Thema: Vergangen

  1. #1
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    Vergangen

    Einsame Nacht
    traurig erwacht
    verstorben bedacht
    schlaflos gewacht.

    Sonne erscheint
    Lächeln verneint
    Tränen geweint
    Gedanken vereint.

    Leben erscheint
    Zugang verneint
    Tränen geweint
    Gedanken vereint.

    Nach vorne geblickt
    im Herzen zurück
    dich fühlend als Glück
    doch du bist nicht hier.

    Lightning
    Geändert von Lightning (07.11.2019 um 07:21 Uhr)
    Des langen Tages Arbeitslohn
    ist die Nacht - ich schlafe schon.

  2. #2
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    Dein Gestaltungsmittel, quasi mit Partizipien statt Verben zu arbeiten, ist interessant angedacht, aber zu verschwenderisch benutzt. So sticht auch der letzte Vers nicht mehr heraus, der ein Verb benutzt.
    Klar, im Partizip schlummert Vergangenheit. Aber da das so ist, müssen die Partizipien doch nicht auch noch das Vergehen spiegeln. Sind dir in der Nacht nicht auch schöne Erinnerungen eingefallen? Küsse verdrängt, Lachen gelöscht, Lieblingsorte verschüttet - also mich hintern im Kummer neben bösen auch schöne Erinnerungen am Schlafen.

    Klar kann man ein Gedicht aus lauter deprimierenden Worten bauen. Aber tröstet das? Und wollen wir nicht letztlich getröstet werden, wenn wir unsere wertvolle Zeit dem Lesen und Schreiben widmen?
    Geändert von Artname (07.11.2019 um 10:32 Uhr)
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  3. #3
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    Ist doch alles da was man braucht um hier von einer herausragenden Leistung zu sprechen, die in sich genau da anfängt wo sie aufhört. Ohne eben nur wegen der Art des Schreibens an und für sich Perfektion vorzutäuschen. Eine ganz klare Konfliktbereitschaft lässt sich auch spüren.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  4. #4
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    Zitat Zitat von Artname
    Und wollen wir nicht letztlich getröstet werden, wenn wir unsere wertvolle Zeit dem Lesen und Schreiben widmen?
    Die Frage muss letztendlich jeder für sich beantworten, aber ich behaupte nein. Zumindest wenn es sich explizit um "Trost" handelt.
    Sich mit einer Thematik/Erlebnis o.ä. auseinandersetzen und verarbeiten: ja. Aber grundsätzlich Trost finden wollen... dann müssten alle Schreiberlinge und Leser*Innen negativ eingestimmt sein (und das glaube ich nicht^^).
    Ich für meinen Teil bevorzuge Gedanken anregende oder emotional berührende Gedichte, ob mit einem guten oder schlechten Ausgang.

    zum Gedicht:

    S1-S3 gereimt (wobei S2+S3 "identisch")
    S4 möglichst versucht gleichartig zu reimen, leider misslungen

    S4 mit Doppelwendung sehr schön angedacht, aber durch den Bruch des Reimes wirkt es für mich nicht

    verstorben bedacht
    das erschließt sich mir nicht

    Leben erscheint
    Zugang verneint
    Tränen geweint
    Gedanken vereint.
    Die Ähnlichkeit zu S2 ist unverkennbar, aber diese Strophe finde ich wesentlich besser als S2
    (bei der ist das Bild aus V1+2 für mich stimmig im Gegensatz zu S2)

    Nach vorne geblickt
    im Herzen zurück
    Gegenspiel von "vorne" und "zurück" bzw. "Kopf" und "Herz" gefällt mir sehr
    dich fühlend als Glück
    doch du bist nicht hier.
    Angesprochene Doppelwendung: vorher alles negativ, dann Hoffnung mit "dir als Glück", dann wieder Gewissheit der Abwesenheit;
    inhaltlich gefällt es mir, die stilistische Abweichung leider nicht.

