Thema: Als du gingst

  1. #1
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    Als du gingst

    Als du gingst
    fiel eine Träne
    auf die Lärchen
    nadeln im Badewasser
    schwer legte sich der Duft
    des Vergessens unter die Haut.



    Als du gingst,
    fiel eine Träne
    auf die Lärchen -
    Nadeln im Badewasser,
    schwer legte sich
    der Duft des Vergessens
    unter die Haut.
    Geändert von Hoya (20.12.2019 um 11:09 Uhr) Grund: Vorschläge Gugol und Mythenfreund
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  2. #2
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    Hey Hoya, ach das gefällt mir. Ganz unpoetisch gemeckert würde ich aber sagen, eine Träne kann höchstens auf eine Lärche fallen. Wäre es meins, würde ich ausserdem in Z5 auf Präsens wechseln, einerseits aus inhaltlichen Gründen - ich sehe mich als Leser traurig in der Wanne liegen - und andererseits aus rhythmischen, weil du mit "legte sich der" drei unbetonte Silben hintereinander hast, was sich etwas sperrig liest. LG gugol

  3. #3
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    hallo Hoya und Gugol

    schwer legte sich der Duft

    nicht böse gemeint aber, mir persönlich ist es irgendwie überhaupt nicht möglich 3 unbetont aufeinander folgende silben zu lesen und im Kontext sehe ich auch nicht warum das hier anders sein sollte
    wenn man

    schwer legt sich der Duft

    daraus formt,
    verschiebt das höchstens den betonungsschwerpunkt auf "legt", der aber aus dem Kontext heraus gar nicht sinn des gedichtes ist, da "schwer" bei mir betont schwerer wiegt, für mich wirkt "legt" mehr wie ein füllwort
    soll nicht auch laut Kontext die "schwere" des Duftes vermittelt werden?
    vielleicht ist das aber auch eine auslegungssache?
    für mein ohr ist das ganze gedicht stockend
    vermutlich ist das Problem bei "schwer - legt" eher, dass sich beide worte so gleichbetont erscheinen? gibt es auch gesenkte spondäen?
    eine Zäsur hinter "schwer" könnte abhilfe schaffen

    schwer, legte sich der Duft

    falls eine sinnpause da zielgebend war meine ich

    xxX
    XxxXx
    xxXx
    XxxXxXx
    XxxXxX
    xxXx || XxxX

    gefühlt steht für mich nach jeder zeile eine lesepause an

    das aber eine träne auf mehrere Lärchen fällt wirkt auf mich auch etwas unstimmig

    lg mythenfreund
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  4. #4
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    schwer legte sich der Duft
    oder
    schwer legte sich der Duft
    neu:
    schwer legt sich der Duft
    passt metrisch viel besser zu den vorangehenden Zeilen, finde ich. Schwer unbetont zu lesen, käme mir im Traum nicht in den Sinn und legen muss für mein Ohr auch betont sein. Diese zwei betonten Silben hintereinander gefallen mir aber hier sehr gut. LG

  5. #5
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    ok dann vermute ich wahrscheinlich richtig, dass es sich wohl nur um das fehlen einer sinnpause handelt?
    denn für mich klingen die worte "schwer und legt" nachwievor gleichlaut, wie ein spondäus in gesenkter form, was auch auf die länge des vokals zurückzuführen ist
    könnte man das nicht auch umgehen indem man

    schwer liegt der Duft

    stattdessen umsetzt?

    oder dem wort "schwer" eine eigene zeile widmet?
    lg mythenfreund

    je mehr ich drüber nachdenke desto mehr kriege ich das gefühl, das genau diese Äquivalenz der beiden worte, das gleiche bedeutend, sinn und zweck ist und in mir fragen aufwerfen soll
    da sie fast schon eine gleiche sinnbedeutung haben "schwer legt" - "tief liegt" - "hoch oben"
    ja ich glaube äquivalent trifft es ganz gut
    aber gerade das ruft in mir die Ansicht hervor, dass es sich bei "legte" nur um ein Füllwort handeln könnte
    Geändert von Mythenfreund (11.12.2019 um 10:55 Uhr)
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  6. #6
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    Hallo, Gugol, hallo Mythenfreund,

    danke für das Auseinandersetzen mit meinen Zeilen!

    Ich hatte eher befürchtet, dass die "Lärchennadeln" - getrennt und "Nadeln" groß geschrieben -, wie ich sie verwendet habe, anecken würden; habe hin und her probiert (mit Trennungsstrich, die Anfangswörter klein und dann alles klein geschrieben), habe es aber schließlich so gelassen, weil ich den Effekt der Nadeln in der Badewanne erhalten wollte.

    Das "schwer legte sich" war nur die letzte Variante, und beim Lesen entstand für mich tatsächlich eine recht lange Pause hinter "schwer". Das "schwer" in einer Extrazeile würde mir zu verloren vorkommen.

    Ja, Mythenfreund, "legte" soll das "schwer" noch schwerer machen und kann, so gesehen, als Füllwort gelten. Mir war darum auch wichtig, dass es "unter die Haut" und nicht "auf die Haut", wie es richtig wäre, lautet. Du hast sehr gut nachvollzogen, was ich sagen wollte!

