1. #1
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    Was ist eigentlich Kitsch? Versuch einer Antwort

    Was ist Kitsch? Beispiele für Kitsch zu nennen, fällt nicht schwer. Das sind die Groschenromane, die von der Liebe der verwaisten Krankenschwester zum Chefarzt handelten, das war der röhrende Hirsch im deutschen Wald, der in den guten Stuben hing, das waren die Sissi-Filme unsrer Kindheit, die eine unkomplizierte, im Grunde heile Welt heraufbeschworen, die es nie gab. Deutlich schwieriger aber ist es, das Phänomen Kitsch begrifflich zu fassen. Wir kommen der Sache näher, sobald uns klar wird, dass alle hier angeführten Beispiele von Kitsch auf Reproduzierbarkeit und weiteste Verbreitung abzielen. Das Muster, armes Mädchen heiratet mächtigen, aber einsamen Mann, hat Zehntausenden von Heftchenromanen als Vorlage gedient, noch in den 50 shades of gray ist es erkennbar, der röhrende Hirsch zierte Hunderttausende deutscher Wohnzimmer und die junge Romy Schneider begeisterte als fesche Sissi in Deutschland und Osterreich ein Millionenpublikum.

    Nun muss man sich darüber klar sein, dass solche Produkte der Kultur- und Unterhaltungsindustrie einen Massenmarkt bedienen und von vornherein auf diesen abzielen. In solchen Märkten besteht die Tendenz zur Vereinfachung und Standardisierung. Das gilt für Stahlträger wie für Liebesgedichte. Ein Produzent von Hervorbringungen der Kulturindustrie wird immer wieder solche Trivialromane, B-Movies, u dergl. in den Markt geben, deren Muster sich als zugkräftig und gut verkäuflich bewährt haben. Auch dem Käufer dieser Produkte bietet dieses Arrangement auf den ersten Blick Vorteile. Denn wenigstens weiß er, was er erwarten kann: Etwas weiße Salbe für seine seelischen Wunden, etwas Futter für seine Tagträume, eine Prinzessin oder ein Held zu sein. Kitsch ist zudem anstrengungslos konsumierbar, darum ist die Kulturindustrie eifrig bemüht, der es ja um die Verkäuflichkeit ihrer Erzeugnisse gehen muss. Anstrengungslos konsumierbar wiederum sind solche Produkte vor allem dann, wenn sie uns rasch auf einer emotionalen Ebene ansprechen. Darum schwelgt der Kitsch so gern im Gefühl.

    Halten wir also fest: Kitsch ist die Umsetzung einfach gestrickter kollektiver Träume, von Klischees und standardisierten Wünschen in einem Produkt der Kulturindustrie und damit aber streng genommen Antikunst. Denn wenn Kunst Selbst- und Welterkenntnis einschließt, im besten Falle auch das Rilkesche „Du musst dein Leben ändern“, dann ist Kitsch das Gegenteil von alledem, ist die Beruhigung im Bestehenden, ist das Sicheinrichten im Nächstliegenden. Kitsch trägt damit zur Verdummung bei, denn die Klischees, die der Kitsch bedient, sind häufig grobe Vereinfachungen, die zur Auseinandersetzung mit der Realität gerade nicht befähigen. Letzter Vorwurf gegen den Kitsch: Der Kitsch betrügt seine Konsumenten um die Begegnung mit dem eigenen Selbst, indem er sie auf das Glatte, gesellschaftlich Gängige, kollektiv Anerkannte zurückverweist. Denn das eigene Selbst wäre, wenn es sich denn bildet, immer mehr und anderes, als die Gesellschaft, die es umgibt.

