kann man zwar sagen, aber eine Meinung erzeugt noch keine kalte Wut.
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  7. #22
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    Lieber Artname,

    Das LI wirkt vielleicht auch nur deshalb nicht authentisch auf dich, weil das Gedicht in der Jetztzeit erzählt. Da ist etwas dran. Die Übergriffigkeit ist zeitgleich mit der Rache, da liegt keine Gefühlsentwicklung dazwischen.
    Wenn die Strophen bgegrenzt werden durch Verwendung einer Vergangenheitsform in der ersten Strophe, so wird vielleicht die zeitliche Abfolge nachvollziehbar, welche ich einfach immer im Kopf habe.
    Habe es oben mal als 2. Version dazugestellt.

    Du bist gekommen, und ich ging.
    Ich eilte, du ranntest.
    Ich raste, du bliebst stehen.

    Ich rase immer noch,
    werde meinen Angstschweiß
    von Wochen sammeln.
    Abgestanden muss er sein.

    Auch werde ich ihn
    für dich aus schlotzigen Schlüpfern
    herausdestillieren

    …bis ein Flakon gefüllt ist.
    Ich werde dir eine Spur legen,
    der du nicht widerstehen kannst.

    Wir sehen uns wieder!

    L.G.A.

  8. #23
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    Lieber Anjulaenga,

    Tatsächlich verstehe ich die neue Version anders. Nun sehe ich das LI gehen... eilen.... rasen. Und missverstehe "kommen" auch nicht mehr als Erektion.

    Schwieriger wird es sicher, wenn man kalte Wut im Leser erzeugen will. Was ist überhaupt kalte Wut? Kalte Wut habe ich vermutlich auf Menschen, die ich nicht kenne, aber an deren Existenz ich glaube. Beispielsweise eine Gruppe von Superreichen, die mit der Existenz von Millionen Menschen spielen, um ihren Profit zu maximieren. Die Kälte entsteht letztlich automatisch, weil praktisch alle Details fehlen, mit denen ich einen Rachefilm drehen könnte. In unserem Beispiel kennt aber das Opfer den Täter. Vielleicht wäre es besser, ein oder zwei Details einzuflechten, mit denen das Li, aber nicht der Leser etwas anfangen kann.

    Dieser Trick erinnert mich an Brecht Verfremdungseffekt. Brecht meinte, ein Autor oder Regisseur sollte sein Publikum nicht zu heftigen Emotionen verführen, will blinde Emotionen das Nachdenken verhindern. Statt dessen riet er, irrationale Effekte einzubauen. Das war wohl vor allem fürs Theater gedacht, aber warum nicht auch in einem Text darüber nachdenken?

    P.S. Je länger ich darüber nachdenke, umso klarer wird mir, dass mich noch etwas anderes an deinem text stört. ich soll als Leser EVENTUELL wohlwollend an einer geplanten Lynchjustiz teilnehmen, auf der Basis von Behauptungen. Ein iranischer Freund schilderte mir vor kurzem, wie ein Hassprediger in einer Moschee ohne jede Begründung zum Mord an Andersgläubigen aufrief. - Natürlich ist Kunst keine Realität... aber vermutlich würde ich beim Schreiben über diesen Gedanken stolpern. So wie Andere jetzt wahrscheinlich nur über meine "Empfindlichkeit" stolpern werden...

    lg
    Geändert von Artname (04.11.2019 um 16:34 Uhr)
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  9. #24
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    Zitat Zitat von Artname Beitrag anzeigen
    . ...Statt dessen riet er, irrationale Effekte einzubauen. Das war wohl vor allem fürs Theater gedacht, aber warum nicht auch in einem Text darüber nachdenken?
    ... Je länger ich darüber nachdenke, umso klarer wird mir, dass mich noch etwas anderes an deinem text stört. ich soll als Leser EVENTUELL wohlwollend an einer geplanten Lynchjustiz teilnehmen... - Natürlich ist Kunst keine Realität... aber vermutlich würde ich beim Schreiben über diesen Gedanken stolpern. So wie Andere jetzt wahrscheinlich nur über meine "Empfindlichkeit" stolpern werden...
    Für mich scheint das Gedicht zum Schluss nun doch ein kleines bisschen gelungen, weil die "Lynchjustiz" expressis verbis zu keinem Zeitpunkt im Text angesprochen wurde. Diese Lynch- Ankündigung des LI ist folglich nur in deinem Hirn entstanden. Danke für dieses Feedback, A.

  10. #25
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    Ja, da gebe ich dir abschließend Recht. Sie könnte ihm auch mit der Polizei eine Falle stellen. Das hast du nicht erwähnt, wäre aber gut möglich. 1:0 für dich.

    Bliebe noch die seltsam anrüchiger Methode. mit der man eher Tieren in eine Falle lockt, deren Geruchssinn viel ausgeprägter als bei Menschen ist. Aber das lassen wir jetzt als durchaus stimmige Metapher stehen. *

    Interessanter Diskussionsverlauf!

    * In der Doku "ich bin ein Psychopath" sagte eine Expertin, dass sich Vergewaltiger eher von (für normal Veranlagt kaum sichtbaren) körperlichen Anzeichen einer eingeschränkten Wehrhaftigkeit erregen lassen. Demnach brächte das Opfer ja leider von Natur aus ideale Voraussetzungen mit. Mal etwas zynisch formuliert. - Dieses naheliegende Motiv fand ich bisher übrigens in keinem Krimi...

    Bis zum nächsten Mal
    Geändert von Artname (05.11.2019 um 06:38 Uhr)
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  11. #26
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    Genaugenommen 1:1, lieber Artname, denn ich musste ja einen zweiten Blick draufwerfen, um besser zu sehen, was du überhaupt meinst. Mit dem zweiten sieht man eben besser.
    Man sieht sich, A.

  12. #27
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    Hallo Anjulaenga,

    schade dass es hier so wenig um das Gedicht selbst bisher ging, denn ich finde dein Gedicht gelungen und interessant.
    Beim Lesen wirkt es wie ein gehetztes Jagen und gejagt werden, darauf warten, dass man die Beute ist und dann dennoch flieht. Auf der einen Seite also eine klare Ablehnung verbunden mit Angst und auf der anderen Seite trotzdem eine Spur zu legen die deutlicher und intensiver nicht sein könnte.
    Mir persönlich gefällt die zweite Version besser, weil sie etwas mehr Dramatik aufbaut.
    Ich lese es so, dass das lyrische Ich ein Opfer des LD ist und ihm entfliehen will, aber nicht ganz kann..und vlt das „Zweite Mal Sehen“ bewusst herbeiführen will (so wie du schreibst aus Rache).
    Auf jeden Fall gelingt es dir diese gegenseitige toxische Jagen und Fliehen gut zu transportieren. Gerne Gelesen

    Liebe Grüße
    question

  13. #28
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    Zitat Zitat von Artname Beitrag anzeigen
    Bliebe noch die seltsam anrüchiger Methode. mit der man eher Tieren in eine Falle lockt...
    mit Dichtern scheint so etwas auch zu klappen.

    Liebe/r question,

    für mich ist der Umkehrpunkt mit Richtungswechsel bei diesem "toxischen Jagen und Fliehen" natürlich wichtig und er beinhaltet das Wesentliche. Wenngleich die Rache selten zu einer Heilung führt, so kann sie doch kurzfristig das erhebende Gefühl der Genugtuung herbeiführen.
    Danke für dein freundliches Feedback zum Gedicht. Liebe Grüße, A.

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