1. #1
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    Auf Glas gehaucht

    Es ist die Rose, die sich müht,
    damit sie dir am Fenster blüht,
    dort wo du abendlich erscheinst
    und leise um den Vater weinst.

    Es ist der Mond, der an dich denkt,
    der still sein Licht zur Erde lenkt,,
    auch dort, wo hinterm Gartentor
    sich eine letzte Spur verlor

    Es ist dein Bruder, nebenan,
    der dir die Hand nicht halten kann,
    der nie mehr lachte, selten sprach,
    seit ihm das Herz im Abschied brach

    Es ist die Mutter, die euch liebt,
    die jeden Fels zur Seite schiebt,
    die von der Zuversicht bewegt,
    dir Trost in ihre Zeilen legt
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  2. #2
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    Hi A.D., ich lese und kommentiere gleichzeitig . „DIE Rose“ gefaellt mir sehr, es ist ja eine bestimmte, bringt den Leser sofort zu „deiner“ Rose. S1 sehr schoen: Die Rose ist fuer den Weinenden da. S2V1: so auch der Mond, ?. S2V2: „senkt“ gefiele mir viel besser, weiss aber nicht, obs geht. Puhh, die Spur des Vaters wohl, als er das letzte Mal ging oder so. Sehr schoen! Alles klar (sichtbar) in "deiner" Erinnerung, vom Mond ans Licht gebracht. Sehr schoen A.D.. Huch, S3, pahhh, sehr duester, der Bruder, dem das Schoene nicht ueber den Schmerz hilft, weil er es nicht mehr sieht, krasser Gegensatz zum beschriebenen Erlebten von S12. Grad denkt ich, ist der Bruder echt, oder vielleicht die „Angst“ in "dir", den Abschied (auch) nicht bewaeltigen zu koennen, deshalb dein Gang zur Rose, dein Blick zum Mond, dein Bewusstsein, dass du nicht alleine bist, dass Schoenes dir bei der Verarbeitung hilft. Also, S4: Pahhh, welch Statement fuer die Liebe der Mutter fuer ihre Kinder!, die sie trotz ihres eigenen Verlustes durch eigene Staerke zu tragen versucht/weiss. A.D., wow! LG, L.A.F. (hi, i), ich stell das jetzt ein, ohne es nochmals zu lesen, und hoffe, es ist nicht zu wahnsinnig

  3. #3
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    Zitat Zitat von AndereDimension Beitrag anzeigen
    Es ist die Rose, die sich müht,
    t
    Grüße,
    bin auf dem Absprung.(Muss in die Stadt)

    deshalb nur kurz:

    Sieh wie die Rose sich bemüht.

  4. #4
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    Man braucht kein Semester Germanistik zu studieren, o gute AD, um zu erkennen daß der letzte Vers hinkt.


    Es ist die Mutter, die euch liebt,
    die jeden Fels zur Seite schiebt,
    die von der Zuversicht bewegt,
    den Haushalt führt und Töpfe fegt.
    Es steht jedem frei mir zu widersprechen.

  5. #5
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    Hallo, A.D.,

    ich finde dein Gedicht sehr schön - vor allem von der Stimmung her, die es in mir erzeugt. Auf die Bemerkung von horstgrosse2 hin suche ich vergebens nach dem "Haken" im Gedicht bzw. im ersten Vers - nach etwas, das sich einem (mir) nicht gleich erschließt. Für mich ist es auf den ersten Blick nur gerade so geheimnisvoll, dass es mich anspricht und dass ich nicht den Wunsch verspüre, noch mehr zu gübeln. Geheimnisvoll (oder romantisch, ohne kitschig zu sein) wirkt auf mich in dem sehr ansprechenden Bild das, was sich am und vor dem Fenster abspielt: Die Person tritt ans Fenster und blickt in die Dunkelheit (sie hofft, dort etwas wider alle Vernunft zu sehen, nach dem sie sich sehnt, sie hofft, dort den Vater im milden Mondlicht zu sehen, dort, wo sie ihn zuletzt gesehen hat - am Gartentor.) Es ist so menschlich, so typisch, wenn man nicht begreifen kann, dass einen jemand verlassen hat; man hofft so sehr, dass er "dort" irgendwo ist!