    Noch ein Punkt ist mir in der Diskussion um den Kitsch wichtig: Der Kitsch hat seine eigene Geschichte. Kollektive Klischees sind nicht zeitlos. Das lässt sich im Bereich der deutschen Literatur vielleicht nirgends besser erkennen als am romantischen Gedicht. Zur Zeit als Heinrich Heine seine Gedichte schrieb, hatten sich die Klischees in der romantischen Poesie bereits fest etabliert und Heines Witz stammt zu einem großen Teil aus seinem ironischen Spiel mit diesen Versatzstücken. Heines Nachfolger ließen den Witz dann weg, tradierten die alten Muster (beispielsweise die Überbetonung der Emotionalität) aber immer weiter und es dauerte fasst bis zum Ende des Jahrhunderts, bis sich basierend auf Anstößen aus Frankreich in Deutschland auf dem Felde der Lyrik Neues tat. Diese Prozesse haben natürlich auch die Künstler selbst mitbekommen, Die Dynamik künstlerischer Avantgarden speist sich zum großen Teil aus der Furcht vor sich verfestigenden Erwartungen des Publikums, aus der Angst, sich zu wiederholen und wer weiß selbst irgendwann einmal kitschig zu werden.

    So dacht ich

    Onegin
    Geändert von Onegin (31.12.2019 um 22:30 Uhr)
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  2. #2
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    Zitat Zitat von Onegin Beitrag anzeigen
    Zur Zeit als Heinrich Heine seine Gedichte schrieb, hatten sich die Klischees in der romantischen Poesie bereits fest etabliert und Heines Witz speist sich zu einem großen Teil aus seinem ironischen Spiel mit diesen Versatzstücken. Heines Nachfolger ließen den Witz dann weg [und] tradierten die alten Muster (beispielsweise die Überbetonung der Emotionalität) [...].
    Vieles aus der Phase steht heute unter Kitschverdacht. Das ist aber auch die Zeit, in der die Lyrik ihre große Zeit hatte und aus der einige der Hobbydichterinnen und -dichter (ich meine das nicht abwertend) ihre Vorbilder beziehen.

    Die Grenzen zum Kitsch sind schwer zu ziehen. Jeff Koons hat Kitsch zu avantgardistischer Kunst verarbeitet. Und somit kann Kitsch kann durchaus Teil eines komplexen künstlerischen Prozesses sein. Aber ich denke, wir reden hier eher nicht von postmoderner Collagentechnik oder über den Kunstgriff einer Überhöhung wie im Camp.

    Das Lyrik ist wohl die Textform, die am anfälligsten für Kitsch ist, weil der Ausdruck der eigenen Gefühlswelt so sehr im Mittelpunkt steht. Wobei nicht die Gefühle die Problematik darstellen, sondern die Art, wie diese geäußert werden. Nämlich nicht selten in allzu naheliegenden, platten Bildern, denen die Originalität fehlt. Oder in einer Sprache, die bemüht romantisch klingt und doch eine Tiefe nur vortäuscht.
    Die ewige Liebe, der wallende Nebel und die mondlose Nacht sollen auch 2020 ihren Platz in den Gedichten haben, doch es kommt auf den Kontext an, in den sie gebettet werden und auf die Sensibilität beim Umgang mit der Sprache.
    Ironie, Gelassenheit und Selbstreflexion sind Eigenschaften, die dem Kitsch entgegen wirken und die nicht nur Dichterinnen und Dichtern gut zu Gesicht stehen.
    Nichts gegen eine Prise Gefühligkeit und Gefälligkeit, doch uninspirierter Schwulst in Dauerschleife darf ruhig bleiben, wo er hingehört, nämlich in den Tagebüchern.

  3. #3
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    Hallo leuchtendgrau,

    ich fände es bedauerlich, wenn mein kleines Aufsätzchen als generelle Kritik an der Lyrikpraxis in diesem Forum missverstanden würde. Ich habe hier Kunst und Kitsch idealtypisch wie Weiß und Schwarz einander gegenübergestellt, wo es in Wirklichkeit unzählige Schattierungen von Grau gibt. Bei komplexen Kunstwerken, nehmen wir einmal die Opern Puccinis, gibt es häufig Kitschelemente, die doch in das Ganze eines großen Kunstwerkes integriert sind.

    Es bedarf zudem eine gewissen Maßes an literarischer Erfahrung, um Kitsch als solchen wahrzunehmen. Wenn ich kaum Gedichte lese, kann ich auch nicht erkennen, dass hier nur ein Klischee, ein überkommenes Muster, eine Banalität versifiziert wurde. Daher kann es passieren, dass mir Texte, die ich einst als spannend und bewegend empfunden habe, beim Wiederlesen, Jahre später, nichts mehr sagen.