    lG
    k1
    meine bescheidene Meinung

  5. #5
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    Zitat Zitat von k1nd3Rr13g3L Beitrag anzeigen
    Die Frage muss letztendlich jeder für sich beantworten, aber ich behaupte nein. Zumindest wenn es sich explizit um "Trost" handelt...,,Sich mit einer Thematik/Erlebnis o.ä. auseinandersetzen und verarbeiten: ja. Aber grundsätzlich Trost finden wollen... dann müssten alle Schreiberlinge und Leser*Innen negativ eingestimmt sein (und das glaube ich nicht^^).
    Warum gleich schwarz/weiss malen? ich glaube, jeder Mensch ist im Prinzip unzufrieden. Auch unzufrieden. Das drückt die Stimmung. Und ist mE alle mal ein guter Grund, Kunst zu geniessen. Mich tröstet bereits das Gefühl, dass auch Andere meine Vorlieben und Zweifeln zu teilen scheinen.Sich ebenfalls oft langweilen angesichts der vielen Banalitäten, die wir ja alle im Alltag absondern. Ein guter Künstler sollte versuchen, diese in seinen Werken zu vermeiden. Egal, was er selber für Klischees hält, er versucht das, es er dafür hält, selber zu vermeiden.
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  6. #6
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    Zitat Zitat von k1nd3Rr13g3L
    dann müssten alle Schreiberlinge und Leser*Innen negativ eingestimmt sein
    Zitat Zitat von Artname
    ich glaube, jeder Mensch ist im Prinzip unzufrieden. Auch unzufrieden.
    Ich denke, damit meinen wir das gleiche.

    Ich finde wie bereits angedeutet das Wort "Trost" zu kräftig in diesem Zusammenhang.
    Für mich stimmt die Motivation nicht, die sich aus deiner Frage ergibt:
    Lesen bzw. Schreiben, um Trost zu suchen/schöpfen/finden/was auch immer.

    Vllt sehe ich das auch einfach zur zu verbissen mit der Bedeutung.
    Ich erkenne jedenfalls deinen Ansatz und kann ihn verstehen.

    lG
    k1
    meine bescheidene Meinung

  7. #7
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    ich glaube auch, dass wir ähnliches meinen. ... und du mir somit nicht mehr unterstellst, dass ich einen optimistischen Literatur das Wort reden will. Ich mag Literatur. die mich versteht in meinem Anspruch, verstanden zu werden. Ich will nicht Recht bekommen. "Mir reicht ein: so denke ich auch manchmal. Keine Ahnung, was richtig ist, aber so denke ich auch manchmal!" DAS tröstet mich. Das reicht mir meistens.

    Und zu diesen Gedicht meine ich: Wenn ich nicht einschlafen kann, quälen mich keine kurzen Sätze, sondern eher lange Gedankenschleifen oder beispielsweise das unerreichbare Glück der Anderen.

    Gruss
    Geändert von Artname (07.11.2019 um 16:34 Uhr)
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  8. #8
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    Hallo Zusammen

    Erstmal vielen Dank, für eure Kommentare.
    Eigentlich finde ich eure verschiedenen Ansichten bezüglich der Zeilen gut.. daher wollte ich gar nicht viel dazu schreiben.. aber naja.. scheint ja auch ein zwei "Fragezeichen" zu geben, daher:

    @Kinderriegel:

    verstorben bedacht
    das erschließt sich mir nicht
    Hm.. kommt wohl zu häufig vor, dass Teile meiner Zeilen nicht gleich "verstanden" werden. Gut zu wissen

    Eigentlich.. sollte die Zeile darauf hinweisen, dass das LI - hier mal wieder ich - an jemanden, der verstorben ist, denkt. Somit handelt es sich zumindest aus meiner Sichtweise heraus, um ein Trauergedicht. Die vorherige Zeile "traurig erwacht" lautet in meiner ersten Version "trauernd erwacht".. was ich vielleicht auch wieder schreiben sollte.. wobei ich auch eher dieses "verstorben bedacht" ersetzen möchte.. damit man die Zeilen nicht zwingend auf eine Trauer in Verbindung mit dem Tod beziehen "muss".

    zum Gedicht:

    S1-S3 gereimt (wobei S2+S3 "identisch")
    S4 möglichst versucht gleichartig zu reimen, leider misslungen

    S4 mit Doppelwendung sehr schön angedacht, aber durch den Bruch des Reimes wirkt es für mich nicht
    S2+S3 identisch gereimt, um die "Gedankenschleifen", die bei einer Trauer aufkommen können, zu verdeutlichen. Reim in S4 misslungen.. naja.. vielleicht. Auch der Bruch im Reim ist wohl Ansichtssache. Für mich persönlich entsteht in diesem Fall des Reimbruchs eine gewisse "Stille" und ein nachdenklich leeres Gefühl am Ende der Zeilen.

