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Thema: 64!

  1. #16
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    Hallo!

    Wer Gedichte schreibt, kann machen, was er will. Andererseits haben lyrische Muster wie zum Beispiel eine Strophe für gewöhnlich eine Art „innere Notwendigkeit“, und wenn man diese Strophe verwendet, wird man bei Beachtung dieser Notwendigkeit zu besseren Ergebnissen kommen, als wenn man sich ihr gegenüber gleichgültig verhält?!

    Das einzelne 64-Verspaar hat, wie gesehen, oft (! keinesfalls: immer) einen zweiteiligen Aufbau: Der erste Vers stellt einen Zusammenhang vor, der zweite ordnet ihn ein; oder „Erwartung und Aufschluss“, wie es die alten Theoretiker genannt haben. Dieser Aufbau ist selbstredend auch im Vierzeiler häufig! Ich wähle als Beispiel die vielleicht grundlegendste Art der Verdopplung: von 64 auf 6644! Die Versschlüsse wähle ich ausschließlich männlich; das ist zwar längst nicht so häufig wie der Wechsel der Versschlüsse, nimmt aber eine womöglich leicht ablenkende Größe aus dem Spiel. Es geht also um diese Strophe:

    6644M

    ◡ —, ◡ —, ◡ — | ◡ —, ◡ —, ◡ —
    ◡ —, ◡ —, ◡ — | ◡ —, ◡ —, ◡ —
    ◡ —, ◡ —, ◡ —, ◡ —
    ◡ —, ◡ —, ◡ —, ◡ —

    Gut. Als erstes der Paarreim:


    Hat einer etwan, Freund! zu wenig Zeitvertreib:
    Der schick' ein Schiff aufs Meer und nehme sich ein Weib,
    Denn schwerlich ist was auf der Welt,
    Das besser in Bewegung hält.



    Christoph Otto von Schönaich. Da wird die Zweiteilung sehr deutlich - die beiden Alexandriner stellen in ihrem größeren Raum den Zusammenhang vor, die beiden Vierheber begründen knapp das zuvor Gesagte, und der Reim unterstützt diese Zweiteilung.

    Dann der Kreuzreim:


    Verachte niemand nicht, obgleich du größer bist,
    Und mach', dass keiner sich vor deinem Anspruch scheu':
    Lieb einen, weil er würdig ist,
    Den andern, dass er würdig sei.



    Christian Wernicke. Hier leisten die Verspaare aus Alexandrinern und Vierhebern wieder die Aufteilung in Erwartung und Aufschluss; aber der Reim unterstreicht hier nicht das Auseinanderfallen der Strophe in zwei Halbstrophen, sondern er wirkt ihm entgegen, indem der die beiden Strophenhälften verklammert und so das Strophenganze stärkt!

    Das wird vielleicht noch deutlicher beim umfassenden Reim:


    Der Geist des Sterblichen, noch ungeprägt und roh,
    Wird durch das Schicksal erst zu seinem Wert gebracht!
    Wen Missgeschick nicht besser macht,
    Den macht das Glück nicht froh!



    Klamer Eberhard Karl Schmidt. Wie gehabt die Zweiteilung Erwartung-Aufschluss, gestaltet mit Alexandrinern und Vierhebern; dann aber der umfassende Reim, der in V4 den Klang aus V1 wieder aufnimmt, dadurch die Strophe wie eine Klammer einschließt und das Strophenganze betont und erfahrbar macht.

    Man sieht: Da arbeiten zwei verschiedene Gestaltungsweisen, aber nicht nebeneinander her oder gar gegeneinander, sondern sich ergänzend!

    Zum Schluss noch ein Beispiel mit wechselnden Versschlüssen und dem kürzeren Verspaar zu Beginn; der Eindruck der Einförmigkeit soll nicht aufkommen, denn wie gesagt: „64“ ist einen Formenraum, keine einzelne Form!


    4466wu

    ◡ —, ◡ —, ◡ —, ◡ —, ◡ a
    ◡ —, ◡ —, ◡ —, ◡ — b
    ◡ —, ◡ —, ◡ — | ◡ —, ◡ —, ◡ — b
    ◡ —, ◡ —, ◡ — | ◡ —, ◡ —, ◡ —, ◡ a


    Bei Übersendung meines Schattenrisses

    O du, mein einzig Glück auf Erden,
    Empfange hier mein Schattenbild;
    Doch wenn ein andrer je dein schönes Herz erfüllt,
    Dann lass ein guter Gott mich selbst zum Schatten werden.