    Interessant ist zudem, dass die oben genannte Art literarischer Erfahrung durch kein Regelwissen über Verstechnik ersetzt weden kann. In diesem Forum ist von Verstechnik ja viel die Rede, denn das ist etwas, was man lernen und anwenden kann. Aber wann ist ein Bild banal, blass, überladen oder eben kitschig? Auch diesen Fragen muss sich der Lyriker stellen, kann dabei aber nicht auf Regeln zurückgreifen. Er ist auf seine eigenen persönlichen Erfahrungen angewiesen und auf die Rückmeldungen durch die Leser. Erstaunlicherweise ist sich die lyrische Community trotzdem häufig einig, ob Verse auf dieser Ebene geglückt oder missglückt sind.

    Noch ein Wort zu deinem Lyrikverständnis
    Lyrik ist wohl die Textform, die am anfälligsten für Kitsch ist, weil der Ausdruck der eigenen Gefühlswelt so sehr im Mittelpunkt steht
    Die Literaturwissenschaft gibt dir da nicht Recht. Die persönliche Gefühlswelt spielte in den Texten natürlich immer eine Rolle, stand aber für die meiste Zeit der europäischen Lyriktradition (die um 600 vor Chr. beginnt) eben nicht im Mitrelpunkt. Sappho und Catull waren Ausnahmen. Erst ab Mitte des 18. Jahrhunderts ändert sich das.


    Beste Grüße
    Onegin
    Geändert von Onegin (31.12.2019 um 22:32 Uhr)
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  4. #4
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    Hallo Onegin,
    Oh, da hast Du eines meiner Lieblingsreizthemen aufgegriffen und deshalb muss ich natürlich mitmischen. Hinter dem Begriff "Kitsch" stecken immer Zeitgeist, Konstruktionen von Sprache, Mode, gesellschaftlichen Entwicklungen, Bildungsbegriffe und kulturelle Absprachen.
    Der bunte Orient mutet dem Mitteleuropäer leicht kitschig an, das ewige Märchen vom Aschenputtel gibt es in vielen Kulturen und entspricht damit wahrscheinlich tatsächlich einer kollektiven Sehnsucht oder ist nach Jung eine Art Archetyp, ist das Kitsch?
    Mich nervt bei der Diskusssion immer die herablassende Arroganz eines gutbetuchten Bildungsbürgertums mit Zugang zu vielen Recourcen (Büchern, Medien, Informationen,Kunst, Museen...),das aufgrund dieser die vielleicht naive, vielleicht aber auch nur pragmatisch dem Überlebenskampf geschuldete Emotionalität und Sehnsucht der weniger privilegierten Menschen als unecht und kitschig aburteilt.
    Wir nennen einen tollen Sonnenuntergang(oder ein Photo davon) manchmal kitschig, kann denn ein natürliches Phänomen per Definitionem kitschig sein?
    Auch ich mag van Gogh's Sonnenblumen, aber ihr astronomischer Preis ist vor allem eine gesellschaftliche Absprache genau diesem Gemälde eine solche Bedeutung zu zu schreiben, d.h. der Preis beeinflusst massgeblich unsere Wahrnehmung neben Kriterien wie Technik, Farben, Bedeutung des Künstlers incl. seiner interessanten und tragischen Geschichte-objektive (gibt es die und welche sind das?) und vor allem subjektive Kriterien bestimmen den Wert (der so und so ist bereit so viel Geld dafür aus zu geben, der Experte hat das so und so dotiert, und hier kommen noch Kriterien, was einen Experten ausmacht, zum tragen...) es ist also in meinen Augen sehr vertrakt allgemeingültige, differenzierte und damit fundierte Aussagen über Kitsch und Kunst zu treffen.
    So weit erst mal!
    LG
    macin

  5. #5
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    Hallo macin

    halten wir das einmal fest, um Wiederholungen, Muster, Abgestandenes, allzu Glattes und Unterkomplexes als Kitsch in der Lyrik zu erkennen, dazu bedarf es schon einiger Erfahrung mit Gedichten. Dafür die Zeit, das Geld und die Bildung zu haben, ist ein Privileg. Da hast du schon recht. Aber heißt das, dass Kitsch nichts weiter ist als die willkürliche Vereinbarung einiger Kunstschnösel, bestimmte Kunstprodukte abzuwerten? Das wiederum glaube ich nicht. Denn diese Muster, Klischees, von denen sich der Kenner gelangweilt abwendet, bestehen ja tatsächlich. Der Kitschbergriff hat also ein objektives Fundament.