    Leben erscheint
    Zugang verneint
    Tränen geweint
    Gedanken vereint.

    Die Ähnlichkeit zu S2 ist unverkennbar, aber diese Strophe finde ich wesentlich besser als S2
    (bei der ist das Bild aus V1+2 für mich stimmig im Gegensatz zu S2)
    Darauf, ob das "Bild" aus S2 stimmig zu S1 ist.. habe ich vielleicht nicht in der Art geachtet, wie du es dir vorstellst, und ich es vielleicht hätte tun sollen?

    S2 nochmal zum "Vergleich":
    Sonne erscheint
    Lächeln verneint
    Tränen geweint
    Gedanken vereint.

    Der Vers beschreibt - in meinen Gedanken - den Beginn des nächsten Tages.. kann aber auch als Rückblick auf bereits vergangene Tage der Trauer betrachtet werden.. oder auch auf noch folgende.

    In Verbindung mit S1-S3 wird aufgezeigt, dass das LI (S1) "traurig/trauernd" erwacht und schlaflos bleibt.

    Als (S2) die Sonne erscheint, lacht das LI nicht mit dem Tag.. es weint.. versucht, sich wieder zu sammeln - wobei "Gedanken vereint" auch als eine erneute Erinnerung an verlorene Personen betrachtet werden kann.

    S3 zeigt folgend, dass vielleicht Besuch kam.. oder man einfach am alltäglichen Leben teilnehmen sollte/wollte.. aber dass man einfach nur alleine sein will/wollte.. den Zugang verneint.. und wieder der Trauer verfällt.. bis man wieder versucht/oder versuchte (je nachdem, wie man die "Schleife" betrachtet), sich zu sammeln.

    -------------------------------

    Hier schreibe ich gleich mal @Artname, bevor ich zu S4 komme:

    Nach vorne geblickt
    im Herzen zurück
    dich fühlend als Glück
    doch du bist nicht hier.

    In S4.. ist mehr oder weniger wenigstens ein kleiner "Trost" enthalten. Man blickt - wenn vielleicht auch nur langsam - wieder nach vorne.. erinnert sich dennoch zurück an "Verlorene".. findet Glück oder Trost in den Erinnerungen.. und stellt fest, dass doch etwas fehlt.. womit die "Schleife" wieder von vorne beginnt/beginnen kann.

    Die "Kürze" der Zeilen.. beinhaltet aus meiner Sicht einen gewissen Spielraum für die "Leser".. und meine Gedankenschleifen wären eher Romane als Gedichte.

    Auch ich habe überlegt, ein etwas optimistischeres Ende zu schreiben.. aber als ich die Zeilen - nachts nach dem Aufwachen - geschrieben habe.. war es eben nicht optimistisch. Aber.. für dich.. mein optimistischeres Ende:

    Nach vorne geblickt, im Herzen zurück, bleibst du als mein Glück, für immer in mir.

    ------

    @Terrorist: Bei "Lob" bleibt wohl nur "vielen Dank" zu sagen.
    Deine Worte "...die in sich genau da anfängt wo sie aufhört." lassen mich auch vermuten, dass du der "Trauerschleife" folgen konntest, was mich natürlich sehr freut

    LG, Lightning

    Sry.. um noch etwas anzufügen:

    Ich persönlich finde es auch schon gut, wenn ich mich "nur" in Zeilen anderer wiederfinde.. und vielleicht erkenne, dass sie ähnliches durchmachen, denken und/oder fühlen. Auch das kann ja in gewisser Weise "Trost" spenden.. egal ob der Inhalt positiv oder negativ ist. Da haben wir auch das Thema für ein gemeinsames Buchprojekt: "Die Gründe des Lesens"
    Geändert von Lightning (08.11.2019 um 14:44 Uhr)
    Des langen Tages Arbeitslohn
    ist die Nacht - ich schlafe schon.