    Johann Baptist von Alxinger. Das Übersenden, das Empfangen und das Sammeln von Schattenrissen war im 18. Jahrhundert sehr beliebt; Alxinger nutzt das hier für einen geistreichen kleinen Vierzeiler!

    Gruß,

    Ferdi

  2. #17
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    Hallo!

    Die 64er-Welt ist eine Welt des 18. Jahrhunderts; aber selbstredend finden sich Beispiele für solche Formen auch schon in Barock-Zeiten. Ich lese gerade Angelus Silesius' in vieler Hinsicht bemerkenswerte Heilige Seelenlust, und da findet sich als 195. Gedicht Sie hält die Hoheit Gottes und ihre Nichtigkeit gegeneinander. „Sie“ ist dabei „Die Psyche“!

    Du unvergleichlich Gut, wer wollte dich nicht lieben?
    Wer wollte nicht sein Herz um dich, o Gott, betrüben?
    Wer wollte nicht mit Geist und Sinn
    In dich, mein Jesu, wandern hin?


    Also 6644wp - durch die zusätzliche Silbe der Alexandriner verstärkt sich der Längenunterschied der Verspaare noch einmal! Inhaltlich bringt diese Einleitungsstrophe aber noch keinen Gegensatz, sondern eine Reihung.

    Du bist der ewge Glanz, den nur bloß anzuschauen
    Kein Engel würdig ist, kein Mensch sich kann getrauen!
    Und dennoch bist du mehr gemein
    Als immermehr der Sonnenschein.


    In der zweiten Strophe werden die Aufgaben der Verspaare deutlicher. In der dritten tritt das „Ich“ hinzu!

    Du bist die Majestät, der alles Ehr erzeiget,
    Der Herr, vor dem Erd, Höll und Himmel tief sich neiget.
    Und doch neigst du dich, Herr, so weit
    Zu mir, der schnödsten Schnödigkeit.


    Und nach dem so gefundenen Muster werden nun vier weitere Strophen in Reihung angeschlossen: Die Alexandriner schildern Gottes Größe anredend („Du“), die Vierheber, einsetzend mit „Und doch“, stellen dem das „Ich“ gegenüber:

    Du bist die Weisheit selbst, die ewiglich regieret,
    Der tiefeste Verstand, der alles glücklich führet.
    Und doch kommst du, mich hinzuführen,
    Dass auch ich soll mit dir regieren.


    Du bist das höchste Gut, du darfst kein Gut verlangen,
    Du selbst bist alle Lust, darfst keine Lust empfangen.
    Und doch verlangst du meine Brust
    Zu deiner ewgen Freud und Lust.

    Du bist die Schönheit selbst, du kannst nichts Schöners finden,
    Es kann dich nichts als nur dein eigne Schönheit binden.
    Und doch hat deiner Liebe Band
    Dich mir, dem Schatten, zugewandt.

    Du sitzest auf dem Thron, vor dem die Teufel zittern,
    Es kann in deinem Reich sich ewiglich nichts wittern.
    Und doch gibst du dich so herab
    Um mich bis in das Kreuz und Grab.


    Die Schlussstrophe nimmt dann in den Alexandrinern die Fragen der Eingangsstrophe wieder auf, ehe die Vierheber mit einem Wunsch das Gedicht schließen:

    O unvergleichlichs Gut, wie sollt' ich dich nicht lieben?
    Wie sollte sich mein Herz nach dir nicht stets betrüben?
    Ach wäre doch mein Geist und Sinn
    In dich schon ganz, mein Jesu, hin.


    - In vielerlei Hinsicht ein Text aus einer anderen Welt; aber wie hier die Strophe gestaltet wird, ist schon einen zweiten Blick wert!

    Gruß,

    Ferdi

  3. #18
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    Hallo!

    Ich schiebe kurz eine Beschreibung ein des Systems, nach dem ich die Strophen klassifiziere. Es verwendet im wesentlichen drei Größen:

    - Die Anzahl der Hebungen der einzelnen Verse: 4 steht für einen iambischen Vierheber, 6 für einen Alexandriner. 4464 meint also einen Vierzeiler, in dem auf zwei iambsiche Vierheber ein Alexandriner folgt, ehe ein weiterer iambischer Vierheber die Strophe schließt.