    Der Sohn/die Tochter lässt sich nicht trösten, nicht von der Rose, die so vieles kann ..., nicht vom Mond, nicht vom leidgeprüften Bruder (der ja sein/ihr Schicksal teilt), - aber vielleicht von der Mutter, die wie jede Mutter Felsen beiseite schiebt (ein sehr starkes Bild!) und mit der ihr typischen Zuversicht ihr Kind zu trösten versucht? Es bleibt offen.

    Vielen Dank für das schöne Gedicht! Ich fühle mich, als sei ich die Person, die da vor dem Fenster steht und ihre Wehmut an das Glas haucht. Ich kann es nachvollziehen!

    Mich stört überhaupt nichts am letzten Vers (nur so nebenbei).

    Gruß, Hoya

    ***
    Nachtrag:

    Hallo, horstgrosse2, entschuldige, ich habe dich missverstanden! Du bemängelst oder ironisierst ja gar nichts - es ist ein Verbesserungsvorschlag!? In deiner Variante fällt aber der Gleichklang weg, mit dem jede Strophe beginnt; fände ich schade!
    Geändert von Hoya (04.12.2019 um 16:11 Uhr) Grund: Ergänzung
    "Wenn man das Leben nur auf eine Art betrachtet, gibt es immer einen Grund zur Sorge." Elizabeth Bowen

  6. #6
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    hallo AndereDimension

    ich muss Hoya zustimmen, ich sehe auch nicht was die Vorredner an den Zeilen stört, vermutlich ist es eher eine frage des eigenen empfindens?

    Es ist die Rose, die sich müht,
    damit sie dir am Fenster blüht,
    dort wo du abendlich erscheinst
    und leise um den Vater weinst.
    eine rose die sich müht dem lyr. du allabendlich etwas trost zu spenden (als wolle sie ihm Hoffnung sein) in dem sie einfach nur da ist um seine trauer etwas zu lindern mit ihrer Sanftmut und schönheit ist ein schönes und warmes bild
    der vater ist unvergessen und das wird durch die dauer des blühens ersichtlich, denn es dauert bis eine rose ein fenster überhaupt erreicht mitunter jahre, die trauer die durch diese lange zeit eigentlich hätte gelindert sein müssen wird am fenster immer wieder aufs neue offen, so sehr vermisst lyr.du
    die rose weißt auch daraufhin das viele andere äußere einflüsse sie daran hindern wollten überhaupt zu blühen.
    ein sehr eingängiges bild verpackt in einer guten metapher

    Es ist der Mond, der an dich denkt,
    der still sein Licht zur Erde lenkt,,
    auch dort, wo hinterm Gartentor
    sich eine letzte Spur verlor
    selbst der Mond der alles im blick hat schenkt lyr.du sein mitgefühl und ist gedanklich auf ihn gerichtet
    allerdings sehe ich nicht dass der vater verstorben ist, ist er verschollen bzw verschwunden?
    der vater gibt rätsel auf, da er ohne jede spur zu hinterlassen einfach lyr.du verlassen hat.
    demnach ist es die Ungewissheit die trauern lässt, denn wäre der vater gestorben hätte man vermutlich schon vor langem inneren frieden geschlossen, aus gewissheit

    Es ist dein Bruder, nebenan,
    der dir die Hand nicht halten kann,
    der nie mehr lachte, selten sprach,
    seit ihm das Herz im Abschied brach
    selbst der bruder hat sich dem lyr.du entfernt, da er mit seiner trauer um den verlust/das verschwinden auf seine weise selbst bewältigen will, aber anscheinend gab es einen abschied seitens des vaters dem bruder gegenüber, wohin gegen lyr.du ihn als spurlos verschwunden betrachtet. oder es ist eine Metapher dafür dass der bruder dem lyr.du eventuell die schuld gibt für das verschwinden des vaters und dem lyr.du einen abschied aussprach?
    (ein anderer gedanke wäre, das eventuell doch ein abschied stattgefunden hat am sarg des vaters, falls dieser doch gestorben ist, denn es verwundert mich, dass sich 2 brüder die haus an haus leben so nah und doch so fern voneinander sind. eventuell brachte es die Familie bzw die brüder auseinander und sie gehen damit ihre eigenen wege.)