    Hinter dem Begriff "Kitsch" stecken immer Zeitgeist, Konstruktionen von Sprache, Mode, gesellschaftlichen Entwicklungen, Bildungsbegriffe und kulturelle Absprachen.
    Auch da stimme ich dir zu, der Kitsch von 1890 ist ein ganz anderer als der Kitsch von 2020 und das hat natürlich mit Zeitgeist, Mode, etwas zu tun. Die Analyse, die ich vorgelegt habe, geht aber weiter. Sie sagt, Kitsch ist die Hervorbringung eines Massenmarkts für Kunst im weitesten Sinne. In allen großen Märkten besteht aber eine Tendenz zu Vereinfachung und Standardisierung des Angebots. Das gilt für Kohlebriketts wie für Drehbücher. Wenn ich als Anbieter von "Kunst" ein primär merkantiles Interesse an meiner Produktion habe, verlasse ich mich auf das, was am Markt schon Erfolg hatte, auf das gängige Klischee, das überkommene Muster, das Unstreitige. Kitsch ist in diesem Sinne konservativ und hat damit auch eine politische Dimension.

    Demjenigen, der mit dem Kitschbegriff operiert, vorzuwerfen, er missachte die Emotionalität und Sehnsucht der Menschen, greift daher zu kurz. Er will nur nicht, dass sich diese Sehnsucht an minderwertigen Kunstprodukten stillt, die diese Gefühle um ihre potenziell welt- und selbstverändernde Kraft bringen.

    Sind unsere Träume nicht dazu da, verwirklicht zu werden?


    So dacht ich

    Gruß Onegin
    Love´s not Time´s fool W. S.

  6. #6
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    Hallo Onegin,
    Natürlich sind unsere Träume dazu da verwirklicht zu werden und auch ich glaube an die Möglichkeit mit Kunst Menschen, Zeitgeist zu bewegen oder Veränderungen zu ermöglichen, ich glaube sogar, dass es Qualitätskriterien gibt und damit auch Qualität, die Kunst von Kitsch unterscheidet.
    Dennoch masse ich mir nicht an darüber zu entscheiden, was für welchen Menschen schön und erfüllend zu sein hat.
    Kinder finden kitschige Dinge toll, weil die banale Schlichtheit gerade ihrer emotionalen Entwicklung entspricht-willst Du ernsthaft sagen, sie dürfen nur mit qualitativ hochwertiger Kunst gebildet werden, auch wenn sie das noch vollkommen überfordert?
    Natürlich gibt es eine politische Dimension in der Vermarktung von kitschigem Ersatz: frei nach Marx "Kitsch als neues Opium fürs Volk" als Religionersatz/Ablenkung...aber ich glaube erstens Du überschätzt da die politische Dimension der Kunstwirksamkeit ein wenig, und zweitens nochmal auch dabei: was den "Kenner" langweilt kann dem Laien eine Offenbahrung sein, weil Menschen nunmal völlig verschieden sind.
    Spannend finde ich persönlich immer die Form von Kunst, die sehr viele verschiedene Menschen gleichermassen begeistert und überzeugt und die ist meistens weniger hochkomplex/kompliziert, sondern existenziell von grosser Tiefe und sie kann durchaus auch schlicht sein.
    LG
    macin

  7. #7
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    Zitat Zitat von macin Beitrag anzeigen
    Wir nennen einen tollen Sonnenuntergang(oder ein Photo davon) manchmal kitschig, kann denn ein natürliches Phänomen per Definitionem kitschig sein?
    Das natürliche Phänomen nicht, ein Foto davon schon.