    - Für gewöhnlich enthalten vierzeilige 64er-Strophen zwei männlich-betont schließende Verse und zwei weiblich-unbetont schließende Verse. Folgt auf die Hebungsangabe ein m, schließt der erste Vers der Strophe betont, folgt ein w, schließt der erste Vers unbetont. Also etwa: 4464m, die schon angeführte Versverteilung, deren erster Vers hier männlich schließt!

    - Das Reimmuster wird durch p (Paarreim), k (Kreuzreim) und u (umfassender Reim) angegeben, also etwa: 4464mu. Damit ist die Strophe eindeutig beschrieben:

    4464mu

    ◡ —, ◡ —, ◡ —, ◡ — . . . . . . . . . . . . a
    ◡ —, ◡ —, ◡ —, ◡ —, ◡ . . . . . . . . . . b
    ◡ —, ◡ —, ◡ — | ◡ —, ◡ —, ◡ —, ◡ . b
    ◡ —, ◡ —, ◡ —, ◡ — . . . . . . . . . . . . a

    Weil ich nicht prächtig schmausen kann,
    Soll ich nicht fröhlich schmausen können?
    Will Flora, für mein Haar, mir holde Rosen gönnen;
    Was geht der Fürsten Pracht mich an?

    Johann Peter Uz, Die Zufriedenheit.

    Es gibt aber auch Ausnahmen. Die stelle ich so dar:

    M und W (statt m und w) meint, dass alle Verse der Strophe männlich (kommt schon mal vor) oder weiblich (sehr selten!) schließen.

    a und x (statt p, k, u) meint, dass alle Verse der Strophe denselben Reimklang aufweisen, oder dass die Strophe ungereimt ist (wobei bisher alle Beispiele wechselnden Versschluss aufwiesen). Beides ist ziemlich selten! Aber:

    6464wx

    ◡ —, ◡ —, ◡ — | ◡ —, ◡ —, ◡ —, ◡ . x
    ◡ —, ◡ —, ◡ —, ◡ — . . . . . . . . . . . . x
    ◡ —, ◡ —, ◡ — | ◡ —, ◡ —, ◡ —, ◡ . x
    ◡ —, ◡ —, ◡ —, ◡ — . . . . . . . . . . . . x

    Es leerte das Geschick auf jeden unsrer Tage
    Die bittersüßen Schalen aus:
    Den eingeschränkten Sinnen schmeichelt keine Freude,
    Die früher Ekel nicht vergällt.


    Joachim Christian Blum, An den Herrn Kammergerichtsrat Gause bei Beschluss des 1770sten Jahres.

    - Das zum Beispiel ist eine wirkungsstarke Strophe, die man auch für den heutigen Gebrauch in Betracht ziehen kann! ( Und von der ein gerader Weg zur Uz-Strophe führt, die wir ja schon einmal als Thema hatten.)

    Hm. Na gut, so weit; wenn noch etwas unklar ist, bitte fragen. Ich weiß auch gar nicht, ob das so geklärt werden muss, aber da heute eine PN mit einer Nachfrage eintrudelte bei mir, dachte ich, schaden kann es auch nicht ...

    Gruß,

    Ferdi
    Geändert von Ferdi (10.01.2020 um 20:46 Uhr)

  4. #19
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    Hallo!

    Ich komme noch einmal auf Angelus Silesius zurück. Die von ihm verwendete und von mir hier gezeigte Strophe, 6644wp, ist eine Form aus der 64er-Welt; aber ich glaube, die Entstehungsweise war eine andere!

    Im Barock wurde häufiger ein einzelnes Alexandriner-Paar um einige kürzere Verse erweitert und die so erhaltene Strophe dann für ein Gedicht verwendet. In der Heiligen Seelenlust finden sich verschiedene solcher Strophen, angefangen mit Alexandriner-Paar + ungereimter Dreiheber in Sie findet ihre Liebe am Kreuze; aber auch ganze Strophen werden ergänzt, zum Beispiel in Sie sehnt sich in den lieblichen Abgrund Gottes zu versenken:


    Du wahres Paradeis, du ew'ger Frühlingsgarten,
    Du breites Blumenfeld von unerhörten Arten,
    Wann werd' ich von der wüsten Erden
    In deine Lustbarkeit versetzt?
    Wann werd' ich deiner würdig werden
    Und ewig sein von dir ergötzt?