    Es ist die Mutter, die euch liebt,
    die jeden Fels zur Seite schiebt,
    die von der Zuversicht bewegt,
    dir Trost in ihre Zeilen legt
    die mutter liebt ihre Kinder, sie ist der rest halt der die famile wohl noch einigermaßen zusammen hält? sie spendet dem lyr.du trost in offenen briefen, was eher einem beschwichtigen gleicht, denn ich frage mich, wieso schreibt eine mutter briefe und ist nicht persönlich da um ihr Kind zu halten und zu trösten, ihm zu zeigen dass es geliebt ist? sie ist wohl auch unerreichbar für das lyr.du? oder es sind schlichtweg nicht die finanziellen mittel da um eine reise zum lyr.du zu unternehmen, würde es sie nicht kümmern und bekümmern was das Kind tut, würde sie ja gar nicht erst schreiben. und wie es aussieht würde sie berge versetzen um lyr.du ihren trost zukommen zu lassen

    alles in allem ein schönes gedicht das eine sehr schöne bildliche sprache enthält.
    aber jetzt mit dem Gedanken daran dass die mutter sich um die Kinder sorgt und ihre eigene trauer nicht einmal erwähnt wird, sondern nur dafür steht dass es den kindern gut geht, frage ich mich ob es nicht auch etwas egoistisch ist die mutter mit ihrer trauer weitestgehend allein zu lassen, denn es wird nie davon gesprochen das lyr.du den trost oder die fürsorge der mutter entgegen nimmt, vielmehr verliert es sich in seiner trauer, jeden abend aufs neue

    mir fällt auch auf das alles in sich sehr entfernt von einander wirkt und abläuft und alle sich irgendwie auseinander gelebt haben, dennoch sind sie über die zeilen hinaus verbunden, das lese ich aus dem Paarreim a,a,b,b
    das ganze gedicht hat einen schönen aber traurigen und sehnenden melancholischen Unterton
    leises vermissen nicht nur dem vater gegenüber dringt dadurch zwischen den zeilen mit
    gerne gelesen
    lg mythenfreund

    der still sein Licht zur Erde lenkt,,
    ist da eventuell ein komma Zuviel?

    gibt es eventuell eine Verbindung zu mutter und rose? die rose steht am anfang des gedichtes und die mutter am ende, in Anbetracht darauf dass sich das lyr.du jeden abend trauernd am fenster anfindet, könnte es auch auf ein sich wiederholendes gedicht hinweisen, dessen ende wiederrum der anfang ist
    wäre eine schöne Idee

    ps:

    seit ihm das Herz im Abschied brach
    ist die personenform richtig? es wird im ganzen gedicht vom lyr.du in "dir"-form gesprochen, und da steht "ihm" als wäre der erzähler jetzt an uns gerichtet wo es vorher immer in erzählform das lyr.du angesprochen hatte

    Es ist die Mutter, die euch liebt,
    die jeden Fels zur Seite schiebt,
    die von der Zuversicht bewegt,
    dir Trost in ihre Zeilen legt
    da in z1 von "euch" die rede ist ist mir nicht ganz klar warum in z4 wieder nur das lyr.du vom erzähler angesprochen wird
    vielleicht ja

    Euch Trost in ihre Zeilen legt

    oder

    Euch Trost in Form von Zeilen legt

    natürlich nur vorschläge
    ich sehe es wurde schon angesprochen

    sich eine letzte Spur verlor
    sich seine
    wurde zwar auch schon angesprochen klingt aber durchaus plausibel
    Geändert von Mythenfreund (04.12.2019 um 21:26 Uhr)

