1. #1
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    Letzte Blätter...

    Sanft rieselt ein Blatt,
    tanzt durch Dunst zur Erde, folgt
    dem Klang bis zum Grund.
    Geändert von macin (24.11.2019 um 08:32 Uhr)

  2. #2
    das ist ein Haiku dem man mehr Aufmerksamkeit widmen sollte, ich schäme mich fast meine Energie in einen anderen sehr subtilen faden verschwendet zu haben...

    hallo macin

    eine Momentaufnahme die das leben als zart aber auch hart beschreibt, aus den höhen in die tiefen fällt das blatt das einst ganz oben stand zu grund,
    aber es bedauert nichts, im Gegenteil, es wirkt sehr selbstverständlich da es der lauf der dinge ist und der Schwerkraft folgt

    himmel, erde, zu grund - 3 wege die alles leben irgendwann beschreitet, ein natürlicher lebenskreislauf zwischen bestehen und vergehen und einem kurzzeitigen verweilen dazwischen (erde)

    ich verstehe das Haiku als solches noch nicht konkret, aber ich verstehe Lautmalerei und bildhafte Interpretation, dieses bild empfinde ich als gelungen da es nicht wertend ist, sondern nur eine sehr natürliche Vorgehensweise mit simplen verständlichen worten, aber sehr tiefem Hintergrund wieder gibt

    blätter sind dem menschen gleichzusetzen, auch dieser ist machtlos wann das fallen beginnt, oder das verweilen zutrifft und das vergehen einsetzt, nur um dem leben zu folgen

    das rieseln des Blattes, soll entweder auf regen hinweisen, oder die Tatsache das mit ihm auch andere einem schlichten Kreislauf folgen und man auch im fallen (sanft und rieseln sind gegensätzlich) nicht alleine sind
    die Bemerkung das sanft und rieseln gegensätzlich sind, ist ein weiterer aspekt der mir aufzeigt dass es im Moment des fallens oder gleitens unterschiede gibt
    mancher fällt ganz unbemerkt und senkt sich zu boden innerhalb des lebens und mancher fällt so schnell dass er hart auf den boden aufschlägt und noch lange daran zu spüren hat, das bild ist nachhaltig

    durch dunst tanzen zeigt Ungewissheit und Unbefangenheit, immer den blick voran und zuversichtlich bleiben, aber im Gegensatz auch verblendet sein/werden
    tanzen und dunst ist hier gleichzustellen mit der Gegenüberstellung von frei sein und eingeschränkt sein

    der klang ist gesondert gestellt und steht aus meiner sicht für den ruf, dem Grundton (melodie) des lebens, wir alle sind gleich und gehen gleiche wege, allerdings mit anderen Erfahrungen
    klang kann demnach auch Resonanz in betracht ziehen

    das ist ein schönes Haiku
    lg mythenfreund

  3. #3
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    Hallo Mythenfreund,

    Danke für den ausführlichen Kommentar. Tatsächlich war dieses Haiku ein bißchen widerspenstig und erst nach mehreren Anläufen fand es seine jetzige Form, deshalb freue ich mich besonders, dass Du seine Inhalte so gut beschrieben hast.

    LG
    macin

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