1. #1
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    Einfaches Gedicht

    Gedichte zu schreiben
    ist einfach

    zum Beispiel
    über den blauen Himmel am Morgen
    die Spur einer Katze im Schnee
    ein Glas Orangensaft
    und die Krümel am Tisch

    oder über den Staub
    auf lange nicht niedergedrückten Klinken
    ein Automobil auf großer Fahrt
    Zypressen im Süden

    und den Blick der Geliebten
    der nun
    nie mehr auf dir ruht

    Das Leben
    mag schwer sein
    Gedichte zu schreiben
    ist einfach
    Geändert von Onegin (09.01.2020 um 21:23 Uhr)
    Love´s not Time´s fool W. S.

  2. #2
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    Solche wie diese natürlich schon. aber die ohne Niveau und tieferen Sinn natürlich nicht. Da muss man sich schon verrenken und nicht nur über den Tellerrand hinausblicken sondern einkalkulieren was die anderen so über ihre Schreibfähigkeiten vermuten lassen. Dafür danke ich dir.

    MFG!
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  3. #3
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    Hallo Terrorist,

    das Gedicht will sozusagen nebenberuflich auch ein Beitrag zu den laufenden Diskussionen über Vers- und Strophenformen sein....
    Danke fürs Vorbeischauen

    Gruß Onegin
    Love´s not Time´s fool W. S.

  4. #4
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    Hallo Ihr beiden, bitte nicht spammen!

    LG Claudi

  5. #5
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    aber das ist nur Nebenabsicht. In der Hauptsache muss das Gedicht für sich selber stehen. Es gibt wohl kein Kunstwerk, das sich einzig durch die Negation eines anderen seine Existenzberechtigung erwirbt.

    Gruß Onegin
    Love´s not Time´s fool W. S.

  6. #6
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    Hallo Onegin,

    der Text hat Wirkung, ich komme mit fast allen Bildern gut klar, mein Highlight die Spuren der Katze (vmtl. weil ich Katzenliebhaber bin) und ich dachte mir schon, dass das z.t. auch aufgrund der Diskussionen entstanden ist, die du über Art und Qualität eines Gedichts geführt hast.

    Davon ab, ich kann mit allen Bildern und auch der "fetteren" Sprache hier
    nd den Blick der Geliebten
    der nun
    nie mehr auf dir ruht
    aber die
    lange nicht niedergedrückten Klinken
    mag ich nicht. Das ist (für mich) eine wirkungslose Stelle.

    Ansonsten zeigst du sehr schön, dass es weder Endreim noch Metrum braucht, Hauptsache die beschworenen Bilder lösen Wirkung aus. Bis auf die Klinken ist das bei mir so.

    gern gelesen

    mp

    P.S.

    ich liebe Reime und Metrum
    ........
    whiskey's getting deeper
    and I use it like a moat
    there's a blues man in the distance
    and he's lost inside his note
    ........
    (Savatage)

  7. #7
    hallo Onegin

    das bild der staubigen klinken will mir auch nicht ganz logisch erscheinen, denn lyr.ich wird vermutlich doch das haus auch ab und zu verlassen, da er sich essen kauft und Autofahrten unternimmt

    wie wäre es stattdessen mit sowas?
    angerußte Hussen die vorm Kamin erkalten
    oder
    in Staub gerahmte Bilderrahmen hinter Glas

    Klinken
    die nur die schwere der Zeit noch niederdrücken mag

    vom bild des staubes auf Türklinken würde ich absehen, oder näheren bezug zu einem besonderen ort darstellen der seit dem ableben/gehen des Partners gemieden oder bewahrt wird?

    oder über den Staub
    auf niederdrückenden Klinken der Erinnerung

    deine bilder sind einfach aber wirkungsvoll
    gerne gelesen
    lg mythenfreund

  8. #8
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    Hallo Mimus,

    vielen Dank für deine differenzierte Rückmeldung. Vielleicht kann ich Dir den Staub auf den Klinken noch etwas näherbringen. Der Staub gehört zu den einfachen Dingen, die das "einfache Gedicht" aufruft , gleichzeiti weist es aber auch schon voraus (Asche zu Asche, Staub zu Staub) auf die veschwundene und wahrscheinlich tote Geliebte. Die lange nicht mehr niedergedrückten Klinken stehen für Zimmer, deren Bewohner seit langem abwesend sind, auch das eine Vorausdeutung auf die Geliebte. Das Automobil stellt dann die Verbindung zum Süden her. Die Zypressen gelten dort als Trauerbaum. So wird der Leser auf die Strophe 3 vorbereitet.

    Hallo Mythenfreund
    das bild der staubigen klinken will mir auch nicht ganz logisch erscheinen, denn lyr.ich wird vermutlich doch das haus auch ab und zu verlassen, da er sich essen kauft und Autofahrten unternimmt
    Das lir.ich, wenn denn von ihm überhaupt die Rede sein kann, beschreibt ja vorderhand gar nicht sein eigenes Haus sondern geht Möglichkeiten durch, Gegenstände in einem Gedicht zu thematisieren und redet in diesem Zusammenhang ganz allgemein über Staub auf Türklinken. Danke für Deine Vorschläge zur Änderung der Strophe aber ich lasse sie erstmal so stehen. Auch dir vielen Dank für deine Rückmeldung.

    Gruß Onegin.
    Geändert von Onegin (10.01.2020 um 10:13 Uhr)
    Love´s not Time´s fool W. S.

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