    Die Vierheber V3-V6 sind, für sich genommen, eine der häufigsten deutschen Strophenformen überhaupt; zusammen mit V1,V2 gehören sie aber in die 64er-Welt!

    Wieder andere Gedichte ergänzen das Alexandriner-Paar um einen mehrversigen Kehrreim, so in Die Psyche begehrt ganz und gar zu Gott:


    Du tausendliebster Gott, mein innigstes Verlangen,
    Mein ew'ges Freudenlicht, das mir mein Herz gefangen,
    Nimm mich doch ganz zu dir,
    Mein' einzige Begier,
    Nimm mich doch ganz zu dir.



    V3-V5 wird in jeder Strophe wiederholt! Von dieser Form aus (um zu einem Ende zu kommen, der Beispiele wären noch einige!) führt ein gerader Weg zurück zu 6644wp; In Ihre Liebe ist gekreuzigt erscheint diese Strophe nämlich ergänzt durch einen fünften Vers, einen männlich schließenden Vierheber, der als Kehrreim verwendet wird!


    Ich lebe nun nicht mehr; denn Christus ist mein Leben
    Und meine Lieb ist gar mit ihm ans Kreuz gegeben.
    Es wisse nun die ganze Welt,
    Dass mir nichts mehr an ihr gefällt,
    Weil meine Lieb gekreuzigt ist.

    Es herrscht in mir kein Feu'r der lüsternen Begierden,
    Mein Herze brennt auch nicht nach Pracht und eitel Zierden.
    Es kann kein Reichtum, Geld und Gut
    Verblenden meinen Sinn und Mut,
    Weil meine Lieb gekreuzigt ist.

    Ich habe keine Lust an den geschaff'nen Dingen,
    Mir kann, was zeitlich ist, nicht eine Freude bringen.
    Des Fleisches Schönheit und ihr Ruhm
    Scheint mir wie eine blasse Blum',
    Weil meine Lieb gekreuzigt ist.

    Es darf sich nun nicht mehr die Welt um mich bemühen,
    Sie wird mein Herze nicht zu ihrer Liebe ziehen.
    Ich lieb' und küss' auch in dem Tod
    Den süßen Jesum, meinen Gott,
    Dem meine Lieb gekreuzigt ist.



    Das ganze Buch und jedes Gedicht in ihm arbeitet mit Häufung, Wiederholung und Abwandlung; und da fügt sich so ein Kehrreim, der dreimal wiederholt und dann, in der Schlussstrophe, doch einmal leicht verändert wird, allemal sinnreich ein!

    Ihr seht: Das ist alles ein großer Baukasten, aus dem man Teile auswählen und neu zusammenfügen kann, ganz, wie der eigene Geschmack, der Gegenstand des zu schreibenden Gedichts und die heutigen Umstände es fordern; und irgendetwas passendes ist immer dabei!

    Gruß,

    Ferdi

  5. #20
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    Hallo!

    Eine kurze Reise auf "die andere Seite" des 18. Jahrhunderts - im 19 Jahrhundert hat Emanuel Geibel in einem Jugendgedicht acht Alexandriner und einen schließenden Vierheber in einer interessanten Strophe verbaut. Zwei davon aus "Welt und Einsamkeit":

    Rühmt alles immerhin, die Pracht, das dunkle Feuer,
    Das aus den Augen flammt, die man in Liedern preist,
    Die Klugheit, die dies Meer befährt mit sicherm Steuer,
    Den leichtbewegten, ach, so oft missbrauchten Geist;
    Rühmt mir den Ambraduft der hohen Teppichzimmer,
    Den Silberschmuck, der Glanz der würz'gen Tafel leiht,
    Den Wein, der wie Rubin erglüht im Kerzenschimmer,
    Der Mädchen süß Geschwätz - ihr lockt, ihr lockt mich nimmer;
    Ich wähle dich, o Einsamkeit!


