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    Massenschlägerei

    Schnell war unser Trupp vollständig,
    Zum Aufwärmen hockten wir uns um ein Feuer.
    Manche waren schon leicht angetrunken,
    und wir fühlten uns ungemein stark.
    Testosteron verstärkte unser Zusammengehörigkeitsgefühl,
    das war schließlich etwas für beinharte Männer.
    Viele kamen mit Äxten, Beilen und Macheten,
    zum Äußersten entschlossen, zu allem bereit,
    koste es heute, was es wolle.

    Ich war zum ersten Male dabei
    und nahm noch einen kräftigen Schluck.
    Eine Alte steckte mir ein Messer zu und nickte stumm.
    Ja, wir würden sie schlagen, Axel hatte alles im Giff.
    Er prüfte die Ausrüstung und sprach mit uns kurz die Taktik durch.
    Wir waren gut, und hochmotiviert.
    Jeder von uns würde sich einen einzeln vorknöpfen.
    Sie mussten gefesselt werden.
    Und wenn jemand Hilfe benötigte: laut rufen.
    Sofort würden wir füreinander einspringen.
    Axel klopfte mir auf die Schultern.

    Punkt sechzehn Uhr zogen wir los.
    Sie warteten im Wald auf uns.
    Einer war mir schon von Weitem aufgefallen.
    Der könnte meine Kragenweite sein!
    Manche müssen nur mal kurz zuechtgestutzt werden,
    hatte die Alte gesagt, dann ist die Sache schnell klar.
    Ohne Umschweife ging ich auf ihn zu, packte ich ihn
    und schüttelte ihn kräftig durch,
    dann schlug ich ohne Vorwarnung zu. Ich schwitzte.
    Schnell waren wir ineinander verkeilt.

    Immer wieder schlug ich auf ihn ein.
    Er kratzte, und verpasste mir einige Schrammen.
    Ich hätte keine andere Chance gehabt.
    So, wie er sich vor mir aufbäumte, konnte ich nicht anders,
    da waren sich die Umherstehenden schnell einig.
    Ein zäher Hund, wie sich herausstellen sollte,
    und bald schon waren meine Finger blutig.
    Zum Schluss fiel er vor mir um, wie ein Baum.
    Ich hatte gewonnen, und genoss die raunende Anerkennung,
    weil es mir keiner zugetraut hätte.
    Die meisten waren bereits fertig und ebenso erschöpft.
    Von uns schien keiner ernsthaft verletzt.

    Keuchend sank ich nieder. Leichter Frost stieg auf.
    Ich war glücklich und doch nicht zu sehr angetrunken,
    um ihn hier einfach liegen zulassen.
    Ein Sieg nach Punkten.
    Widerborstig wehrte er sich plötzlich,
    bis ich ihn doch noch gefesselt bekam
    und ins Auto gezerrt hatte. Ich brauchte keine Hilfe.
    Stolz fuhr ich zu Gabi.

    Sie schrie. Und während ich versuchte, sie zu beruhigen,
    schleifte ich ihn mit blutigen Fingern
    und Gummistiefeln über ihren frisch geputzten Flur.
    Als ich ihn mit einem Ruck
    um die Ecke zerren wollte,
    wehrte er sich immer noch und mit einem Mal schlug er zurück.
    Schon peitschte mir ein kräftiger Nadelhieb ins Gesicht.
    Für einen Moment sah ich Sternchen.
    Nimm die Axt, kreischte Gabi, der ist zu dick!
    Ab jetzt waren wir zu zweit. Gabi tupfte meine Stirne.
    Er hatte keine Chance mehr.
    Es wurde ein gemütlicher Abend.
    Geändert von Anjulaenga (19.12.2019 um 12:30 Uhr)

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