  9. #9
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    @Artname
    Ich unterstelle gar nichts.
    "Mir reicht ein: so denke ich auch manchmal. Keine Ahnung, was richtig ist, aber so denke ich auch manchmal!" DAS tröstet mich.
    Das war die Quintessenz, die bei einem gestrigen Gespräch auch rausgekommen ist. Und dazu muss ich festhalten, dass ich die Bedeutung von "Trost" zu verbissen sehen (wie schon befürchtet). Dieses Zitat unterstreicht für mich unser Gleichverständnis.

    @Lightning
    Dann habe ich das "bedacht" falsch gelesen. Vom Lesen stand für mich eine "bedachte Handlung" im Vordergrund. Aber klar, man kann Sachen bedenken. Aber auch Verstorbene?

    Somit handelt es sich [...] um ein Trauergedicht.
    Das geht definitiv aus deinem Gedicht hervor.

    Reim in S4 misslungen.. naja.. vielleicht.
    Ist nur nach meinem Empfinden. Natürlich kannst du damit etwas intendiert haben, was bei mir nur nicht fruchtet.

    Strophe 2
    Der Vers beschreibt - in meinen Gedanken - den Beginn des nächsten Tages.. kann aber auch als Rückblick auf bereits vergangene Tage der Trauer betrachtet werden.. oder auch auf noch folgende.

    Strophe 3
    S3 zeigt folgend, dass vielleicht Besuch kam.. oder man einfach am alltäglichen Leben teilnehmen sollte/wollte.. aber dass man einfach nur alleine sein will/wollte.. den Zugang verneint.. und wieder der Trauer verfällt..


    Inhaltlich hat sich mir alles erschlossen.
    Geht nur um die verwendeten Bilder (V1+2) der beiden Strophen (habe ich unglüklich im ersten Kommentar geschrieben):
    Zitat Zitat von Strophe 2
    Sonne erscheint
    Lächeln verneint
    Zitat Zitat von Strophe 3
    Leben erscheint
    Zugang verneint
    das finde ich saustark
    Die Gedankenschleife finde ich übrigens sehr gelungen!

    Da haben wir auch das Thema für ein gemeinsames Buchprojekt: "Die Gründe des Lesens"
    Mein Vorschlag:
    "Die Wege des Lesens sind unergründlich"

    lG
    k1
    meine bescheidene Meinung

  10. #10
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    Hallo Kinderriegel

    Auch hierfür nochmal ein Dankeschön.

    "Aber klar, man kann Sachen bedenken. Aber auch Verstorbene?"

    Wie erwähnt.. ganz zufrieden bin ich mit der Zeile nicht. Werde sie mit mehr Abstand nochmal "überdenken".
    Inhaltlich wäre das Wort meiner Meinung nach ok.. auch wenn man wohl eher gedenkt, als bedenkt..
    aber es lässt sich sicher einer schönere Zeile finden *g*

    Und "Thx" für den Hinweis "S".. da habe ich meine Strophen wohl unbedacht zu Versen gemacht
    Des langen Tages Arbeitslohn
    ist die Nacht - ich schlafe schon.

  11. #11
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    Hey, wieso nicht "im Sterben" statt "verstorben"? Ich habe jetzt nicht den ganzen Faden gelesen, sollte das schon jemand vorgeschlagen haben, entschuldige ich mich. LG gugol

  12. #12
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    Hallo Gugol

    Vielen Dank für den Vorschlag. Er kam noch nicht.
    Allerdings wäre "im Sterben bedacht" wohl ähnlich irreführend wie "verstorben bedacht". "verloren bedacht?" hm..
    Wenn ich das "Sterben" in der Zeile wegbekomme.. könnte man die Zeilen evtl. auch auf weitere Verluste beziehen.
    (Was ich gut fände)

    LG, Lighnting
    Des langen Tages Arbeitslohn
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