    Dich, hohe Zauberin, die wandelt in den Forsten,
    Wo kaum ein fleckig Reh durchs Brombeerdickicht rauscht,
    Die auf dem Inselfels von kahlen Geierhorsten
    Dem ewiggleichen Schlag der Meereswoge lauscht,
    Die ihren Wohnsitz hat auf Schlössern, längst verlassen,
    Wo Efeulauben sich um Tor und Söller baun,
    Und nur bei tiefer Nacht betritt der Städte Gassen,
    Um Kirch' und Erkerturm und düstre Giebelmassen
    Im Mondenglanze zu beschaun.


    Da überwiegt sicherlich der Eindruck der Alexandriner und der in ihnen gebotenen Daseinsfülle; aber die Rolle der die Strophen nachdrücklich schließenden Vierheber ist nicht gering, auch im Zusammenspiel mit dem Reimschema!

    Gruß,

    Ferdi

  6. #21
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    Hallo!

    Wenn wir schon im 19. Jahrhundert sind, darf natürlich Ferdinand Freiligraths "Der Alexandriner" nicht fehlen, geschrieben in einer gelegentlich nach Freiligrath benannten Schweifreimstrophe:

    ◡ —, ◡ —, ◡ — | ◡ —, ◡ —, ◡ — . a
    ◡ —, ◡ —, ◡ — | ◡ —, ◡ —, ◡ — . a
    ◡ —, ◡ —, ◡ —, ◡ —, ◡ . . . . . . . .b
    ◡ —, ◡ —, ◡ — | ◡ —, ◡ —, ◡ — . c
    ◡ —, ◡ —, ◡ — | ◡ —, ◡ —, ◡ — . c
    ◡ —, ◡ —, ◡ —, ◡ —, ◡ . . . . . . . .b

    Die schreibe ich auch gern, sie hat Bewegung und Raum! Bei Freiligrath klingt das dann so:


    Spring an, mein Wüstenross aus Alexandria!
    Mein Wildling! - solch ein Tier bewältiget kein Schah,
    Kein Emir, und was sonst in jenen
    Östlichen Ländern sich in Fürstensätteln wiegt; -
    Wo donnert durch den Sand ein solcher Huf? Wo fliegt
    Ein solcher Schweif? Wo solche Mähnen?

    Wie es geschrieben steht, so ist dein Wiehern: Ha!
    Ausschlagend, das Gebiss verachtend, stehst du da;
    Mit deinem losen Stirnhaar buhlet
    Der Wind; dein Auge blitzt, und deine Flanke schäumt: -
    Das ist der Renner nicht, den Boileau gezäumt,
    Und mit Franzosenwitz geschulet!

    Der trabt bedächtig durch die Bahn am Leitzaum nur;
    Ein Heerstraßgraben ist die leidige Zäsur
    Für diesen feinen, saubern Alten.
    Er weiß, dass eitler Mut ihm weder ziemt noch frommt:
    So schnäufelt er, und hebt die Hüflein, springt, und kommt
    Ans and're Ufer wohlbehalten.

    Doch dir, mein flammend Tier, ist sie ein Felsenriss
    Des Sinai; - zerbrecht, Springriemen und Gebiss! -
    Du jagst hinan - da klafft die Ritze!
    Ein Wiehern und ein Sprung! dein Hufhaar blutet, du
    Schwebst ob der Kluft; dem Fels entlockt dein Eisenschuh
    Des Echos Donner und des Kiesels Blitze!

    Und wieder nun hinab, wühl' auf den heißen Sand!
    Vorwärts! lass tummeln dich von meiner sichern Hand,
    Ich bringe wieder dich zu Ehren.
    Nicht achte du den Schweiß! - sieh', wenn es dämmert, lenk'
    Ich langsam seitwärts dich, und streichle dich und tränk'
    Dich lässig in den großen Meeren.


    Gruß,

    Ferdi

  7. #22
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    Hallo!

    Tja, hm: Sieht aus, als wäre ich schon wieder tief im "Mit-Mir-Selbst-Reden-Gebiet" ... Da ist es dann sicher sinnvoll, diesen Faden einzumotten. Wer etwas aus ihm für sich mitnehmen möchte, tue das bitte innerhalb der nächsten zwei Wochen! Danach schließe ich ihn dann.

    Man Dank für's Hereinschauen und Mitmachen,

    Ferdi

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