    Gugol, am Ende in die Gegenwart wechseln, finde ich vom Verständnis her nicht so gut, weil das LI vom schmerzlichen Geschehen Abstand gewinnen und es gerne hinter sich lassen will, - auch wenn du wahrscheinlich recht hast, dass es metrisch besser passen würde. Leider verstehe ich davon nicht so viel. Das Gedicht, wenn man es so nennen kann, ist so kurz, und ich möchte die Aussage erhalten, sonst macht es keinen Sinn.

    Vielleicht wäre das Problem mit der ursprünglichen Form gelöst:

    Als du gingst,
    fiel eine Träne
    auf die Lärchen
    nadeln im Badewasser,
    legte sich der Duft
    des Vergessens
    schwer unter die Haut.

    (Hier kommt es mir vor, als würde vor "legte" etwas fehlen ...)

    Vielleicht noch so:

    Als du gingst,
    fiel eine Träne
    auf die Lärchen
    Nadeln im Badewasser.
    Der Duft des Vergessens
    legte sich schwer
    unter die Haut.

    Mir gefällt immer noch die Variante ganz oben am besten.

    Wenn eine Träne auf mehrere Lärchennadeln fallen soll, ja, dann müssten sie im Wasser geballt zusammenstehen. Das ist mir auch bewusst; eine einzelne Träne schien mir poetischer. Aber, man könnte auch sagen: "Als du gingst, fielen Tränen ..."

    Wie schon gesagt, am schwierigsten zu lösen scheint mir der Zeilenumbruch "Lärchen / Nadeln", damit es grammatikalisch nicht so scheußlich herüberkommt. Aber heute scheint ja vieles möglich. (Habe darum zwischen dieser Rubrik und der für experimentelle Lyrik geschwankt.)

    Ich freue mich, dass ihr vorbeigeschaut habt und danke nochmal für die Anregungen! Sie sind auf alle Fälle hilfreich.

    Liebe Grüße,
    Hoya
    Geändert von Hoya (12.12.2019 um 06:06 Uhr) Grund: hinzugefügt
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  7. #7
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    Oh, auf die Lärchennadeln im Badewasser! Na dann ist alles klar, und ja, dann darf das Bad nicht im Präsens sein. Ich stellte mir vor, dass da ein Freibad oder eine Freiluftbadewanne unter Lärchen in einem Pärklein steht und die Nadeln wegen oder mit der Träne vom Baum drüber ins Wasser fallen. Aber nein, da ist ein Lärchennadelbad, in das die Träne fällt. Das gefällt mir gleich nochmal besser und ist also alles, wie ich es auch als stimmig empfinde. "nadeln" klein geschrieben würde mir helfen. LG gugol

  8. #8
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    nadeln im badewasser
    das ist wundervoll, liebe hoya
    kp
    Kinder, jetzt gilt's ernst!
    Sie quatschen im Cybertalk
    über Cybersex.

    (StadtHaiku)

  9. #9
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    auf die Lärchen
    Nadeln im Badewasser
    ohne einen Bindestrich ist es schwer ersichtlich
    aber im nachhinein jetzt tatsächlich nachvollziehbar

    ich war ohnehin verwundert wie ich vom ort über den Lärchen plötzlich in einer Wanne voll Nadeln sitze
    ich hatte keine Verbindung konkret aufbauen können
    lärchennadeln als badezusatz hatte ich überhaupt nicht in betracht gezogen

    du müsstest an "schwer legte" gar nichts ändern, aber ein Gedankenstrich wäre vielleicht eine gute lösung?
    er wäre Bindeglied und trennsel zu gleich
    im Endeffekt bleibt es dir überlassen was du tust
    schade nur, dass ich auf die bilder erst nach einer Erklärung deinerseits stoße, das tat mir im nachhinein tatsächlich leid
    lg mythenfreund
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  10. #10
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    Zitat Zitat von Hoya Beitrag anzeigen
    Als du gingst
    fiel eine Träne
    auf die Lärchen
    Nadeln im Badewasser
    schwer legte sich der Duft
    des Vergessens unter die Haut.
    Grüße,

    habe die Erörterungen gelesen, meine Variante:

    Als du gingst
    fiel eine Träne
    auf die duftenden Lärchen
    Nadeln im Badewasser

    Doch noch schwerer
    legte sich der Geruch
    des Vergessens unter die Haut.

  11. #11
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    Danke Euch für die netten Kommentare!

    Dein Gedicht ist viel schöner, horstgrosse! Auch wenn mir die erste Strophe einen Hauch von Hochgefühl vermittelt - wahrscheinlich durch die "duftenden LärchenNadeln", was ich natürlich nicht beabsichtigte.

    Der Bindestrich ist verlockend, Mythenfreund; gefällt mir! Zumindest, Gugol, müsste ich die "Nadeln" klein schreiben - sehe ich auch so. Das kommt meiner Variante am nächsten.

    kp danke, - wie schön!

    Liebe Grüße, Hoya
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