1. #1
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    Hein, der Rauschgoldengel

    Erst flattert 's wild, dann folgt ein Rauschen …
    Schon saust vom Himmel, keuchend, Hein.
    Er, dessen Ankunft Krähen lauschen,
    fliegt taumelnd, rückwärts, querfeldein.

    Die Landung glückt an einem Weiher.
    Er steht im Modder, knöcheltief.
    Das ist ihm alles nicht geheuer –
    er merkt sofort, hier läuft was schief.

    Sein Dienstbeginn ist elf Uhr dreißig.
    Er hat es eilig, Zeit ist knapp.
    Als Rauschgoldengel dient er fleißig,
    doch heut macht er wohl vorher schlapp.

    Sein gülden Haar in langen Locken
    bringt er noch schnell zu rechtem Sitz.
    Die Pracht blieb sauber und auch trocken
    – der Pflegeaufwand ist kein Witz!

    Er blickt herab. „Mein Saum mit Sternen!
    Total verdreckt! Ich glaub ’s ja kaum!
    Och, nee! Wie soll ich das entfernen?
    So zier ich keinen Weihnachtsbaum!“

    Er meldet sich, wie ’s Engel sollen,
    im Himmel beim Sankt Nikolaus:
    „Bin zwar gelandet, doch verschollen
    – die Himmels-Map-App ist ein Graus!

    Steh hier im Matsch, bin ganz besudelt,
    voll Schmutz sind Füße und Gewand!“
    Statt Antwort nur ein Liedchen dudelt
    als Warteschleife leis vom Band.

    So kommt es, dass des Christbaums Spitze
    bei Meyers bleibt nun ungeschmückt,
    denn Hein hielt sich für nicht mehr nütze
    und hat sich himmelwärts verdrückt.

  2. #2
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    liebe cori

    habe gerade dein gedicht gelesen.einfach klasse.
    wo holst du nur die idee her so zu schreiben? mir fällt so etwas lustiges nie ein.

    liebe cori
    ich wünsche dir ein frohes weihnachtsfest und alles gute fürs neue jahr

    liebe grüsse margot

  3. #3
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    Liebe Margot,
    es freut mich, dass Dir mein Rauschgoldengel-Gedicht gefällt - vielen Dank für Deinen tollen Kommentar.
    Ich wünsche Dir ebenfalls frohe Festtage und einen schönen Jahreswechsel.
    Viele liebe Grüße
    Cori

  4. #4
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    Hallo Cori!
    Köstlich diese Ironie auf den Weihnachtsflitterkram.
    Moder schreibt man nur mit einem d. Oder hast du
    was anderes gemeint?
    LG Alfredo

  5. #5
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    Der arme Hein! So hat er sich Weihnachten bestimmt nicht vorgestellt...

    Deine etwas andere Weihnachtsgeschichte gefällt mir gut, Cori!

    Einen Vorschlag hätte ich noch, um die Inversionen am Ende loszuwerden:

    Statt einer Antwort aber dudelt
    ein Warteschleifenlied vom Band.

    So bleibt des Christbaums schlichte Spitze
    bei Meyers diesmal ungeschmückt,

    Liebe Grüße,
    Stefan
    Humorvolle Lyrik ist der Hofnarr der Poesie

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