    Zitat Zitat von macin Beitrag anzeigen
    Auch ich mag van Gogh's Sonnenblumen, aber ihr astronomischer Preis ist vor allem eine gesellschaftliche Absprache [...]
    Ganz großes JA! Es gibt einen Kanon, der nicht mehr hinterfragt wird. Die Gemälde von van Gogh und Monet sind Meisterwerke. Punkt. Keine Diskussion. Da ich van Goghs Sternennacht kitschig finde, muss ich wohl einem Irrtum unterliegen. Na, das wäre nicht das erste Mal.
    Die Frage wäre auch interessant, inwieweit sich Kunst abnutzt, indem sie auf Tassen, T-Shirts, Poster und Federmäppchen gedruckt wird und uns in allen Lebenslagen um die Ohren gehauen wird, wie die Themen klassischer Musik in der Werbung.

    Ohne Kitsch wäre die Welt ärmer. Und der Übergang von Kitsch, Camp und 'naiver' Kunst zu 'hoher' Kunst ist fließend.
    In der Mode sieht man auch gut, wie sich Wahrnehmungen wandeln. Was vor zehn Jahren noch unerträglichster 80-er-Jahre-Stil war (inkl. Schnäuzer) ist heute bei progressiven Kreativen total angesagt.
    Der Beginn des Impressionismus, Expressionismus, da haben sich Meinungen um 180° gedreht. Geschmäcker werden quasi neu geeicht.
    Und was ist mit Hundertwasser und Klimt? Kunst oder Kitsch? Oder Kunst und Kitsch?

    Meine Grunddefinition von Kitsch in der Lyrik wäre ein Werk, dass im Bestreben Tiefe zu simulieren, auf Stereotype zurückgreift. Beziehungsweise ein Werk, das nur den kleinsten gemeinsamen Nenner bedient, wie zum Beispiel die Texte des Samplers Herzberührt -- Deutsche Poeten 4 mit Wincent Weiss, Max Giesinger und vielen anderen.

    Zitat Zitat von macin Beitrag anzeigen
    [...] es ist also in meinen Augen sehr vertrakt allgemeingültige, differenzierte und damit fundierte Aussagen über Kitsch und Kunst zu treffen.
    Dem schließe ich mich an.

  8. #8
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    Hallo zusammen

    @macin

    ich glaube sogar, dass es Qualitätskriterien gibt und damit auch Qualität, die Kunst von Kitsch unterscheidet.
    Dennoch masse ich mir nicht an darüber zu entscheiden, was für welchen Menschen schön und erfüllend zu sein hat.
    Dann sind wir uns ja langweiligeweise weitgehend einig-Es gibt Kritierien, die Kunst von Kitsch unterscheiden, die intersubjektiv einigermaßen verbindlich sind. Wenn wir aber über solche Kritierien verfügen, dann sollten wir den Weg zu guter Kunst für andere Menschen verkürzen. Das heißt niedrige Eintrittspreise für Mussen, Einführungsveranstaltungen usw. Es geht darum, die Freude mit möglichst Vielen zu teilen, nicht darum, ihnen etwas vorzuschreiben.

    Überschätze ich die politische Bedeutung von Kitsch? Von der Fototapete mit dem Sonnenuntergng, der Nachfolgerin des röhrenden Hirsches, geht für sich genommen sicher keine politische Wirkung aus. Etwas anderes ist es, wenn Hollywood jährlich 50 US-Success-stories in die Kinos bringt. Das Schema "Vom Tellerwäscher zum Millionär" ist in diesem Fall das Kitschmuster. Die Botschaft: Jeder kann es nach oben schaffen, was Blödsinn ist, denn damit einige nach oben kommen, müssen viele Andere unten bleiben und kleine Brötchen backen. Wenn sich der US-Kinogänger mit diesen Helden und ihrer Ideologie identifiziert, wird er solidarische, kollektive Lösungen für politische Probleme ablehnen (Jeder kann es ja alleine nach oben schaffen). Dann stimmt er beispielsweise gegen eine obligatorische Krankenversicherung. Wenn er dann erkannt hat, dass er es definitiv selbst nicht nach oben geschafft hat, wird er sich selbst dafür die Schuld geben, nicht "dem System" oder den gesellschatlichen Verhältnissen. Praktisch, was ?

    @leuchtendgrau: Ja der Kunstmarkt ist kein Maßstab für die Qualität eines Kunstwerkes. Sonst würden die Verlage ja Millionensummen für unsere Gedichte ausgeben.


    Gruß Onegin
    Geändert von Onegin (01.01.2020 um 22:40 Uhr)
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