  7. #7
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    @AD

    Grüße,

    Ja meine Einlassungen,

    Zitat:

    Sieh wie die Rose sich bemüht

    Ist nicht metrischen Ursprung, eher zur Harmonie des ganzen Satzes gedacht. Das hat wohl nicht Jeden geschmeckt siehe Kommentar der Nachfolgenden.
    Und ich habe noch etwas,

    Zitat:

    sich eine letzte Spur verlor

    In:

    sich seine letzte Spur verlor. seine auf -Mond bezogen.

    Mehr Vorschläge habe ich nicht.

    Höchstens Interpunktion??

    Ach so,

    Daumen nach oben.

    Tschüss.
    Geändert von horstgrosse2 (04.12.2019 um 19:06 Uhr)

  8. #8
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    Hallo AD,

    erneut ein Gedicht von dir, das mich achtungsvoll mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen nicken lässt.

    Beim ersten Lesen stiess ich mich allerdings beim "Licht" des Mondes. mMn passt Schein besser (was allerdings metrisch nicht passt), aber google half bei der Aufklärung: Mondlicht passt. Also alle meine Sorgen diesbeueglich umsonst.
    trotzdem eine Alternative, um mich in meiner Verkopftheit zu beruhigen:
    der still das Licht zur Erde lenkt,
    das Licht (der Sonne) lenken --> damit passt auch das kritisierte lenken besser (als senken)

    Zitat Zitat von horstgrosse2
    sich seine letzte Spur verlor. seine auf -Mond bezogen.
    "sich" stimme ich zu, allerdings mit Bezug auf den Vater. (beruht natuerlich nur auf meiner Spekulation)

    Zitat Zitat von horstgrosse2
    Sieh wie die Rose sich bemüht
    Nimmt den Aufbau des Gedichtes und mit Imperativ denke ich auch eher an die Betonung der ersten Silbe (also fuer mich auch metrischer Wechsel)

    dort, wo... S1 wie S2; Geschmackssache, aber ich mag die entstehende Pause in diesem Falle in S1

    Es ist die Mutter, die euch liebt,
    die jeden Fels zur Seite schiebt,
    die von der Zuversicht bewegt,
    dir Trost in ihre Zeilen legt
    euch Trost in ihre Zeilen legt

    Zitat Zitat von horstgrosse2
    Daumen nach oben.
    Auch von mir, wenngleich das eine andere Wertigkeit hat.
    Sehr gerne gelesen.

    Edit: Der Titel ist der Wahnsinn!!

    lG
    k1
    Geändert von k1nd3Rr13g3L (04.12.2019 um 20:30 Uhr) Grund: Edit
    meine bescheidene Meinung

    Hüpfburg

  9. #9
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    Hallo AD,

    obwohl zu Deinem Gedicht schon viel gesagt wurde, finde ich es so sehr berührend, sodass ich auch noch gerne ein paar Worte hinterlassen möchte:

    Interpretationsmöglichkeiten gibt es viele und ich halte mich bewusst zurück, um Deine Gedanken, die Du beim Schreiben Deines Gedichtes hattest, nicht zu verfälschen.

    Das Lyrich ist traurig, weil der Vater nicht mehr da ist. Alles Weitere sind Spekulationen.

    Ein sehr emotionales Gedicht, welches dem Leser unterschiedliche Bilder vor Augen führt und zum Nachdenken anregt. Das nenne ich Kunst.

    Einziger Kritikpunkt ist, dass es anfangs so aussieht, dass Du die Verse in Interpunktionszeichen setzt, die sich im weiteren Verlauf hin und wieder verlieren.

    Sehr gerne gelesen.

    Liebe Grüße
    Dabschi
    Man trägt das vergangene Schöne wie ein kostbares Geschenk in sich.
    (Dietrich Bonhoeffer)

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